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Soll man seinem Bauchgefühl vertrauen oder lieber doch nicht?

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Links oder doch rechts? Rauf oder runter? Kaufen oder nicht kaufen? Etwas machen oder besser doch noch warten? Immer wieder stehen wir vor Entscheidungen, die wir zumeist „mit dem Kopf“ entscheiden nach Abwägen aller Argumente und Möglichkeiten. Aber hin und wieder entscheiden wir dann doch spontan nach unserem Bauchgefühl und folgen unserer Intuition – und oft liegen wir damit richtig.

Wenn das letzte Wort das Gefühl hat

Ein gutes Beispiel für intuitive Bauchgefühlentscheidungen sind Tourenschifahrer: Bestens ausgerüstet inkl. Schaufel, Sonden und Lawinensuchgerät stehen sie vor einem Hang. Eigentlich ist alles perfekt, die Sonne scheint, klassisches Kaiserwetter. Man hat Erfahrung, kennt den Berg, den Hang, Schneedeckenaufbau und Wetter. Trotzdem kommen Gedanken wie: „Kommt die Schneedecke ins Rutschen und löst sich eine Lawine?“ – oft hat in solchen Situationen das Bauchgefühl das letzte Wort. Gerade im Bergsport ist Intuition wichtig, wenn man wieder sicher runter kommen will.

Hirnforschung
(c) Pixabay.com

Nicht nur Forscher sind erstaunt, wie präzise und erfolgreiche Bauchentscheidungen sind.

Hirnforscher warten mit einer Fülle neuer Erkenntnisse rund um das viel zitierte Bauchgefühl auf. Die Erforschung der neuronalen Vorgänge, die sich bei intuitiven Entscheidungen vollziehen, erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Denn nicht nur die Forscher sind erstaunt darüber, wie präzise und erfolgreiche Entscheidungen aus dem Bauch heraus immer wieder sind.

Ein Hauch von „Hexerei“

In weiten Teilen unserer Gesellschaft gilt Intuition allerdings als „verdächtig“. Sie wird missverstanden als göttliche Eingebung, als mystischer sechster Sinn, als Hexerei – verstößt sie doch vermeintlich gegen alle Gesetze der Logik. Dabei hat die Wissenschaft längst gezeigt, dass Intuition nicht nur ein Impuls oder eine Laune ist, sondern einer eigenen Gesetzmäßigkeit folgt. Intuitives Denken erfolgt automatisch, mühelos, schnell. Dem gegenüber steht das logisch-rationale Denken – zeitaufwendig und langsam. Je nachdem, welches „System“ wir anwenden, kommen verschiedene Nervennetzwerke zum Einsatz.

Viele Berufe „brauchen“ die Intuition

In vielen Berufen und Tätigkeiten, etwa bei Notfallmedizinern oder Sportlern, gehören schnelle Bauchentscheidungen ohnehin zum Alltag. Die Frage eines Arztes etwa, ob ein Patient mit schweren Brustbeschwerden auf die Intensiv- oder normale Station gehört, kann über Leben und Tod entscheiden. Oder – weniger dramatisch – entscheidet zB beim Fußballspielen ein schneller, intuitiv gespielter Pass über Sieg oder Niederlage.

Bauchgefühl ist eigentlich ein Kopfgefühl

Bauchgefühle entstehen lapidar gesagt aus den unzähligen Sinneswahrnehmungen, die in jeder Sekunde auf uns einprasseln, und von unserem Unterbewusstsein aufgenommen werden . Diese Fähigkeit ermöglicht es uns, ständig unterschwellig und beiläufig zu lernen, sozusagen einen großen Wissensschatz anzuhäufen, aus dem wir immer wieder aufs Neue schöpfen. Unser Bauch­gefühl ist deshalb eigentlich ein Kopfgefühl. Es speist sich aus dem Langzeitgedächtnis und bedient sich der Summe unserer Erfahrungen.

Auf Basis des Gelernten bildet unser Gehirn „Faustregeln“, die es dann auf neue Situationen anwendet. Die Intelligenz des Unbewussten liegt darin, dass es, ohne zu denken, weiß, welche Regel in welcher Situation vermutlich funktioniert.

Der große Nachteil
(c) Pixabay.com

Wo geht´s weiter? Links oder recht oder doch gerade aus?

Unser Bauch­gefühl verleitet uns manchmal zu vorschnellen, eventuell nicht gerechtfertigten Urteilen. Zahlreiche Experimente zeigen etwa, dass Menschen bei neuen Bekanntschaften aus minimalen Hinweisen ein komplettes Charakterporträt basteln. Die Faustregeln, die das Gehirn abgespeichert hat, werden dann zu Vorurteilen. Daher sollte man trotz allem seine ersten Eingebung nicht blind folgen. Unsere Intuition kann uns auch in die Irre führen. Aber auch wenn wir rational an Dinge heran­gehen, unterlaufen uns ständig Denkfehler.

Bauchgefühl mit Logik prüfen

Wann also vertraut man besser der Vernunft und wann eher der Intuition? Haben wir vergleichbare Entscheidungen noch nie getroffen oder bewegen wir uns in einer Umgebung, die nicht vorhersagbar ist, befragen wir lieber den Verstand. Gezieltes Nachdenken ist außerdem von Vorteil, wenn wir unbewussten Vorlieben widerstehen oder Abweichungen im vermeintlich Bekannten erkennen müssen.

Unterliegt die Entscheidung dagegen wiederholbaren Bedingungen, konnten wir auf dem Gebiet bereits Erfahrung sammeln und hatten wir die Gelegenheit, aus unseren Fehlern zu lernen, dürfen wir ruhig unserer Intuition vertrauen. Am besten jedoch gehen Verstand und Intuition Hand in Hand – indem man das Bauchgefühl mit Logik überprüft.

Oder nach dem ersten nüchternen ­­Abwägen das Gefühl befragt 🙂

(Bilder: Pixabay.com)

tom

tom

Seit "ewigen" Zeiten dem Schreiben zugetan, speziell und vor allem online 😉
tom

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