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1/3 unseres Lebens schlafen wir – ist so viel Schlaf wirklich nötig?

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Ungefähr ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Der eine vielleicht sogar noch mehr, die andere vielleicht etwas weniger. In anderen Worten: jede/ r 75 Jährige hat bis dahin durchschnittlich 25 Jahre seines Lebens geschlafen. Die Frage, die sich förmlich aufdrängt: Ist so viel wirklich nötig? Die klare Antwort: Ja.

Verschlafen wir unser Leben?

Von jetzt an bis Ende 2021 wird jede/r von uns ungefähr ein ganzes Jahr geschlafen haben. Was grundsätzlich völlig normal ist und selten hinterfragt wird, klingt mit „nackten Zahlen“ hinterlegt nach unglaublich viel Zeit, die uns das scheinbar „durch die Lappen geht“.

Allerdings, und das ist sozusagen die „gute“ Nachricht, ist diese Zeit keine „verlorene“ Zeit. Denn die Nachtruhe ist absolut unentbehrlich für Körperfunktionen wie Immunsystem, Heilung und Gedächtnisbildung. Wenn dem nicht so wäre, dann könnte man meinen, der Schlaf an sich wäre der größte Fehler, den die Evolution jemals hervorgebracht hat. Denn wenn wir schlafen, liegen wir förmlich wie gelähmt und völlig schutzlos einfach nur so da.

Eine Frau beim Schlafen. (c) Pixabay.com
Das Argument mit der Schutzlosigkeit war in der Steinzeit ein durchaus schwerwiegendes. Trotzdem stellt sich die Frage, warum wir überhaupt schlafen? Zumal es kein Lebewesen gibt, dass so tief und fest schläft wie wir.

Der Rhythmus, wo jede/ r mit muss

Die Antwort auf die grundsätzliche Frage nach dem Warum mag schlicht und einfach darin liegen, dass uns die Erde einen Tag-Nacht-Rhythmus vorgibt. Entsprechend haben sich die einen Lebewesen an den hellen, warmen Tag angepasst, die anderen haben sich zu Geschöpfen der Nacht entwickelt.

Aber egal ob Tag- oder Nachtaktiv: Das Energiesparen alleine ist sicher nicht der Hauptgrund dafür, dass wir ein Drittel unseres Lebens im Bett verbringen – obwohl vieles dafür spricht. Wenn wir nicht schlafen, sterben wir. Unser Immunsystem, das sich während wir schlafen regeneriert, würde zusammenbrechen und einfache Infekte wären letztlich letal.

Im Schlaf werden darüber hinaus Wachstumshormone ausgeschüttet und Schäden repariert, sprich Wunden heilen dann schneller. Wer unter chronischem Schlafmangel leidet, neigt zu hohem Blutdruck, Übergewicht, Stoffwechselstörungen und erkrankt sogar häufiger an Krebs. Unser Gehirn braucht Schlaf, um Müll loszuwerden. Die Räume zwischen den Zellen weiten sich, schädliche Stoffwechselprodukte, die tagsüber entstehen, können ausgeschwemmt werden.

Und warum „verlieren“ wir unser Bewusstsein?

Soweit, so gut. Aber das könnte doch auch alles in wachem Zustand passieren, oder nicht? Hier kommt nun die Gedächtnisforschung mit ins Spiel, weil im Schlaf bildet sich unser Gedächtnis, v.a. im Tiefschlaf.

Sinneseindrücke, die tagsüber im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden, landen über Nacht im Langzeitgedächtnis. Dabei werden Inhalte nicht nur von einem Speicherort an den anderen kopiert. Neu Erlebtes wird mit alten Erinnerungen verknüpft, Unwichtiges aussortiert, Wichtiges behalten.

Um langfristig Gedächtnis zu bilden, müssen die Inhalte im Kurzzeitspeicher erneut aktiviert werden. Würden gleichzeitig neue Sinneseindrücke einströmen, könnte das zu Problemen führen. Die Folge können Halluzinationen sein – wie sie bei langem Schlafentzug oft auftreten. Lernen im Schlaf ist also kein Mythos. Es ist Alltag.

Mann und Frau in einem Bett, er mit dem Kopf unter der Decke, sie sitzt mit verschränkten Händen und schaut zu ihm. (c) Pixabay.com
Dass wir schlafen müssen, steht fest. Der einzige Unterschied: der eine braucht mehr Schlaf, die andere weniger. Wie viel Schlaf jede/r von uns benötigt, ist individuell verschieden.

Am besten erst mal eine Nacht darüber schlafen

Doch während wir Stunden lang einfach nur „so da liegen“, passiert noch mehr. Bei diversen Experimenten mussten die TeilnehmerInnen beispielsweise Zahlenreihen ergänzen. Testpersonen, die zwischen zwei Testreihen geschlafen haben, erkannten beim zweiten Versuch doppelt so viele Reihen wie jene, die nicht schlafen durften.

Im Schlaf muss also eine Art Zusammenschau passieren. Oder anders gesagt: Über etwas schlafen kann durchaus Probleme lösen. 

Was einem gesunden Schlaf entgegen steht, sind eigentlich nur wir selbst. Dass wir unser Leben nicht sinnlos verschlafen, kann als erwiesen gelten. Trotzdem hat unsere Gesellschaft ein eher angespanntes Verhältnis zu dem ‚dunklen Drittel‘ unseres Lebens. Wir liegen ja scheinbar nur sinnlos in den Federn, und tragen nichts zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

Die Konsequenz: Schlafstörungen sind längst zu einer Volkskrankheit geworden. Denn selbst wenn wir unseren Tagesablauf perfekt durchorganisieren: Schlaf kommt nicht auf Knopfdruck. Der Weg in das Reich der Träume führt nur über ein entspanntes Loslassen – in diesem Sinn ist ja vielleicht auch dieser Beitrag ganz interessant: Stressfrei schlafen – die besten Tipps für eine erholsame Nachtruhe 🙂

(Bilder: Pixabay.com)

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