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Autofahren: Brille rausnehmen und aufsetzen = mind. 40m Blindflug!

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„Unachtsamkeits-/ Ablenkungsunfälle“ beim Autofahren – und dazu gehört auch zB die Brille rausnehmen und aufsetzen – stehen mit mehr als 38 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden an der unrühmlichen Spitze der Unfallstatistik (Quelle: Statistik Austria). Wenn sie während einer Autofahrt „fahrfremde“ Tätigkeiten ausführen, leiden Abstand, Spurhaltung und nicht zuletzt Reaktionsschnelligkeit enorm. Dabei ist gerade und vor allem eine konzentrierte Fahrweise wichtig, um nicht unnötig einen Unfall zu riskieren.

Nicht nur die „Klassiker“ lenken ab beim Autofahren

Man könnte nun meinen, dass das ohnehin verbotene Telefonieren am Steuer Hauptursache von verminderter Aufmerksamkeit ist. Doch es sind – leider – nicht nur die „Klassiker“ wie Smartphone und Navi, die beim Autofahren ablenken. „Alle Tätigkeiten, die während der Fahrt nahe dem Lenkrad oder Sitzbereich stattfinden, können wertvolle Reaktionszeit zur Vermeidung von Unfällen kosten. Dazu gehören gerade auch Nebenbeschäftigungen wie beispielsweise die Bedienung von Radio oder Bordcomputer, das Suchen und Aufsetzen einer Brille, das Öffnen einer Trinkflasche und Essen“, macht ÖAMTC-Psychologin Marion Seidenberger aufmerksam.

Jede Aufgabe, auch wenn man sie scheinbar automatisch ausführt und schon x mal gemacht hat, kostet Leistung und Aufmerksamkeit. „Man kann nicht mehrere Aufgaben gleichzeitig und gleich gut bewältigen. Wendet man sich dem einen zu, leidet automatisch die Kapazität für das andere. Multi Tasking funktioniert scheinbar nur, solange alles ’normal‘ abläuft und nichts passiert„, führt die Expertin des Mobilitätsclubs aus.

Das Trügerische dabei ist, wenn ein Verkehrsteilnehmer glaubt, sich und seine Leistungsfähigkeit wie auch eine aktuelle ‚ungefährliche‘ Verkehrssituation längerfristig einschätzen zu können. Denn genau dann lässt er sich leicht ablenken und wendet sich anderen Dingen zu. „Subjektiv fühlen sich diese Momente kurz an, objektiv gemessen dauern sie aber einige Sekunden. In diesen Sekunden, in denen man blickmäßig, gedanklich und bedientechnisch nur eingeschränkt ‚funktioniert‘, legt man – je nach Geschwindigkeit – allerdings sehr viele Meter quasi im Blindflug zurück“, so Seidenberger.

Ist man beim Autofahren abgelenkt, fährt man quasi im Blindflug durch die Gegend. (c) Pixabay.com
Ablenkung beim Autofahren ist wie fahren durch dichten Nebel: quasi im Blindflug.

Brille herausnehmen und aufsetzen sind mindestens 40 Meter Blindflug

Die ÖAMTC-Psychologin hat die Auswirkungen bei Echtfahrversuchen gemessen: „Ist man im Stadtgebiet mit entsprechendem Fahrtempo unterwegs, also mit 30 bis maximal 50 km/h, und nimmt eine Brille aus dem Etui und setzt sie auf, legt man in dieser Zeit im Schnitt eine ‚Blindfahrstrecke‘ von mindestens 40 Metern zurück. Einige Testfahrer waren sogar mehr als 100 Meter Fahrstrecke damit beschäftigt, ohne einen einzigen konzentrierten Blick auf die Fahrbahn zu werfen.“

Wer dazu außerdem auch noch beide Hände benötigt, kann schon mal bis zu sieben Sekunden „freihändig“ auf der Straße sein. „In dieser Zeit rollt der Wagen mehr oder weniger ungesteuert durch die Gegend. Und die Konsequenz: der Fahrer bzw. die Fahrerin kann auf unerwartete Situationen nicht mehr adäquat reagieren„, so Seidenberger.

Kinder als Ablenkung – Reisen richtig vorbereiten

Doch nicht nur Dinge oder Bedienungselemente können während der Fahrt ablenken, auch Beifahrer können die (gesamte) Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Gerade Ferien sind meist Familien-Reisezeiten, die mit kleinen Enkel-/ Kindern an Bord unternommen werden. „Kinder haben allerdings andere Bedürfnisse. Vor allem auf längeren Fahrten machen sich rasch Langeweile und Unbehagen breit. Hilfreich sind hier u.a.: ein ruhiger ‚cruisender‘ Fahrstil, eine angenehme Bordatmosphäre, fix eingeplante Bewegungspausen nach maximal eineinhalb bis zwei Stunden Fahrzeit sowie regelmäßige Kontaktpflege mit und Beschäftigung der jungen Beifahrer, beispielsweise mit Filmen, Lesestoff und Snacks. Bei den ganz Kleinen könnte man auch die Fahrzeit so planen, dass ihre gewohnheitsmäßige Schlafzeit auf die Fahrt gelegt wird“, so die Tipps der ÖAMTC-Psychologin.

Ein Kleinkind, das in einem Autositz schläft. (c) Pixabay.com
Längere Autofahrten mit Kleinkindern sollten idealer Weise auf deren Schlafrhythmus abgestimmt werden.

Pausen sollten bei längeren Fahrten aber nicht nur „den Kindern zuliebe“ gemacht werden. Planen sie, egal ob sie alleine oder mit mehreren Personen unterwegs sind, regelmäßige kurze Zwischenstopps alle ein bis zwei Stunden ein – gerade und vor allem, wenn sie sich schon müde fühlen. Dabei reichen schon zehn Minuten, um sich kurz mal die Beine zu vertreten, sich durchzustrecken und mal ein wenig frische Luft zu schnappen. Ihre Konzentration und Reaktionsfähigkeit werden es ihnen danken. Und besser ein paar Minuten länger unterwegs sein bzw. einplanen, als gar nicht ankommen, weil man kurz unachtsam und unkonzentriert gewesen ist.

(Bilder: Pixabay.com)

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