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Sprachassistenten werden kommen – so wie ‚damals‘ die Handys

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Erinnern wir uns ein paar Jahre zurück an „damals“, Mitte/ Ende der 1990er Jahre: viele von uns hatten noch Vierteltelefone, Schurlostelefone wurden noch bestaunt und Teenager haben noch „heimlich“ in der Telefonzelle mit der neuen Flamme telefoniert. Heute, 20-25 Jahre später gibt´s das alles [fast]nicht mehr. Heute hat [fast]jede/ r ein Smartphone und telefoniert und/ oder chattet über´s Internet. Das Handy von „damals“ heißt heute Alexa, Siri & Co., oder anders formuliert: Sprachassistenten sind im Kommen – so wie „damals“ die Handys.

„Alexa, schreib Milch auf die Einkaufsliste.“

Noch werden sie eher spärlich eingesetzt bzw. stoßen mitunter noch auf Skepsis, aber das wird sich ändern. Sie werden in unseren Alltag einsickern wie in den letzten 2 1/2 Jahrzehnten die Smartphones. Und das ist ganz gut so. Denn vor allem ältere Menschen und seh- und mobilitätseingeschränkte Menschen werden von den Sprachassistenten profitieren.

Gerade und vor allem für diese Menschen können Alexa, Siri & Co. – so heißen sie nämlich, die Sprachassistenten – ein wichtiges Tor zur Welt werden. Sie können einfach per Sprachaufforderung über Dinge informieren, das Licht, den Radio oder den Fernseher ein- und ausschalten, die Einkaufsliste ergänzen, an die Einnahme von Medikamenten oder Arzttermine erinnern, Witze erzählen, Freunde anrufen, das Wetter von morgen sagen, an Geburtstage erinnern, u.v.m. – Toll, oder?

Sie sind Kinder, die noch viel «lernen» müssen

Bei all diesen tollen und komfortablen Anwendungsbeispielen darf man allerdings eines nicht vergessen: Alexa, Siri & Co. sind erst seit Herbst 2011 auf dem Markt, also gerade mal im Volksschulalter. Anders gesagt: die Technik der Sprachassistenten ist gerade mal in der Anfangsphase, wird allerdings permanent optimiert und „lernt“ dazu – was ja zB bei der Fernbedienung für den Fernseher nicht (mehr) der Fall ist.

Spachassistenten haben mittlerweile so etwas wie ein Kurzzeitgedächtnis. Will man beispielsweise nach Salzburg fahren, kann man Google fragen: „Wie komme ich nach Salzburg?“ Google findet dann per GPS den aktuellen Standort heraus, berechnet die Route und merkt sich, wohin der User fahren möchte. Fragt der dann, wie das Wetter „dort“ ist, gibt der Assistent auch noch die Vorhersage für Salzburg an.

Klingt einfach. Ist es aber nicht – zumindest nicht für digitale Assistenten. Zur flüssigen Kommunikation ist es natürlich noch ein weiter Weg, aber die Hersteller sind ehrgeizig…

Ein Mann, der etwas in sein Smartphone tippt. (c) Pixabay.com
Tippen sie noch, oder reden sie schon? Für ältere oder Menschen mit Sehbehinderung praktisch, nicht alles auf der kleines Handy-Tastatur eintippen zu müssen.

Wo sind die Grenzen bzw. gibt es überhaupt welche?

Zukunftsprognosen haben es so an sich, dass sie rückblickend betrachtet mitunter ziemlich, nun ja, «bescheuert» wirken können – vor allem dann, wenn es erstens doch anders kommt, als man zweitens denkt. Man sollte also grundsätzlich auch beim Thema Sprachassistenten vorsichtig sein, aber so viel kann man sagen: Sprachassistenten werden in unseren Alltag einziehen. Zwar nicht überall, aber doch in sehr vielen Bereichen.

Vor allem bei so „Kleinigkeiten“ wie Fernbedienungen, Erinnerungen an Termine bzw. auch beim lästigen Eintippen von Terminen, oder beim Licht ein- und ausschalten, etc. – es klingt zwar heute noch irgendwie komisch, wenn man mit einem Handy oder mit dem Fernseher spricht [obwohl man nicht mal mit dem Nachbar plaudert], aber Sprachassistenten sind mit Sicherheit der nächste Schritt in der Entwicklung der Computerbedienungshilfen.

Sprachassistenten werden zwar die Tastatur, die Maus oder das Touchpad nicht ersetzen, aber ergänzen. Denn was ist einfacher als dem Computer zu «sagen», was man gerne hätte oder wissen möchte? Und das ist gut. Vor allem, wie schon oben erwähnt, für ältere Menschen und/ oder für Menschen mit Sehbehinderung und/ oder eingeschränkter Mobilität.

Das Leben in den eigenen vier Wänden verlängern

Illustration: ein Handy, das Fernseher, Licht und Waschmaschine steuert. (c) Pixabay.com
Sprachsteuerung in einem vernetzten zu Hause hat durchaus seine Vorteile. „Siri, das Licht bitte ab- und den Fernseher einschalten.“ Und wie von Zauberhand passiert es auch. Ohne Widerrede 🙂

Aktuelle Umfragen zeigen, dass zwar auf der einen Seite regelmäßige Nutzer von Sprachassistenten noch in der Minderheit sind. Aber auf der anderen Seite in jeder Altersgruppe die Zahl der Nutzer stetig steigt. Vor allem bei den über 60-Jährigen ist die Zahl der User mit mittlerweile über 25 Prozent, die zumindest hin und wieder mit Alexa, Siri & Co. reden, erstaunlich hoch. Erstaunlich deshalb, weil man die Nutzung dieses „neumodischen Zeugs“ viel eher den Digital Natives zusprechen würde.

Aber gerade für die ältere Generation, denen die Buchstaben am Handy zu klein sind, oder die sich schwer beim Aufstehen tun, um das Licht ein- oder aus zu schalten, schaffen sprachgesteuerte Geräte Autonomität. Nicht nur, dass sie das Leben erleichtern, können sie auch ein wichtiger Zugang zum Smartphone und Internet sein. Viel mehr noch: Sprachassistenten werden in Zukunft die vernetzte Welt von Haushaltsgeräten koordinieren. Mikrowelle, Uhren, Kühlschrank, Fernsehen, Lautsprecher und sonstige Geräte, die wir jeden Tag zu Hause nutzen, werden vernetzt und können sprachgesteuert werden.

Nur wie bei allem, was neu ist, herrscht bei vielen bzgl. Sprachassistenten noch große Skepsis. Es ist halt schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn man zum ersten Mal einen Lautsprecher bittet, den Wecker auf sieben Uhr zu stellen. Und dann ist ja da auch noch die Sache mit dem Abhören und so…

Den ‚gesunden Hausverstand‘ eingeschaltet lassen

Stimmt, das Internet – und all das läuft nun mal über das Netz – kann durchaus gefährlich sein, Stichwort Datenmissbrauch. Aber das ist kein Grund, paranoid zu werden. Natürlich stehen hinter diesen Entwicklungen Wirtschaftsunternehmen, die am Ende des Tages damit Geld verdienen wollen bzw. müssen. Nur, der kluge User weiß das.

Er weiß auch, dass er nicht alles mit jedem teilen sollte. Schon gar nicht mit dem bzw. im Internet. Man sollte einem Sprachassistenten nicht unbedingt die Daten seiner Kreditkarte auf die Nase binden. Aber wenn Alexa weiß, dass man am Mittwoch nachmittag seine Freunde zum Karten Spielen trifft – so what?

Unterm Strich sind Sprachassistenten so zu nutzen wie Smartphones und Laptops auch: mit Verstand. Niemand wird an etwaige Probleme mit dem Datenschutz denken, wenn er/ sie Alexa bittet, die am Boden stehende Stereoanlage etwas lauter zu drehen. Schon gar nicht, wenn er/ sie 70 Jahre alt ist und eine Hüftoperationen hinter sich hat.

(Bilder: Pixabay.com)


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