05.03. 2021 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Altern im Lockdown: Der Einfluss von Covid-19 auf SeniorInnen

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Erfolgreich altern und dabei körperlich aktiv und geistig fit bleiben – ein Ziel für viele von uns. Doch machen die von der Regierung verordneten Covid-19-Lockdowns dem einen Strich durch die Rechnung, Stichwort altern im Lockdown?

Forscherinnen und Forscher der Wirtschaftsuniversität Wien und der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften haben untersucht, wie alte Menschen mit der Herausforderung eines Lockdowns umgehen und welche Implikationen diese für einen aktiven Lebensstil jenseits der 60 haben. Einen kurzen Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse lesen sie hier.


Social Distancing hat ambivalenten Effekt

Die Einschränkung der sozialen Kontakte, sprich Social Distancing hat einen ambivalenten Effekt auf Menschen über 60 Jahre.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Lukas Richter, Projektmitarbeiter am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung der WU Wien und Theresa Heidinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung der Karl Landsteiner Privatuniversität. Die beiden haben auf Basis der Daten von über 500 Frauen und Männer im Alter von 60 oder älter untersucht, wie sich ihr Verhalten während des ersten Lockdowns im Frühjahr des vergangenen Jahres verändert hat.

Ein älterer Mann alleine auf einer Parkbank, Stichwort Altern im Lockdown.
(c) Pixabay.com
Social Distancing hat einen ambivalenten Effekt auf das Altern im Lockdown.

Altern im Lockdown – weniger Training, dafür mehr geistige Aktivitäten

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich alte Menschen zu einem Großteil an die Vorgaben der Regierung zur Eindämmung bzw. Bekämpfung der Covid-19-Pandemie halten. Der Einfluss des Lockdowns macht sich aber insbesondere auf die physische Aktivität bemerkbar: 36 Prozent der Befragten Österreicherinnen und Österreicher trainieren in Zeiten des Lockdowns weniger als üblich, 17 Prozent sogar gar nicht mehr.

Dahingegen nimmt die geistige Aktivität im Lockdown zu: Seniorinnen und Senioren schauen mehr fern, lesen mehr Zeitung und setzen sich somit geistig häufiger mit dem aktuellen Geschehen auseinander.

Was allerdings wiederum sehr stark unter dem Lockdown leidet, sind Alltagsaktivitäten: So hat etwa die Hälfte der Befragten Personen ihr Einkaufverhalten stark eingeschränkt. Ein Viertel ging sogar gar nicht mehr selbst einkaufen und war insofern auf die Unterstützung anderer bzw. auf Lieferdienste angewiesen. Und schließlich hat sich gezeigt, dass der Großteil der ehrenamtlichen Aktivitäten eingestellt wurde – nicht zuletzt eine Konsequenz der stark eingeschränkten Vereinsaktivitäten.

Am meisten überraschte die Forscherinnen und Forscher, dass die Pandemie einen positiven Einfluss auf die Anzahl der sozialen Kontakte älterer Menschen hatte: 81 Prozent der Befragten haben mehrfach in der Woche mit ihren Kindern und/ oder Enkelkindern gesprochen. „Das lässt durchaus den Schluss zu, als hätte die Pandemie Familien näher zusammengebracht,“ sagt Lukas Richter. Aber auch der Kontakt mit Freundinnen und Freunden sowie mit Bekannten stieg während des Lockdowns an.

Was versteht man eigentlich unter „Erfolgreichem Altern“?

Die Forscherinnen und Forscher bauen bei dieser Frage auf einem Modell auf, das erfolgreiches Altern wie folgt definiert:

  • geringe Wahrscheinlichkeit an einer Krankheit oder an einer krankheitsbedingten Beeinträchtigung zu leiden

  • hohe kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit sowie

  • aktive Gestaltung des Lebens

Die Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiches Altern während der Covid-19 Pandemie eine mitunter sehr große Herausforderung ist. So führt das Befolgen der verordneten Maßnahmen um Erkrankungen und Infektionen zu verhindern, sehr oft zur Reduktion der aktiven Gestaltung des Lebens und zu weniger körperlichen Aktivitäten. Dies wiederum vermindert die Chance zur Vermeidung von Krankheiten, Stichwort #SportISTgesund.

Die Studienautorinnen und -autoren Richter und Heidinger dazu: „Die Ergebnisse zeigen, dass der Lockdown ganzheitlich betrachtet nicht die einzige Lösung für alte Menschen sein kann. Wir brauchen dringend Konzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die ein erfolgreiches Altern auch in einer Pandemie ermöglichen.“ – Worte, denen im Grunde nichts mehr hinzuzufügen ist.

Eine leere Straße in einer Stadt während des Lockdowns.
(c) Pixabay.com
Ein Lockdown fegt nicht nur die Straßen und Gassen der Städte und Gemeinden leer, auch das erfolgreiche Altern im Lockdown wird zum Teil erheblich erschwert.

In diesem Sinn: #BleibenSieGesund!

Informationen über die Studie

Die Studie „Caught between two fronts: successful aging in the time of Covid-19.“ von Lukas Richter und Theresa Heidinger können sie HIER jederzeit abrufen bzw. auch als Pdf [in Englischer Sprache] downloaden. 

(Bilder: Pixabay.com)

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