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Trotz Covid-19 auf die kommende Influenza-Saison nicht vergessen

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Wie die Influenza-Saison 2020/ 2021 in Österreich verlaufen wird, ist – so wie jedes Jahr – von vielen Faktoren abhängig und schwer vorhersehbar. In jedem Fall ist auch in dieser Saison mit Influenza-Erkrankungen, -Hospitalisierungen und auch -Todesfällen zu rechnen.

In Anbetracht der aktuellen Covid-19-Pandemie steht die Influenza-Saison allerdings nicht im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Trotzdem sollten gerade wegen der Pandemie-Situation aber alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Zahl der an Influenza erkrankten Personen in der Saison 2020/ 2021 so niedrig wie möglich zu halten. Um dies zu erreichen, ist eine möglichst hohe Influenza-Durchimpfungsrate vor allem bei Kindern und Risikogruppen notwendig. 14 medizinische Fachgesellschaften[1], die die sogenannte “Influenza-Task-Force Österreich” bilden, empfehlen ein Bündel von weitreichenden Maßnahmen, da der Influenza gerade wegen der Covid-19-Pandemie heuer [und auch in Zukunft]eine besondere Bedeutung zukommt.


Die letzte Influenza-Saison war weniger stark “dank” Covid-19

Anders als für SarS-CoV-2 liegen für Österreich zur Häufigkeit von Influenza-Infektionen nur selektive Informationen aus Stichproben [Influenza-Sentinel-Surveillance-Systeme] und keine flächendeckenden epidemiologischen Daten vor. Das liegt daran, dass mikrobiologisch bestätigte Influenza-bedingte Hospitalisierungen, -Intensivaufenthalte oder -Todesfälle in Österreich noch nicht meldepflichtig sind.

Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in der letzten Influenza-Saison 2019/ 2020 deutlich weniger Menschen an Influenza erkrankten und verstarben als in den Vorjahren. Die Reduktion der Influenza-Inzidenz/-Mortalität war mit großer Wahrscheinlichkeit eine positive Nebenwirkung der im Rahmen der Covid-19-Pandemie ab März 2020 strikt umgesetzten Hygienemaßnahmen und gesamtgesellschaftlichen Beschränkungen. Diese wurden in ähnlicher Weise weltweit beobachtet.[2],[3] Für die kommende Influenza-Saison wird dieser Effekt womöglich aber nicht im selben Maß zu beobachten sein, und das hat mehrere Gründe:

Taschentücher, benutzte und saubere, ein Fieberthermometer, Tabletten, Nasensprays, eine Tasse Tee und Zitronen, Stichwort Influenza-Saison.
(c) Pixabay.com
Ein “typisches” Bild von neben dem Bett einer oder eines Influenza-Erkrankten: Tabletten, Nasenspray, jede Menge Taschentücher, Fieberthermometer und heißer Tee mit Zitrone.

Kinder als Überträger der Influenza spielen entscheidende Rolle

Die letzte Influenza-Saison begann in Österreich Ende Dezember 2019 mit lokalen Ausbrüchen in Tirol. Stark betroffen waren unter anderem Schulen, was vereinzelt sogar Schulschließungen zur Folge hatte. Im Gegensatz zur SarS-CoV-2-Infektion spielen Kinder [jünger als 14 Jahre] bei der Verbreitung der Influenza nämlich eine zentrale Rolle.

Da versucht wird, die direkte Kinderbetreuung in Kindergärten und Schulen trotz fortdauernder Covid-19-Pandemie soweit wie möglich aufrechtzuerhalten, sind Influenza-Infektionen – inklusive Cluster und Hot Spots – bei Kindern und sekundäre Übertragungen auf Jugendliche und ältere Menschen zu erwarten.

Darüber hinaus wird das Bestreben, ein vertretbares Maß an sozialem und wirtschaftlichem Leben trotz Covid-19-Pandemie in Österreich zu gewährleisten, die jetzt kommende Influenza-Epidemie möglicherweise weniger effektiv einschränken als in der letzten Saison.

Zusätzliche Belastung von Krankenhäusern und Gesundheitspersonal

Die Covid-19-Pandemie ist aber auch aus anderen Gesichtspunkten eng mit der jährlichen Influenza-Epidemie verknüpft. SarS-CoV-2- und Influenza-Infektionen können beide schwer verlaufen und betroffene Personen müssen im Krankenhaus isoliert werden. Selbst eine nur moderate Influenza-Saison 2020/ 2021 kann daher zu einer zusätzlichen oder prolongierten kritischen Belastung des bereits durch die Covid-19 belasteten Gesundheitswesens führen.

Empfehlungen der Influenza-Task-Force

Um die Influenza-Epidemie in Österreich heuer und fürderhin möglichst klein zu halten, muss das österreichische Gesundheitssystem dringlich weiterführende Anpassungen im Bereich Influenza-Impfstoff-Finanzierung, -Implementierung und letztendlich auch in der impfmedizinischen Ausbildung von Medizinerinnen/ Medizinern und Pflegekräften ins Auge fassen.

Die 14 wissenschaftlichen Gesellschaften der Influenza-Task-Force Österreich empfehlen in ihrer Stellungnahme unter anderem:

  • Ausbau von flächendeckenden, niederschwelligen und dezentralisierten Impfmöglichkeiten für die Allgemeinbevölkerung, speziell aber für Risikogruppen und deren Angehörige;

  • Kostenfreie Influenza-Schutzimpfung für alle Personen, in jedem Fall aber altersunabhängig für alle Risikogruppen;

  • Aufmerksammachen von noch nicht geimpften Personengruppen auf die noch ausständige Influenza-Schutzimpfung: Kinder, Gesundheitspersonal, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kinderbetreuungseinrichtungen, Schwangere, ältere Menschen und Personengruppen mit spezifischen medizinischen Risikofaktoren;

  • Meldepflicht für schwere Influenza-Erkrankungen und somit deren systematische und flächendeckende Erfassung;

  • Öffentlichkeitswirksamere präsaisonale Aufklärung über die Bedeutung der Influenza-Infektion;

  • Öffentlichkeitswirksamere präsaisonale Aufklärung über Wirksamkeit und Verträglichkeit der Influenza-Schutzimpfung;

  • Verbesserung der impfmedizinischen Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten;

  • Veröffentlichung der Influenza-Infektions-Zahlen.
Zwei Injektionen mit Impfstoffen auf einer Mund-Nasen-Schutzmaske.
(c) Pixabay.com
Informieren sie sich bei ihrem Arzt/ ihrer Ärztin bzgl. einer präventiven Influenza-Impfung.

Die Stellungnahme der Influenza-Task-Force Österreich können sie in voller Länge downloaden unter: www.medical-media-consulting.at/pressroom


Quellennachweis

[1] Österreichische Gesellschaft für Pneumologie; Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin; Österreichische Gesellschaft für Transplantation, Transfusion und Genetik [Austrotransplant]; Österreichische Gesellschaft für Nephrologie; Österreichische Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin; Österreichische Gesellschaft für Thoraxchirurgie; Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Österreichische Gesellschaft für Infektiologie und Tropenmedizin; Österreichische Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie; Österreichische Gesellschaft für Kardiologie; Österreichische Diabetes Gesellschaft; Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde; Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin; Österreichische Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin.

[2] https://www1.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/Content/ozflu-surveil-no16-20.htm, abgerufen am 30.11.2020

[3] Olsen SJ, Azziz-Baumgartner E, Budd AP, et al. Decreased Influenza Activity During the COVID-19 Pandemic — United States, Australia, Chile, and South Africa, 2020. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2020;69:1305–1309. DOI: http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm6937a6external icon

(Bilder: Pixabay.com)

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