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Bergsport & Wandern in Corona-Zeiten – darauf müssen sie achten

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Seit Anfang Mai ist es – endlich – soweit. Die bis dahin geltenden Ausgangsbeschränkungen in Österreich sind ausgelaufen. Ab sofort dürfen wieder bis zu zehn Personen an einem Ort zusammenkommen – unter der Voraussetzung, dass diese eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen oder mindestens zwei Meter Abstand halten.

Experten des Österreichischen Alpenvereins und der Naturfreunde Österreich haben sich daher in Zusammenarbeit mit dem Verband alpiner Vereine Österreichs [VAVÖ] intensiv Gedanken gemacht, wie eine freudvolle Bergsportausübung in Zeiten von Covid-19 ab sofort erfolgen kann. Gemeinsam wurden Leitlinien erarbeitet, die altvertraute Sicherheitsvorkehrungen um zumutbare Maßnahmen erweitern, um so das Infektionsrisiko bei gemeinsamen Unternehmungen in der Natur zu minimieren. Im Mittelpunkt stehen sieben Grundregeln, die um sportartspezifische Empfehlungen für die alpinen Kernsportarten ergänzt werden.

„Altbekannte“ Sicherheitsvorkehrungen um neue Regeln erweitert

„Die gemeinsame Umsetzung der Leitlinien im Bereich des Bergsports ist wichtig und erfreulich. Mit diesen Grundregeln und sportartspezifischen Empfehlungen wird offenkundig, dass der Verband alpiner Vereine Österreichs ein Dachverband ist, der die Interessen aller Bergsportbegeisterten vertritt und auch in herausfordernden Zeiten gestaltend mitwirkt“, so Gerald Dunkel-Schwarzenberger, Präsident VAVÖ.

„Covid-19 ist unerwartet in nahezu alle Bereiche unseres Lebens getreten. Im Bergsport ist es nun wichtig, allbekannte Sicherheitsvorkehrungen um neue Regeln zu erweitern. Ziel unserer Leitlinien ist es, das Infektionsrisiko zu minimieren – besonders, wenn Personen gemeinsam unterwegs sind, die nicht in einem Haushalt leben“, betont Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins.

„Die alpinen Vereine Österreichs haben ein wirksames und zumutbares Regelsystem für den Bergsport erarbeitet. Es freut mich sehr, dass dies im Schulterschluss mit allen alpinen Vereinen umgesetzt wurde. Nun geht die Phase 2 los, in der gemeinsam an der Schutzhüttenöffnung gearbeitet wird“, ergänzt Andreas Schieder, Vorsitzender der Naturfreunde Österreich.

Wanderer in den Bergen auf einem steinigen Weg, Stichwort Bergsport.
(c) Pixabay.com
Endlich sind die Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise aufgehoben und wir können wieder – unter Einhaltung der nach wie vor gültigen Vorsichtsmaßnahmen – raus in den Natur.

Mit Bedacht und Verantwortungsbewusstsein

Die Lockerung der Corona Maßnahmen bedeutet, gerade jetzt mit viel Verantwortungsbewusstsein und Vorsicht in die Bergsaison zu starten. Wichtig ist, sich selbst nicht zu überfordern und Bergtouren stets im Einklang mit dem eigenen Können zu unternehmen. Dieser späte Saisonstart erfordert für Bergaktivitäten ein langsames Herantasten an die Kondition und das technische Können. Dem Drang, jetzt alles auf einmal aufzuholen und gleich wieder mit schweren Touren zu beginnen, muss man widerstehen.

Die lang ersehnten Lockerungsmaßnahmen treten schrittweise in Kraft. Die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus besteht weiterhin. Das gilt auch bei Mountainbike-Touren, Wanderungen und Ausflügen. Nicht alles was jetzt nicht mehr verboten ist, ist in der aktuellen Lage auch ratsam. Daher gilt gerade jetzt umso mehr, kein unnötiges Risiko einzugehen und Menschenansammlungen zu vermeiden.

Alle Aktivitäten im Freien sollten mit viel Bedacht und Verantwortungsbewusstsein durchgeführt werden. Bewegung und Sport sind wichtig für Körper UND Seele – halten wir dabei aber Abstand und geben so dem Virus keine Chance.

Grundregeln für den Bergsport

1. Risikobereitschaft zurücknehmen

Bleiben sie bei alpinen Unternehmungen deutlich unterhalb ihrer persönlichen Leistungsgrenze. Bedenken sie die coronabedingten Risiken und Erschwernisse bei etwaigen Rettungseinsätzen. Mehr denn je gilt: Nur gesund in die Berge!

2. Abstand halten – mindestens zwei Meter!

Zwei Meter, das sind etwas mehr als zwei Armlängen bei einem Erwachsenen. Sollte in Ausnahmefällen der Mindestabstand von zwei Metern unterschritten werden, verwenden sie eine Mund-Nasen-Schutzmaske. Bestimmte Bergsport-/ aktivitäten [zum Beispiel Mountainbike]können auch größere Abstände erfordern [siehe unten]!

3. Bergsport nur in Kleingruppen

Die konkrete Personenzahl hängt von der jeweiligen Bergsportart ab. Mit zehn Personen ist eine Obergrenze vorgegeben. Bedenken sie, dass es mit zunehmender Gruppengröße schwieriger wird, Abstand zu halten! Meiden sie nach Möglichkeit auch stark frequentierte Touren und Plätze.

4. Gewohnte Rituale unterlassen

Zum Beispiel Händeschütteln, Umarmungen, Gipfelbussi, Trinkflasche anderen anbieten, etc.

5. Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel mitnehmen

Neben der allgemeinen Notfallausrüstung gehören Mund-Nasen-Schutzmasken und Desinfektionsmittel für die nächste Zeit unbedingt auch in den Rucksack.

6. Mund-Nasen-Schutzmaske bei Fahrgemeinschaften

Tragen sie bei Fahrgemeinschaften unbedingt ihre Mund-Nasen-Schutzmaske. Außerdem dürfen in jeder Sitzreihe einschließlich dem Lenker nur zwei Personen befördert werden. Bevorzugen sie nach Möglichkeit eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

7. Im Notfall wie immer

Gehen sie als Ersthelfer nach den allgemein üblichen Erste-Hilfe-Richtlinien vor und verwenden sie zusätzlich eine Mund-Nasen-Schutzmaske.

Landschaft in den Alpen im Morgenlicht.
(c) Pixabay.com
Bergsport- und Wanderherz, was willst du mehr 🙂

Sportartspezifische Empfehlungen zusätzlich zu den oben angeführten Grundregeln

Bergwandern/ Bergsteigen/ Skitouren/ Schneeschuhwandern

Umsetzen der Grundregeln.

Sportklettern [Klettergärten] & Bouldern Outdoor

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Regelmäßiges Desinfizieren der Hände.
  3. Das Seil beim Klippen nicht in den Mund nehmen.
  4. Die eigene Ausrüstung verwenden: Expressschlingen, Sicherungsgerät, Seil.
  5. Partnercheck auf Distanz: Die Partner fordern sich gegenseitig zur Überprüfung von Knoten, Karabiner, Sicherungsgerät und Gurt auf und beobachten sich dabei gegenseitig.
  6. Spotten mit Mund-Nasen-Schutz und anschließender Desinfektion der Hände.

Klettersteig

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Verzicht, wenn bereits mehrere am Steig unterwegs und Staus absehbar sind.
  3. Rücksichtnahme und Abwarten am Einstieg.
  4. Geschwindigkeit so wählen, dass man nicht auf andere Personen aufläuft.
  5. Überholen nur, wo die Abstandsregel eingehalten werden kann und kein Sicherungsbedarf besteht [Absätze, Bänder].
  6. Ausstiegsbereich nach Beendigung des Klettersteigs rasch verlassen.
  7. Klettersteige nicht in der Gegenrichtung begehen.
  8. Klettersteig-Handschuhe verwenden.

Mehrseillängen/ Alpinklettern/ Hochtouren

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Maximal zwei Personen am Standplatz.
  3. Partnercheck auf Distanz: Die Partner fordern sich gegenseitig zur Überprüfung von Knoten, Karabiner, Sicherungsgerät und Gurt auf und beobachten sich dabei gegenseitig.
  4. Hände desinfizieren vor und nach einer Klettertour.

Mountainbike/ Tourenrad

  1. Umsetzen der Grundregeln.
  2. Höhere Geschwindigkeiten erfordern größere Abstände beim Hintereinanderfahren: fünf Meter bergauf, 20 Meter bergab und in der Ebene.
  3. Wenn überholen, dann rasch und nur, wenn der seitliche Mindestabstand von zwei Meter eingehalten werden kann.
Zwei Mountainbiker in den Bergen.
(c) Pixabay.com
Für Mountainbiker gelten natürlich auch zusätzlich zu den Grundregeln nach weitere Empfehlungen.

Möglichkeiten eines sicheren Hüttenbetriebs

Neben den Leitlinien im Bereich des Bergsports haben Experten des Alpenvereins, der Naturfreunde und des Österreichischen Touristenklubs gemeinsam mit dem VAVÖ und dem DAV auch eine Ideen- und Maßnahmenliste für den künftigen Betrieb der Hütten erstellt und an das zuständige Ministerium übermittelt. Ergebnisse sollen Anfang Mai präsentiert werden. Die Gastronomiebereiche zahlreicher Hütten werden voraussichtlich ab 15. Mai wieder öffnen, Übernachtungen werden ab 29. Mai möglich sein – zu beachten sind dann die jeweils geltenden Regelungen.

(Bilder: Naturfreunde/ Martin Edlinger, Pixabay.com (3x))

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1 Kommentar

  1. Hallo,

    ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie es insbesondere bei den Hüttenübernachtungen, die ab Monatsende wieder angeboten werden sollen, möglich ist, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Als ich das letzte Mal in einer Hütte genächtigt habe, mussten wir uns im Matratzenlager (war auch nicht schlecht) zur Ruhe begeben. Wie das dann klappen soll, weiß ich nicht…

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