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9 von 10 “bienenfreundlichen” Blumen sind mit Pestiziden belastet

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Seit Jahren ist das Bienensterben Thema. In den vergangenen 30 Jahren hat der Insektenbestand in allen Ökosystemen weltweit um 75 Prozent abgenommen – eine dramatische Entwicklung.  Was jede•r Einzelne tun kann, um Bienen und andere Insekten zu schützen, erklärt Martin Poreda, Gründer des Impact Start-up Hektar Nektar. Denn Bienenschutz ist immer wichtig – nicht nur am Weltbienentag. Das zeigt auch ein alarmierender Test von Global 2000: demnach sind über 90 Prozent[!] von “bienenfreundlichen” Blumen mit Pestiziden belastet!


Dank PROJEKT 2028 bereits über 26 Millionen Bienen mehr

Seit exakt vier Jahren setzt sich das Wiener Impact Start-up Hektar Nektar für den Bienenschutz ein. Mit PROJEKT 2028 werden Honig- und Wildbienen gezielt vermehrt und Lebensräume für alle Insekten geschaffen. Bereits mindestens 26 Millionen der summenden Tiere gibt es dank PROJEKT 2028 mehr. Darüber hinaus wird die lokale Imkerei gefördert und damit die lokale Bestäubung sichergestellt. Beteiligt sind mittlerweile über 150 engagierte namhafte Unternehmen, rund 6.000 Imker•innen sowie mehr als 11.000 Privatpersonen, denen Bienenschutz am Herzen liegt.

Wieso der Schutz von Insekten wichtig ist, ist schnell erklärt: Insekten bilden in allen Ökosystemen quasi die Basis für Biodiversität. Sie lockern den Boden auf, dienen als Nützlinge und nicht zuletzt als Futter für andere Tiere. Darüber hinaus sorgen Insekten – allen voran die Honig- und die Wildbienen – für die Bestäubung von 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen und zeichnen so direkt für ein Drittel aller Nahrungsmittel verantwortlich. Zudem bindet die Bestäubungsleistung eines einzigen Bienenvolkes mindestens sechs Tonnen CO2 pro Jahr. 

Eine Biene auf einer Blüte, Stichwort Bienen.
(c) Hektar Nektar
Bienen sind für die Bestäubung von 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen verantwortlich. Daher: schützen wir sie!

 Starkes Movement für den Artenschutz

“Wir konnten in den letzten vier Jahren ein starkes Movement kreieren und viele Partner•innen für Artenschutz und Nachhaltigkeit motivieren. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie gesellschaftliche Verantwortung tragen. Auch unter Konsument•innen wird das Bewusstsein für unsere Zukunft immer stärker. Die Corona-Krise hat als Katalysator gewirkt und ins Zentrum gerückt, was wirklich wichtig: unsere Umwelt, das Klima und natürlich die eigene Gesundheit. Dementsprechend fallen auch Kaufentscheidungen und es stellt sich eine Verhaltensänderung ein. Für nichts Geringeres als unsere Zukunft,” fasst Martin Poreda die aktuellen Entwicklungen zusammen.

Wenn es um Insektenschutz geht, kann jeder selbst aktiv werden

Mit folgenden einfachen Maßnahmen auf dem Balkon oder im Garten und mit bewussten Kaufentscheidungen ist schon einiges für den Insektenschutz und damit für die Biodiversität getan.

  • Im Garten und auf dem Balkon auf Pestizide verzichten und Kunstdünger verbannen. Pestizide und Dünger sind für alle Insekten giftig!

  • Heimische Pflanzen mit offenen Blüten pflanzen – so finden Bienen und andere Insekten ausreichend Nahrung. Obstbäume und Beerensträucher eignen sich besonders gut. Zierpflanzen wie etwa die beliebten Geranien sind als Nahrungsquelle für Bienen unbrauchbar.

  • Dafür sorgen, dass es im Garten von März bis September blüht, damit Bienen und Insekten die ganze Saison über einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

  • Eine Kräuterspirale mit Gartenkräutern wie Salbei, Majoran, Thymian und Co. zieht Bienen magisch an.

  • Gefallenes Laub und Totholz im Garten belassen – hier finden Insekten Unterschlupf.

  • Ein Insektenhotel bietet Wildbienen ein zu Hause, auch leere Schneckenhäuser und Tannenzapfen werden von manchen Wildbienen als Nistplatz bezogen.

  • Unkraut nicht jäten – etwa Scharbockskraut bietet reichlich Nektar.

  • Beim Lebensmitteleinkauf regionale und wenn möglich biologisch angebaute Produkte bevorzugen. In der biologischen Landwirtschaft kommen weniger Pestizide zum Einsatz, der Boden wird geschont und die Insektenvielfalt bewahrt.

Insekten brauchen unsere Hilfe – und zwar jeden Tag. Wer seinen Garten oder seinen Balkon bienenfreundlich gestaltet und Kaufentscheidungen bewusst trifft, kann aktiv zum Insektenschutz beitragen,” erklärt Poreda. Darüber hinaus bietet Hektar Nektar einen weiteren unkomplizierten Weg, sich messbar für Bienen einzusetzen. Mit der Übernahme einer Patenschaft trägt man direkt zur Erhöhung der Bienenpopulation bei und erhält ab einem Beitrag von 40 Euro regionalen Honig dazu. 

Eine Biene im Anflug auf eine Blüte.
(c) Pixabay.com
Die Natur und wie Menschen brauchen die Bienen, daher gilt es, sie zu schützen!

Global 2000 Einkaufstest: Über 90 Prozent der untersuchten Blumen mit Pestiziden belastet

Anlässlich des Weltbienentags testete* Global 2000 gemeinsam mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland [BUND] 35 “bienenfreundliche” Pflanzen auf Pestizidrückstände und kam zu erschreckenden Ergebnissen: Über 90 Prozent der untersuchten Blumen waren mit Pestiziden belastet, fast die Hälfte davon sogar mit hoch-bienengiftigen Wirkstoffen.

Dr. Waltraud Novak, Pestizid-Expertin bei Global 2000, zu den Ergebnissen: “Auf fast allen von uns untersuchten Pflanzen fanden wir richtige ‘Pestizid-Cocktails’, bei einem Viertel aller Blumen wurden sogar zehn oder noch mehr gefährliche Wirkstoffe gefunden. Und das Schlimmste daran: Die Pflanzen waren alle speziell als ‘bienenfreundlich’ gekennzeichnet”.

Mit 19 Pestiziden wies ein untersuchtes Männertreu [Lobelia] die höchste Anzahl an Rückständen auf, gefolgt von einem Phlox mit 18 sowie Lichtnelken und Köcherblümchen mit 17 Wirkstoffen. Nur drei[!] Pflanzen waren unbelastet.

“Unser Test zeigt: Im Zierpflanzenbau gibt es noch viel zu tun. Die momentane Praxis ist katastrophal für Bienen und andere Insekten,” so Novak. “Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen den Bienen helfen und kaufen daher bienenfreundliche Pflanzen wie Margeriten, Blaukissen oder Lavendel, ohne zu ahnen, dass sie bienengefährliche Pestizide enthalten”.

Auf fast der Hälfte der Pflanzen [40 Prozent] wurden außerdem Pestizide entdeckt, die in der EU nicht zugelassen sind. Darunter auch extrem bienengiftige Substanzen wie das Neonicotinoid Imidacloprid, das auf Vergissmeinnicht aus dem österreichischen Lagerhaus gefunden wurde. “Unsere Analyse zeigt ein weiteres Problem auf,” so Novak: “Der Europäische Zierpflanzenbau geschieht in großem Stil auf Kosten des globalen Südens, woher die Mehrheit der Jungpflanzen stammt. Pestizide, die in der EU aus gutem Grund verboten sind, werden in den Produktionsländern eingesetzt und gelangen so auch wieder zu uns.”

Pflanzen in Österreich stärker belastet als in Deutschland

Keine einzige in Österreich gekaufte Pflanze war frei von Pestizidrückständen, in Deutschland waren immerhin 20 Prozent der Proben unbelastet. Die fünf Pflanzenproben mit jeweils gleich drei hoch-bienengiftigen Pestiziden stammten alle aus Österreich.

Pflanzen mit dem österreichischen AMA-Gütesiegel waren im Test nicht weniger mit Pestiziden belastet als der Durchschnitt. Drei der vier Pflanzen mit AMA-Gütesiegel wiesen sogar eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Pestiziden auf und ebenfalls auf drei von vier Proben wurden hoch-bienengiftige Pestizide nachgewiesen. Auch auf Pflanzen mit AMA-Gütesiegel wurden nicht zugelassene Pestizide nachgewiesen.

Eine tote Biene, die auf dem Rücken liegt.
(c) Pixabay.com
Pestizide sind Gift für Bienen und andere Insekten!

Politik ist dringend gefordert

In Deutschland regelt das nationale Pflanzenschutzgesetz, dass Pflanzen mit Rückständen von nicht zugelassenen Wirkstoffe nicht importiert werden dürfen. In Österreich gibt es keine gesetzlichen Regelungen für Pestizidrückstände auf Zierpflanzen. Novak drängt auf ein Verbot von bienengefährlichen Wirkstoffen im Zierpflanzenbau: “Um das Insektensterben zu stoppen, fordert Global 2000 eine deutliche Reduktion des Einsatzes von Pestiziden und vor allem von erwiesenermaßen bienengiftigen Wirkstoffen. Die Behörden sind gefordert, die Ungefährlichkeit von Zierpflanzen zu kontrollieren, genauso wie bei Lebensmitteln.

Wirklich sicher sind Zierpflanzen nur, wenn sie aus biologischer Produktion kommen. Wir empfehlen den Konsument•innen daher, wenn möglich Bio-Pflanzen zu kaufen, auf Pestizidreduktionsprogramme des Handels zu achten und Pflanzen zu kaufen, die von der Jungpflanze weg in Österreich produziert werden.”

Ohne Pestizide zum “Nationalpark Garten”

Da für viele Tier- und Pflanzenarten geeignete Lebensräume immer seltener werden, ist es wichtig, dass wir giftfreie Rückzugsorte für die Natur schaffen und der Artenvielfalt wieder mehr Raum geben. Deshalb hat Global 2000 die Initiative “Nationalpark Garten” gestartet: Damit soll ein österreichweites Netzwerk an kleinen Naturoasen geschaffen werden, um die gefährdete Artenvielfalt zu schützen. Das Projekt richtet sich an Gartenbesitzer•innen genauso wie an Haushalte mit Terrasse oder Balkon und auch an Gemeinden.

Mehr Informationen zum Nationalpark Garten und die Möglichkeit, ihre Naturoasen in das Netzwerk einzutragen finden sie HIER.

Über den Test*

Getestete Händler Österreich
Bauhaus, bellaflora, Dehner, Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI, Praskac, JOGL Gärtnerei und Floristik, Hofer, Billa, Lidl, Baldur Garten

Getestete Händler Deutschland
Der Holländer Pflanzencenter, OBI, Blume 2000, Hellweg, IKEA, Globus, Hornbach, Dehner

Den gesamten Test können sie HIER als PDF downloaden.

(Bilder v.o.n.u.: Pixabay.com, Hektar Nektar, Pixabay.com (2x))

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