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Blind wegen Glaukom – nur regelmäßige Vorsorgeuntersuchung hilft

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Glaukom – schon mal davon gehört? Sollten sie, denn dabei handelt es sich um eine Krankheit, die irreparable Schäden am Auge verursachen kann, bis hin zum völligen Erblinden. Die gute Nachricht: viele Glaukom-Erblindungen sind – bei rechtzeitiger Diagnose – vermeidbar. Für das frühe Erkennen der Erkrankung stehen zahlreiche moderne diagnostische Methoden zur Verfügung. Von diesem technischen und medizinischen Fortschritt profitiert aber nur der, der auch regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung geht.

Schäden trotz Beschwerdefreiheit

„Das Glaukom ist eine chronische, unheilbare Krankheit und die zweithäufigste Erblindungsursache in der industrialisierten Welt. Schäden, die von ihr verursacht werden, können durch die medizinische Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die rechtzeitige Behandlung kann aber das Voranschreiten der Erkrankung eindämmen oder verhindern“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie und stellvertretender Klinikvorstand der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz.

„Es ist daher besonders wichtig, rechtzeitig und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen: Ab dem 40. Lebensjahr sollten wir alle einmal pro Jahr zum Augenarzt gehen. Er kann das Glaukom mit schmerzlosen Untersuchungen feststellen oder ausschließen.“

Portrait Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Stv. Klinikvorstand Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz. (c) Fotodienst/ Martina Draper
„Der stille Verlauf dieser Erkrankung führt dazu, dass leider circa 60 Prozent der Menschen, die daran leiden, gar nicht wissen, dass sie daran erkrankt sind,“ informiert Faschinger.

Neueste Technik in der Augenheilkunde

Computerbasierte Systeme, die mittels sogenannter „Künstlicher Intelligenz“ arbeiten, stellen einen neuen Weg dar, Ärzte bei der frühen Diagnosestellung von Augenerkrankungen zu unterstützen. Dabei werden mit Laser-basierten Untersuchungsmethoden, den sogenannten optischen Kohärenz Tomographie Systemen (OCT), hochauflösende Bilder der Netzhaut und des Sehnervs berührungslos und schnell aufgenommen, die dann mit speziell trainierten Computerprogrammen analysiert werden.

„Diese Computersysteme basieren auf sogenannten Deep-Learning-Algorithmen und neuronalen Netzen. Dabei lernt der Computer nicht nach vorgegeben Regeln, sondern es werden künstliche neuronale Netze verwendet, die mit mehreren hunderttausend Bildern von kranken und gesunden Augen trainiert werden. Diese neuronalen Netze sind spezielle Computerprogramme, die bis zu einem gewissen Grad die Verschaltung von biologischen Nervenzellen nachempfinden“, berichtet Assoc. Prof. Dr. Gerhard Garhöfer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Leiter der Abteilung OphthalmoPharmakologie an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien.

Portrait Assoc. Prof. Dr. Gerhard Garhöfer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Leiter der Abteilung OphthalmoPharmakologie an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien. (c) Dr. Gerhard Garhöfer
„Ziel dieser neuen Systeme ist nicht das Ersetzen der ärztlichen Diagnose. Vielmehr stehen dem Arzt oder der Ärztin neue High-Tech Assistenzsysteme zur Verfügung, um eine schnellere und individuellere Therapie zu ermöglichen,“ erklärt Garhöfer.

Internetmythen: „Schwarze Flecken“ und alternative Behandlungen

Neue Technologien haben aber auch Schattenseiten. Diese zeigen sich vor allem im Internet. Leider sind viele dort gebotene Informationen falsch, unvollständig, irreführend oder sogar angsterzeugend.

OA Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Oberarzt an der Augenabteilung der Krankenanstalt „Sanatorium Hera“, langjähriges Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukomgesellschaft, Vorsitzender der Glaukom-Kommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, klärt auf: „Die häufigste irreführende Information ist der Hinweis, dass Betroffene die Gesichtsfeldausfälle als ‚schwarze Flecken‘ wahrnehmen. Dies stimmt in den meisten Fällen nicht. Frühe Gesichtsfelddefekte werden, da sie meist zu Beginn nur ein Auge betreffen, vom gesunden Auge ausgeglichen. Außerdem ergänzt unser Gehirn die Umgebung in die Gesichtsfeldausfälle hinein. Daher wird kein ‚schwarzer Fleck‘ wahrgenommen, sondern bestenfalls ein ‚unscharfes Areal‘ oder ‚verschwommenes Sehen‘ beschrieben. Dies ist auch der Grund, warum die Erkrankung so lange für die Erkrankten unbemerkt verläuft – es sind für sie einfach keine Symptome zu erkennen. Auch der sogenannte Tunnelblick wird nur in ganz seltenen Fällen von den Betroffenen beschrieben.“

Hommer warnt: „Es gibt keine validen Studien, die belegen, dass mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Akkupunktur der Augendruck gesenkt und das Glaukom behandelt werden kann. Jede Werbung dafür ist als rein wirtschaftlich motiviertes Handeln bei fehlender wissenschaftlicher Absicherung einzustufen. Bei Cannabis gibt es zwar einige Publikationen, die einen gewissen Augendruck-senkenden Effekt beschreiben, dieser ist aber nicht ausreichend therapeutisch sinnvoll ausgeprägt, um die Einnahme zu rechtfertigen. Man müsste auch alle drei Stunden THC in einer Dosis zu sich nehmen, die eine Teilnahme am täglichen Leben wohl eher ausschließt.“

Portrait OA Dr. Anton Hommer. (c) Fotodienst/ Martina Draper
„Im Vergleich dazu muss man herkömmliche Augentropfen nur alle 12 bis 24 Stunden anwenden – mit wesentlich weniger und kaum das tägliche Leben einschränkenden Nebenwirkungen,“ klärt Hommer auf.

Augenarzt oder Optiker?

Abschließend betont Faschinger: „Gegen das Glaukom hilft keine Brille. Ein Optiker stellt Brillen her, kann aber keine Diagnose zu einer Augenerkrankung erstellen. Ausschließlich die Augenärztin beziehungsweise der Augenarzt verfügt über das medizinische Fachwissen und die entsprechenden Diagnosetechniken. Weiters kann auch nur von fachärztlicher Seite eine Behandlungsentscheidung getroffen werden.“

Daher unser Aufruf: Augen regelmäßig kontrollieren lassen. Denn Vorsorge ist der wichtigste Schritt zur Erhaltung des Augenlichts!

Ein paar Fakten

Was ist das Glaukom?

  • eine Augenkrankheit, bei der die Nervenzellen des Sehnervs geschädigt werden
  • zunächst Gesichtsfeldausfälle, unbehandelt kann es zur völligen Erblindung des betroffenen Auges kommen
  • in Österreich ist das Glaukom die zweithäufigste Erblindungsursache

Betroffene

  • in der Europäischen Union werden laut Schätzungen bis 2020 12,4 Millionen Menschen betroffen sein
  • in Österreich 80.000
  • aufgrund des zunehmenden Alters der Bevölkerung ist eine dramatische Zunahme des Glaukoms zu erwarten

Symptome

  • meistens über viele Jahre hinweg unerkannt, da ohne subjektive Symptome; verursacht meist keine Schmerzen und ist den Betroffenen nicht anzusehen
  • Gesichtsfeldausfälle mit Fortschreiten der Erkrankung, die von den Betroffenen erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium bemerkt werden – diese sind allerdings irreversibel!
  • Früherkennung hat daher einen sehr hohen Stellenwert!

Risikofaktoren

  • ab dem 50. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko alle zehn Jahre
  • bei einem Augendruck zwischen 22 und 30 mm Hg ist das Risiko 10-13-fach erhöht
  • bei einem Augendruck von mehr als 30 mm Hg steigt das Risiko um das 40-fache
  • bei höherer Kurzsichtigkeit ist das Risiko 2-4-fach erhöht
  • bei positiver Familienanamnese steigt das Risiko um das 3-9-fache
  • weitere Risikofaktoren sind u.a. eine dünne Hornhaut, niedriger Blutdruck, Migräne und Schlaf Apnoe

Therapie

  • Therapieziel ist, den Sehnerv und damit das Sehvermögen zu erhalten und zu verhindern, dass die Krankheit voranschreitet
  • zunächst medikamentöse Behandlung mit Augentropfen (oder auch Laserstrahlen)
  • Ziele dabei: Augeninnendruck senken, Durchblutung des Sehnervs wenn möglich verbessern, Nervenfasern schützen
  • in über 90 % aller Fälle ist mit Medikamenten eine zufriedenstellende Senkung des Augeninnendrucks und damit eine Stabilisierung des Befundes erreichbar
  • bei Bedarf stehen Laserbehandlungen und operative Verfahren zur Verfügung

(Bilder: publichealth.at, Fotodienst/ Martina Draper (2x), Dr. Gerhard Garhöfer)

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