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‚Braining App‘ – neue Methode zur Früherkennung von Demenz

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Demenz ist nach wie vor nicht heilbar und weltweit arbeiten Forscherinnen und Forscher intensiv daran, das zu ändern, sprich Medikamente gegen Demenz zu finden. Menschen mit einer demenziellen Erkrankung können umso länger selbstständig leben, je früher die Krankheit diagnostiziert wird. Daher ist die Früherkennung einer Demenz so wichtig.

Der Steirische Neurologe Albert Weinrauch entwickelt eine neuartige, alltagstaugliche „Braining App“ zur Früherkennung von Demenz. Der Screeningtest nimmt nur rund fünf bis zehn Minuten in Anspruch und kann bequem am Tablet oder Smartphone über einen Touchscreen oder auch direkt am PC/ Laptop durchgeführt werden.

Manche Betroffene oder deren Angehörigen verharmlosen oder überspielen die ersten Anzeichen einer Demenz. Doch auch ein bisschen verwirrt ist schon ein bisschen zu viel. Daher sollte man bei verlässlichen Anzeichen für eine Demenz-Erkrankung auf gar keinen Fall zu lange warten und einen Demenz-Test machen [lassen].

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Derzeit leben in Österreich ungefähr 130.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, wobei Morbus Alzheimer die häufigste, allerdings nicht die einzige Form von Demenz, darstellt. Jede/ jeder vierte Österreicher*in über 80 Jahren und fast jede/ jeder zweite über 90 Jahre ist davon betroffen. Trotz dieser eigentlich dramatischen Zahlen – bis 2050 sollen sich diese Schätzungen zufolge sogar verdoppeln – stehen gerade zu Beginn der Erkrankung immer noch vor allem zwei „Phänomene“, nämlich Verdrängung und Tabuisierung.

Dabei beschreibt Demenz ganz allgemein den Zustand von geistigem Abbau und den Verlust von zuvor beherrschten Fähigkeiten. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Die häufigste Unterform ist die Alzheimer-Demenz, bei der nach und nach Nervenzellen des Gehirns absterben, weil sich Proteinplaques in ihnen ablagern. Eine andere Ursache für Demenz ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns. Diese Form der Erkrankung wird vaskuläre Demenz genannt, die auf vielen kleinen Schlaganfällen beruht, die sich schließlich in der Summe bemerkbar machen.

Aufgrund der hohen Zahl an Demenzkranken haben viele Menschen Angst, selbst daran zu erkranken, oder dass eine oder einer ihre Angehörigen von einer Demenz betroffen sein könnten. Sobald der Schlüssel der Eingangstür einmal verlegt wird oder man im Supermarkt steht und nicht mehr weiß, was man eigentlich kaufen wollte, weckt das schnell den Gedanken, ob da etwas nicht stimmen könnte? Doch nicht jedes Vergessen bedeutet automatisch, dass man an Demenz erkrankt ist. Es ist natürlich, Dinge zu verlegen und zu vergessen – das passiert jeder und jedem von uns, jeden Tag.

Ein menschliches Gehirn, Stichwort Braining App.
(c) Pixabay.com
Wenn wir einmal vergessen, wo wir zum Beispiel unsere Schlüssel abgelegt haben, heißt das nicht automatisch, dass unser Gehirn nicht mehr so funktioniert wie es sollte. Kommt es allerdings immer öfter vor, sollte man ev. einen Test machen.

Wie kam es zur Entwicklung der ‚Braining App‘?

Seit Jahren betreut Albert Weinrauch Patientinnen und Patienten mit Symptomen von Demenz. Wie bereits erwähnt, ist es besonders wichtig, diese Symptome so frühzeitig wie nur möglich zu erkennen. Die neuartige Methode – insbesondere bei wiederholten Testungen – bietet eine große Sicherheit bei der Erkennung von demenziellen Syndromen und das bei besonders geringem Zeitaufwand.

Darüber hinaus muss der Test nicht direkt in der Ordination oder in einer Ambulanz vorgenommen werden, sondern kann überall zu jeder Zeit durchgeführt werden. Und schließlich bietet der Test natürlich auch die Möglichkeit, das Thema Demenz für sich auszuschließen.

Was unterscheidet ‚Braining App‘ von anderen Tests?

Braining App ist eine innovative Technologie zur Überprüfung kognitiver Funktionen, die es erlaubt innerhalb weniger Minuten Informationen zu den eigenen kognitiven Ressourcen aber auch latente Hinweise auf die Entwicklung einer Demenz wahrzunehmen. Diese werden mittels eines Scores [ICOS – internet-based cognitive score] dargestellt. Die App unterscheidet sich dabei durch einige fundamentale Gütekriterien von anderen vermeintlich ähnlich gelagerten Tools.

Braining App ist nicht von einem Softwarebüro programmiert, sondern von einem Facharzt für Neurologie. Dadurch konnten im Rahmen der Entwicklung der App eigene klinisch neurologische Erfahrungen gleich in die grundlegenden Funktionen der App einfliessen. Anhand dieser Expertise erfolgte auch die Entwicklung von Algorithmen, die es erlauben bei wenig Zeitbedarf eine suffiziente Aussage über die kognitiven Ressourcen der Anwenderin/ des Anwenders auszusagen – eine essentielle Qualität in Hinblick auf die Früherkennung von Demenzen.

Anders als bei herkömmlichen Gedächtnistest liegt der Braining App ein medizinischer Anspruch mit entsprechendem wissenschaftlichem Hintergrund und regelmäßigen Evaluationen zugrunde.

Die Hand einer alten Frau, die versucht, ein Holzstück mit vier Löchern auf den richtigen Stapel zu legen.
(c) Pixabay.com
Um bei beginnender Demenz so lange wie möglich unabhängig und selbstbestimmt leben zu können, muss die Erkrankung so früh wie möglich erkannt und behandelt werden.

Welche Ziele verfolgt die App in Zukunft?

Zielsetzung ist es, dass die Braining App als neuer Standardtest zur Demenzdiagnostik Anerkennung findet. Teil des Konzepts der App ist es, dass in einem weiteren Schritt auch personalisierte, via künstliche Intelligenz ausgewählte Übungen für den jeweiligen Nutzer/ Nutzerin zur Verfügung gestellt werden, die der Entwicklung kognitiver Einbußen im Sinne einer aktiven Prävention vorbeugen.

Diese Funktion befindet sich derzeit jedoch noch in der sogenannten „Alpha Phase“ und steht aktuell erst einigen wenigen Alpha Testerinnen und Tester zur Verfügung

Service

Jede und jeder, der die Braining App für sich einmal ausprobieren und testen möchte, kann das online unter https://braining.app. Die Seite ist frei zugänglich und die Nutzung kostenlos.

(Bilder: Pixabay.com)

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