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Corona-Impfung – wer noch keine hat, sollte das rasch nachholen

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“Wer noch nicht gegen SarS-CoV 2 geimpft ist, sollte das gerade angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen und des immer höheren Ansteckungsrisikos unbedingt möglichst schnell nachholen“, ruft Prim. Dr. Manfred Greher, der Sprecher der sieben Wiener Ordensspitäler[1] und Ärztliche Direktor des Herz-Jesu Krankenhauses, auf. “Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich und andere. Er trägt auch dazu bei, dass es nicht durch eine hohe Zahl von Menschen mit Covid-19 in den Normal- und Intensivstationen aus Kapazitätsgründen erneut zur Verschiebung von Operationen kommt.”


Corona-Impfung schützt fast völlig gegen schwere Covid-Verläufe

Wer durch Impfung vollimmunisiert ist, ist sowohl sehr gut gegen eine Infektion als auch noch besser – und zwar fast völlig – gegen schwere Covid-Verläufe geschützt, die eine Spitalsbehandlung erfordern. Zuletzt ist nämlich nicht nur die Zahl der Neuinfektionen stark gestiegen, sondern leider auch wieder die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 an den Normal- oder Intensivstationen von Krankenhäusern betreut werden müssen. Prim. Greher: “Aus österreichischen und internationalen Untersuchungen wissen wir, dass auf den Intensivstationen geimpfte Personen mit Covid-19 die sehr große Ausnahme sind.”

Hält der aktuelle Trend weiterhin an, sei wieder mit Einbrüchen bei der Versorgung in Krankenhäusern zu rechnen, sagt Prim. Greher: “Dann wird es wohl unvermeidlich werden, dass auch die Ordensspitäler wieder Kapazitäten für Menschen mit Covid-19 vorhalten und in der Folge verschiebbare Eingriffe verschoben werden müssen, wie es während der Pandemie bereits der Fall war. Der beste Weg, solche Entwicklungen zu vermeiden oder zumindest zu bremsen, ist eine möglichst hohe Impfquote.”

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz bekommt eine Corona-Impfung in ihren linken Oberarm.
(c) AdobeStock
Mit der Corona-Impfung schützt man sich selbst und andere. Und die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs der Krankheit ist äußerst gering, was wiederum die Krankenhauskapazitäten schont.

Im Juni Impfpflicht für neue Mitarbeitende eingeführt

Die sieben Wiener Non-Profit-Krankenhäuser haben bereits im vergangenen Juni die Impfpflicht für neue Mitarbeitende in allen Bereichen eingeführt Prim. Greher: “Für extrem seltene Fälle, bei denen eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, würden wir uns selbstverständlich um Sonderregelungen bemühen.”

Die Impfquote liegt bei Mitarbeitenden der Wiener Ordensspitäler bei 85 bis 90 Prozent, die neu eingeführte Impfpflicht soll das Impf-Niveau weiterhin anheben. Prim. Greher: “So schützen wir bestmöglich unsere Mitarbeitenden und unsere Patientinnen und Patienten.”

Ärztekammer: Nur die Corona-Impfung schützt vor schwerer Erkrankung und Lockdown

Auch der Präsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer, Dr. Thomas Szekeres, betont: “Nur eine Impfung schützt den Einzelnen vor einer schweren Corona-Erkrankung.” Auch er ruft die Bevölkerung auf, das Gratis-Impfprogramm in Anspruch zu nehmen. “Die Impfstraßen werden in ganz Österreich langsam zurückgefahren. Somit liegt es jetzt an den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, jene Österreicherinnen und Österreicher, die einer Impfung skeptisch gegenüberstehen, von der Wichtigkeit und den Vorteilen einer Impfung zu überzeugen“, ergänzt Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer sowie Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte.

Für Szekeres und Steinhart war die Teststrategie der Bundesregierung ein wichtiger und richtiger Schritt, vor allem zu jenen Zeiten, als der Impfstoff knapp war. “Die Tests sind aber nur eine Momentaufnahme und schützen nicht vor einer Erkrankung. Jetzt ist genügend Impfstoff vorhanden und die Delta-Welle rollt rasant auf uns zu. Aber nur bei einer hohen Durchimpfungsrate können wir einen neuerlichen Lockdown im Herbst vermeiden”, so Szekeres. Nur etwas mehr als die Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher ist derzeit vollimmunisiert – das ist aber zu wenig.

“Nutzen sie daher das Gratis-Impfangebot, gehen sie zu ihren Vertrauensärztinnen und Vertrauensärzten, lassen sie sich beraten und mögliche Ängste nehmen und lassen sie sich impfen!“

Johannes Steinhart

Für Impftermin-Vereinbarungen ist es ratsam, die Ordinationen vorab zu kontaktieren bzw. sich vorab zu informieren, ob einen Impfmöglichkeit besteht.

Regierung muss der Impfmüdigkeit mit harten Fakten begegnen

“Gerade jetzt, da sich die vierte Welle immer mehr aufbaut, wäre es enorm wichtig, dass die Bundesregierung anhand von eindeutigen Zahlen und Fakten klar und deutlich zeigt, wie gut die Impfung gegen schwere Erkrankungen wirkt,” sagt NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. Am Beispiel Steiermark zeigt sich, dass keiner der Covid-Patient•innen, die mit Stand 20.08.2021 in der Steiermark auf einer Intensivstation lagen, geimpft war. Auch Wien veröffentlicht die Daten zu den Hospitalisierungen und die zeigen ein ähnliches Bild: Hier waren laut Angaben der Stadt in der Vorwoche 75 Prozent der Intensivpatient•innen völlig ungeimpft, weitere 6,3 Prozent hatten sich den Zweitstich [noch]nicht geholt und 12,5 Prozent waren zwar doppelt geimpft, aber aufgrund anderer Krankheitsbilder schwer immunsupprimiert [Anmerkung: Das Immunsystem ist bei dieser Gruppe von Patient•innen generell aufgrund anderer Krankheiten stark eingeschränkt.].

Loacker: “Die radikalen Impfgegner würde vermutlich auch das nicht überzeugen, aber den vielen zögerlichen Impfmuffeln, die die Impfung nicht grundsätzlich ablehnen, sie aber bisher aus verschiedenen Gründen vor sich hergeschoben haben, könnten diese harten Fakten den notwendigen Schubs geben.”

Ampullen mit Impfstoff und eine Injektion.
(c) AdobeStock
Grundsätzlich steht es jedem frei, ob sie/ er sich impfen lassen möchte. Fakt ist allerdings, dass eine Impfung gegen das Corona-Virus vor schweren Krankheitsverläufen schützt.

Bundesregierung legt Plan für 3. Stich der Corona-Impfung vor

“Der 3. Stich ist ein weiterer Schritt in unserem Plan für den sicheren Herbst. Damit bleibt Österreich gut gegen die Delta-Variante geschützt, was in Hinblick auf die aktuell steigenden Infektionszahlen besonders wichtig ist. Das Nationale Impfgremium hat nun konkrete Empfehlungen dazu vorgelegt. In den Bundesländern werden die Impfungen in bewährter Weise organisiert und angeboten werden”, verkündet indes Gesundheitsminister Dr. Wolfgang Mückstein.

“Wir müssen uns früh genug auf den Herbst vorbereiten und besonders vulnerable Gruppen schützen durch den 3. Stich, denn die Infektionszahlen werden voraussichtlich weiter steigen. Erste Erfahrungen aus Israel mit dem 3. Stich sind erfolgversprechend. Mittlerweile sind zudem rund zwei Drittel der impfbaren Bevölkerung zumindest einmal geimpft. Ich rufe alle, die sich noch nicht geimpft haben, dazu auf, sich impfen zu lassen, um sich selbst und andere zu schützen.”

“Die Impfungen werden uns helfen, gut durch den Winter zu kommen. Ebenso wichtig wie die zeitgerechte Verabreichung eines 3. Stichs ist jedoch, dass all jene, die noch nicht geimpft sind, sich einen 1. Stich holen. Unser oberstes Ziel muss es sein, die Durchimpfungsrate Schritt für Schritt zu erhöhen. Denn die Impfung schützt nicht nur uns selbst und andere, sie ist auch unser einziger Weg aus der Pandemie.”

Wolfgang Mückstein

Basierend auf den derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Daten und Erfahrungen aus anderen Ländern, theoretischen und immunologischen Überlegungen und Erfahrungswerten mit anderen Impfungen, hat das Nationale Impfgremium die Empfehlungen für die Durchführung einer weiteren, in den meisten Fällen 3. Dosis, nun konkretisiert. Grundsätzlich geht das Impfgremium weiterhin von einer Schutzwirkung von rund 9 Monaten nach vollständiger Erstimmunisierung aus.

Die jüngste Datenlage zeigt jedoch, dass bei Personen höheren Alters und bei Personen mit bestimmten Vorerkrankungen oder Immunsuppression die Schutzwirkung insbesondere gegen die Delta-Variante nicht in allen Fällen bis zur Dauer von 9 Monaten in vollem Ausmaß gegeben ist. Umgekehrt zeigen erste Daten aus Israel und England, dass durch Drittimpfungen die Zahl an Infektionen, Impfdurchbrüchen und damit assoziierte Krankenhausaufenthalte reduziert werden kann. Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen, die in den Herbstmonaten noch deutlich zunehmen werden, spricht das Nationale Impfgremium daher die folgenden Empfehlungen für eine weitere Dosis einer Corona-Schutzimpfung aus:

3. Dosis spätestens nach 9 Monaten

Bewohner•innen von Alten- und Pflegeheimen sowie Personen ab 12 Jahren mit Immunsuppression und bestimmten Vorerkrankungen [zum Beispiel Krebs, Herzinsuffizienz, Personen nach Organtransplantation]und damit besonders hohem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, sollen nicht später als 9 Monate nach vollständiger Erstimpfung eine weitere Dosis – impfstoffabhängig 2. oder 3. Dosis – erhalten. Dies gilt auch für alle Personen ab 65 Jahren sowie für Personen, die bisher eine Dosis Covid-19-Vaccine Janssen oder zwei Dosen Vaxzevria von AstraZeneca erhalten haben. Für diese Gruppen gilt zudem, dass ein Mindestabstand zur letzten Impfung von sechs Monaten nicht unterschritten werden soll.

3. Dosis spätestens nach 12 Monaten

Menschen ab 18 Jahren, die bisher mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurden, sollten den 3. Stich 9 bis 12 Monate nach dem 2. Stich erhalten. Dies gilt für die Allgemeinbevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren, auch für die folgenden Personengruppen:

  • Personal in Alten-, Pflege- und Seniorenwohnheimen

  • Personal im Gesundheitsbereich

  • Personal in der mobilen Pflege, Betreuung, Krankenpflege und 24-h Pflege sowie pflegende Angehörige

  • Personal in pädagogischen Einrichtungen [Kinderbetreuung, Schule, Universität, etc.]

Für Personen zwischen 12 und 18 Jahren ohne Risiko eines schweren Verlaufs liegen derzeit noch keine Empfehlungen für weitere Impfungen vor, zumal bei dieser Gruppe erst Ende Mai mit den Erstimmunisierungen begonnen wurde.

Genesene mit einer Impfung sollen so weiter geimpft werden, wie vollständig geimpfte Personen. Wenn genesene Personen bereits zwei Impfungen erhalten haben, sollen sie derzeit bis auf weiteres keine zusätzlichen Impfungen gegen Covid-19 erhalten. Heterolog geimpfte Personen sollen weiter geimpft werden wie vollständig mit mRNA-Impfstoff geimpfte Personen.

Für diese weitere Dosis wird in allen Fällen ein mRNA-Impfstoff empfohlen – auch für jene, die initial einen Vektorimpfstoff erhalten haben. Die Wahl des mRNA-Impfstoffes [Comirnaty von Biontech/ Pfizer oder Spikevax von Moderna] ist unabhängig davon, welches Produkt im Rahmen der primären Impfserie verabreicht wurde. Derzeit sind alle von der EMA zugelassenen Impfstoffe nur für eine primäre Immunisierung und nicht für eine weitere Dosis zugelassen. Bei der weiteren, impfstoffabhängig 2. bzw. 3. Dosis handelt es sich bisher somit um off-label-Anwendungen, die besondere Aufklärung erfordern.

Ein Arzt, der einen Corona-Impfstoff in die Kamera hält.
(c) AdobeStock
Um sicher durch den Herbst/ Winter zu kommen, empfiehlt das nationale Impfgremium eine “Auffrischungsimpfung” mit einem mRNA-Impfstoff.

Virologin von Laer hält härteres Vorgehen im Herbst für fast unausweichlich

In einem Interview, in der aktuell erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins “profil”, warnt die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer: “Wenn die vierte Welle nicht bald abflacht, werden wir um einen Lockdown nicht herumkommen.” Die Ursachen seien zu niedrige Impfraten, der nachlassende Schutz bei den Älteren und die hochansteckende Delta-Variante. Die 1G-Regel ergebe außerdem “überhaupt keinen Sinn”, da sie Genesene ausschließe. Diese seien vor einer neuerlichen Ansteckung aber sogar besser geschützt als Geimpfte.

Von Laer blickt allerdings zuversichtlich in Richtung Frühjahr 2022: “Wir werden die Impfung für unter Zwölfjährige noch diesen Winter haben, dann dauert es etwa zwei Monate, um die Risikokinder zu impfen. Daneben sollten wir eine ausführliche Antikörperstudie machen, um zu wissen, ob 85 Prozent der Bevölkerung geschützt sind.” Danach könne man die Maßnahmen aufgeben und die Krankheit durchlaufen lassen, ohne das Gesundheitssystem zu gefährden.

Information

Die sieben gemeinnützigen Krankenhäuser der Wiener Ordensspitäler haben einen öffentlichen Versorgungsauftrag, handeln im Auftrag der Stadt Wien und in enger Abstimmung und Kooperation mit ihr, und betreuen 25 Prozent der stationären Patientinnen und Patienten der Stadt. Von gewinnorientierten Privat- und Belegspitälern oder Klinikbetreibern unterscheiden sie sich darin, dass bei ihnen jeder Euro in den Unternehmen verbleibt und den Patientinnen und Patienten zu Gute kommt.

[1] Zu den Wiener Ordensspitäler gehören
Barmherzige Brüder Krankenhaus [2. Bezirk], Franziskus Spital Landstraße [3. Bezirk] und Franziskus Spital Margareten [5. Bezirk], Herz-Jesu Krankenhaus [3. Bezirk], Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien [6. Bezirk], Orthopädisches Spital Speising [13. Bezirk], St. Josef Krankenhaus [13. Bezirk], Göttlicher Heiland Krankenhaus [17. Bezirk].

(Bilder: AdobeStock)

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