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Corona-Krise hin oder her: körperliche Aktivität ist wichtig & gesund

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Körperliche Aktivitäten, wie Sport, aber auch Spazierengehen oder Gartenarbeit haben positive Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter – daran ändert auch die Corona-Krise nichts!

Wer körperlich aktiv ist, steigert die Beweglichkeit und regt den Stoffwechsel sowie das Immun- und Herz-Kreislauf- System an. Körperliche Aktivität kann zudem das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck reduzieren und dabei helfen, die im Alter zunehmende Gefahr von Stürzen zu vermindern. Nicht zuletzt hat körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit, die Stimmung und das psychische Wohlbefinden. Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, hat beispielsweise ein geringeres Depressionsrisiko. Negative Effekte von Stress auf Gesundheit und Wohlbefinden können durch körperliche Aktivität reduziert werden.

Körperliche Aktivität wirkt sich also in vielerlei Hinsicht positiv auf den Menschen aus, und das in jedem Alter. Angesichts dieser vielfältigen Vorteile, die körperliche Aktivität besonders im Alter mit sich bringt, wird vor allem auch älteren Menschen empfohlen, sich regelmäßig körperlich zu betätigen.

#BewegungISTgesund – daran ändert auch das Coronavirus nichts

In Zeiten von Ausgangssperren, physischem Distanzhalten und häuslicher Isolation auf Grund der Corona-Pandemie ist es allerdings für viele schwierig, sich ausreichend zu bewegen. Fitnessstudios sind geschlossen, Gymnastikkurse und andere Gruppensportveranstaltungen können nicht stattfinden. Und viele scheuen zur Zeit den Spaziergang im Freien aus Furcht vor einer möglichen Ansteckung. Oder ist das Coronavirus doch nur eine Ausrede, mit der der innere Schweinehund Oberhand gewinnt?

Um diese Frage beantworten zu können, braucht es sozusagen einen Vergleichswert von vor der Corona-Krise. Sprich, wie häufig sind Menschen in der zweiten Lebenshälfte sportlich aktiv, wenn nicht gerade eine Pandemie unser aller Leben auf den Kopf stellt?

Coronaviren unter dem Mikroskop, Stichwort Corona-Krise.
(c) Pixabay.com
Mit dem Coronavirus hat sich sehr viel geändert und vieles ist nicht mehr so wie zuvor.

Wie oft waren wie vor der Corona-Krise sportlich aktiv?

Im Deutschen Alterssurvey* wurde im Jahr 2014 erfasst, wie häufig Personen über 40 sportlich aktiv sind. Konkret wurden die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gefragt, ob und wie oft sie Sport treiben, zum Beispiel Wanderungen unternehmen, Fußball spielen, Gymnastik machen oder schwimmen gehen. Dabei konnte als Antwort täglich, mehrmals wöchentlich, einmal wöchentlich, 1- bis 3-mal im Monat, seltener oder nie gewählt werden. Für die Auswertungen wurden diese Antwortkategorien gebündelt und in drei Gruppen zusammengefasst:

  •  mehrmals wöchentlich sportlich aktiv

  •  einmal wöchentlich sportlich aktiv

  • seltener als einmal wöchentlich bzw. nie sportlich aktiv

Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Personen zwar seltener sportlich aktiv sind als jüngere, allerdings mit keineswegs dramatischen Unterschieden. Bei den 40- bis 54-Jährigen geben 46,1 Prozent der Befragten an, selten oder nie sportlich aktiv zu sein, bei den 70- bis 85- Jährigen beträgt dieser Anteil 53,9 Prozent.

Interessanterweise unterscheiden sich Personen unterschiedlicher Bildung viel deutlicher in ihrer sportlichen Aktivität als Personen unterschiedlichen Alters: Der Anteil von Personen, die mehrmals wöchentlich sportlich aktiv sind, ist bei Personen mit hoher Bildung [44,7 Prozent] mehr als doppelt so hoch wie bei Personen mit niedriger Bildung [21,5 Prozent].

Geschlechterunterschiede fallen dagegen kaum ins Gewicht: 33,9 Prozent der Männer sind mehrmals in der Woche sportlich aktiv, bei den Frauen ist der Anteil mit 36,4 Prozent nur minimal höher.

Zur Gruppe derjenigen, die mehrmals in der Woche Sport treiben, können zwei Dinge festgehalten werden: In der Gesamtbevölkerung im Alter zwischen 40 und 85 Jahren erfüllen nur etwas mehr als ein Drittel, 35,2 Prozent, die Empfehlung, mehrmals in der Woche sportlich aktiv zu sein. Der Anteil der regelmäßig Sport Treibenden nimmt mit dem Alter nur leicht ab. Immerhin geben 29,8 Prozent der 70- bis 85-Jährigen an, dass sie mehrmals wöchentlich Sport treiben.

Das bedeutet zweierlei: In jedem Lebensalter, beispielsweise auch im mittleren Erwachsenenalter, sind zu wenige Menschen regelmäßig sportlich aktiv. Und: Es sind keineswegs alle älteren Menschen sportlich inaktiv, fast die Hälfte übt auch im höheren Erwachsenenalter, jenseits von 65 Jahren, zumindest ein- bis mehrmals wöchentlich sportliche Aktivitäten aus.

Eine zweite Frage ist in diesem Zusammenhang von großem Interesse: Hat es einen Wandel in der sportlichen Aktivität gegeben? Sind also heute mehr Menschen regelmäßig sportlich aktiv als noch zu früheren Zeiten? Der Deutsche Alterssurvey erlaubt es, diese Frage zu beantworten, da diese Studie seit 1996 durchgeführt wird. Die Ergebnisse sind eindeutig: In allen Altersgruppen hat die sportliche Aktivität zwischen 1996 und 2014 kontinuierlich zugenommen, besonders bei den 60- bis 71-Jährigen.

Ein älterer Mann sitzt im Wald auf einer Bank und isst eine Banane, daneben lehnt an einem Baum sein Fahrrad.
(c) Pixabay.com
Blendet man die Corona-Krise aus, kann man sagen, dass wir in den letzten Jahrzehnten durchaus sportlicher geworden sind.

Werden wir unsportlich[er] wegen der Corona-Pandemie?

Ältere Menschen sind zwar seltener sportlich aktiv als jüngere Menschen, es gibt aber durchaus auch einen erheblichen Anteil alter und hochbetagter Menschen, die regelmäßig Sport treiben. Zudem ist der Anteil an Menschen, die zu selten sportlich aktiv sind, in der Gesamtbevölkerung in der zweiten Lebenshälfte deutlich zu hoch. Allerdings gibt es gute Nachrichten: Der Anteil der sportlich Nicht-Aktiven ist seit 1996 kontinuierlich gesunken, der Anteil der sportlich Aktiven hingegen kontinuierlich angestiegen.

Die Corona-Pandemie droht hier eine Trendwende zu bewirken. Sportvereine, Sportstätten und Fitnessstudios sind geschlossen und gemeinschaftliche Sportaktivitäten sind auf Grund der Kontaktsperre nicht mehr möglich. Menschen aller Altersgruppen sind daher aktuell darauf angewiesen, allein oder zu zweit sportliche Aktivitäten zu Hause durchzuführen. Da vielen Menschen aber mehr Spaß macht, Sport in einer Gruppe zu betreiben, kommen zu den eingeschränkten Möglichkeiten des Sporttreibens möglicherweise auch Schwierigkeiten hinzu, sich selbst für körperliche Aktivitäten zu motivieren.

Auf Grund der bereits beschriebenen vielfältigen positiven Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf Gesundheit, Lebensqualität, Stimmung, Selbstständigkeit sowie weitere Lebensbereiche ist es für Personen jeden Alters wichtig und empfehlenswert, auch und gerade jetzt in Zeiten der Kontaktsperre regelmäßig körperlich aktiv zu sein. Da die aktuellen Beschränkungen bestimmte körperliche Aktivitäten und insbesondere Sport in der Gruppe nicht mehr zulassen, sollten kreative Lösungen und alternative Sportarten gefunden und ausprobiert werden.

Abstand halten ≠ Sportverbot

Es ist wichtig, dass alle die derzeitigen Kontakteinschränkungen einhalten. Das heißt jedoch nicht, dass es aktuell ein generelles „Sportverbot“ gibt. Tägliche körperliche Aktivität ist wichtig, und diese Aktivität über längere Zeit völlig aufzugeben kann negative Konsequenzen für Gesundheit und Lebensqualität haben. Man kann sportliche Aktivität auf ganz unterschiedliche Weise und nicht zwingend außer Haus ausüben.

  • Sportliche Aktivitäten im Freien
    Jede körperliche Aktivität ist besser als keine. Daher ist Spazierengehen eine gute Möglichkeit, sofern Laufen nicht möglich ist und sofern der empfohlene Abstand zu anderen Personen eingehalten wird. Viele Menschen haben Walkingstöcke zu Hause, haben sie aber lange nicht benutzt. Eine halbe Stunde Walken, sodass man ein wenig schwitzt, ist eine gute und gesunde Sache.

  • Sportliche Aktivitäten zu Hause
    Wer aktuell nicht joggen oder spazieren gehen will, weil er Ansteckung fürchtet, kann auch zu Hause körperlich aktiv sein. Wiederholtes Stiegensteigen im Haus ist anstrengend und kann daher durchaus als körperliche Aktivität gelten. Gymnastik im Stehen, Liegen oder Sitzen kann der Beweglichkeit dienen. Alle körperlichen Aktivitäten, die man in den Alltag und die eigenen vier Wände integrieren kann, haben zudem den Vorteil, dass sie rasch zur Gewohnheit und dann tatsächlich regelmäßig ausgeübt werden – mit all den beschriebenen positiven Konsequenzen.

  • Anleitungen für körperliche Aktivitäten
    Bekannte, Familienmitglieder und Nachbarn können vielleicht Hinweise auf ihre Lieblingsübungen für zu Hause geben oder ihre bevorzugten Online-Ressourcen für den innerhäuslichen Sport nennen. Im Internet gibt es viele Anleitungen für verschiedene Altersgruppen und Intensitätsgrade, wie man seine Muskelkraft und Ausdauer von zu Hause aus trainieren kann: Das Fitnessstudio kann man sich mit etwas Kreativität „nach Hause holen“, und den Gymnastikkurs kann man mit digitaler Unterstützung auch im eigenen zu Hause und mit „virtuellen Mitstreitern“ in der Gruppe durchführen. Das setzt jedoch einen Zugang zum Internet voraus.

Der gegenwärtige Zustand massiver Einschränkungen ist zeitlich begrenzt. Aus den Erfahrungen, die jetzt in der Corona-Krise gemacht werden, sollten Handlungskonzepte für die Zukunft entstehen, die künftig alle Altersgruppen noch besser dabei unterstützen, auch in Zeiten eingeschränkter Sozialkontakte körperlich aktiv zu bleiben. Hier sind auch gesellschaftliche Akteure wie Seniorenorganisationen und kommunale Institutionen gefragt, entsprechende Unterstützungskonzepte und -angebote auszubauen.

Eine alte Frau beim Nordic Walken alleine auf einem sonnigen Weg.
(c) Pixabay.com
Körperlich aktiv sein heißt nicht, dass sie jede Woche einen Marathon laufen müssen. Eine halbe Stunde Walken reicht schon.

* Über den Deutschen Alterssurvey

Der Deutsche Alterssurvey ist eine repräsentative Langzeituntersuchung von Personen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden, dh 40 Jahre und älter sind. Die teilnehmenden Personen werden umfassend zu ihrer Lebenssituation befragt, unter anderem zu ihrer Erwerbstätigkeit oder ihrem Leben im Ruhestand, zu gesellschaftlicher Teilhabe und Ehrenamt, zu Einkommen und Vermögen, zu sozialer Integration und Einsamkeit sowie zu Gesundheit, Gesundheitsverhalten und Lebenszufriedenheit.

(Bilder: Pixabay.com)

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