24.10. 2020 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Covid-19 Fakten-Check: Wegweiser durch den ‚Fake News Dschungel‘

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Ist die Corona-Krise an sich schon schlimm genug, machen die mittlerweile zahlreichen Falschinformationen die Situation nicht besser. Vertrauen sie daher ausschließlich(!) den Mitteilungen der zuständigen Ministerien und öffentlichen Behörden sowie den großen heimischen Medien. Wir haben aus aktuellem Anlass einen Coronavirus-Fakten-Check gemacht und die wichtigsten Falsch-/ Meldungen genauer unter die Lupe genommen.

Glauben sie nicht ‚blind‘ alles was sie hören oder lesen – #gesunderHausverstand

Wegen des Coronavirus [SARS-CoV-2] würden Supermärkte die Öffnungszeiten kürzen; wenn man nach zehn Sekunden Luft anhalten nicht hustet, wäre man nicht infiziert; Kettenbriefe, die Heilung versprechen; Ibuprofen, das Symptome verstärken würde – rund um Corona kursieren viele Lügen und Fake News, die nichts, absolut nichts mit dem Virus zu tun haben bzw. stimmen.

Falschmeldungen haben allerdings leider die „Angewohnheit, sich sehr viel schneller zu verbreiten als seriöse Nachrichten – das haben auch zahlreiche Studien immer wieder bestätigt. Oft sind sie auch schon als wilde Spekulationen im Umlauf, bevor es überhaupt gesicherte Informationen dazu gibt.

Ein weiteres Problem, das damit zusammen hängt: Sind diese Falschmeldungen einmal im Internet, sind sie dort de facto nicht mehr weg zu bekommen. Vielfach geteilt und geliked, tauchen sie immer wieder in den Timelines der Nutzer*innen auf, und werden zum Teil auch nach Jahren wieder hochgespült – unter anderem durch die Jahresrückblicke, die beispielsweise Facebook automatisiert für jeden User anbietet. So entwickeln Falschmeldungen eine Eigendynamik, gegen die mit seriöser und Fakten basierter Aufklärung nur schwer anzukommen ist.

Das Wichtigste ist daher

Teilen und liken sie Meldungen, Artikel und Bilder nicht einfach unreflektiert, sondern schauen sie vorher genau hin und prüfen sie, ob da überhaupt etwas dran ist.

Schriftzug fake news, Stichwort Fakten-Check. (c) Pixabay.com
Gerade in Krisenzeiten wie der aktuellen mit dem Coronavirus verbreiten sich Falschmeldungen zum Teil wie ein Lauffeuer.

„Jeder kann auf unterschiedliche Weise bei der Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen unterstützen – sei es durch Beachtung der Hygienemaßnahmen oder durch eine Reduktion der sozialen Kontakte“, sagt Innenminister Karl Nehammer. „Ich appelliere aber auch an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen, keine Gerüchte – ob mündlich oder über andere elektronische Kommunikationsdienste – zu verbreiten. Das erschwert die Arbeit der Behörden und der beteiligten Einsatzorganisationen.“

An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass das Verbreiten von Fake News nicht nur gefährlich, sondern auch strafbar ist.

Coronavirus-Fakten-Check

Supermarktketten schränken ihre Öffnungszeiten NICHT ein

Vor einigen Tagen geisterte beispielsweise ein Bild durchs Netz, das für viel Aufregung sorgte: Zu sehen war ein Screenshot, der angeblich das Online-Nachrichtenportal Focus Online zeigt. Darauf war zu lesen, dass mehrere große Supermarktketten ihre Öffnungszeiten stark einschränken würden. Das Portal hat mittlerweile selbst Stellung dazu genommen: Bei dem Screenshot handelt es sich schlicht und ergreifend um eine Fälschung. Oder ganz klar anders formuliert: die Supermarktketten schränken ihre Öffnungszeiten NICHT ein!

Ibuprofen verstärkt NICHT die Covid-19-Symptome

Die Medizinische Universität Wien musste sich ebenfalls gegen eine in sozialen Netzwerken kursierende Fake News zum Thema Coronavirus wehren. Darin wird von angeblichen Forschungsergebnissen der „Wiener Uniklinik“ berichtet, wonach das Medikament Ibuprofen Covid-19-Symptome verstärken würde. Laut Aussendung stehe die Falschmeldung in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien.

MedUni-Wien-Rektor Markus Müller und Pharmakologe Michael Freissmuth äußerten sich zu dem Thema gegenüber der APA. Laut ihnen gibt es keine wissenschaftliche Evidenz für eine negative Auswirkung der Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika oder von ACE-Hemmern bzw. Sartanen bei Covid-19-Patienten oder Infizierten.

Die Weltgesundheitsorganisation [WHO] rät allerdings trotzdem Menschen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus davon ab, ohne ärztlichen Rat das Medikament Ibuprofen einzunehmen.

Haustiere können das Coronavirus NICHT übertragen

Nach aktuellem Wissensstand kann das Coronavirus NICHT von Haustieren auf Menschen oder umgekehrt von Menschen auf Haustiere übertragen werden. Zwar stammt das Coronavirus mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Fledermaus, für eine Gefährdung, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen, gibt es aber laut WHO derzeit keine Belege. Daher sind für Haustiere momentan auch keine zwingenden Maßnahmen wie Isolation oder Quarantäne notwendig.
Ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Nutztiere mit dem Coronavirus infizieren können.

Das Coronavirus kann NICHT über [importiere]Lebensmittel oder andere Produkte auf Menschen übertragen werden

Bisher gibt es auch keine Fälle, bei denen sich erwiesener Maßen Menschen über den Konsum von [importierten]Lebensmitteln oder sonstigen Gegenständen mit dem Coronavirus infiziert hätten. Die WHO geht auch nach wie vor davon aus, dass das Coronavirus nur ein paar Stunden, maximal wenige Tage auf Oberflächen überleben kann. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus über importiere Waren anzustecken, ist also – nach heutigem Wissensstand – sehr gering.
Dennoch sollten sie auf jeden Fall die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachten. Viren sind hitzeempfindlich. Entsprechend kann das Erhitzen von Nahrungsmitteln das Infektionsrisiko weiter verringern. Vor dem Essen sollten außerdem die Hände stets gewaschen werden.

Ein Mundschutz schützt NICHT vor einer Ansteckung

Experten halten das Tragen eines Mundschutzes zur Vermeidung einer Ansteckung mit dem Coronavirus derzeit für unnötig. Es gibt derzeit keine Belege, dass das Tragen eines Mundschutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person verringert. Die WHO warnt sogar vor dem Tragen solcher Masken, da sie den Trägern ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Dadurch würden u.a. viel wichtigere Schutzmaßnahmen wie die gute Handhygiene vernachlässigt.

Sinnvoll könnte das Tragen einer Mundschutzmaske allerdings für bereits erkrankte Menschen sein. Sie können damit verhindern, dass potenzielle Krankheitserreger des Trägers nicht nach außen gelangen. Damit könnte das Risiko, andere Menschen zu infizieren, gesenkt werden.

Eine Frau mit Mundschutzmaske neben einem Coronavirus. (c) Pixabay.com
Ein Mundschutz bietet keinen Schutz vor dem Coronavirus. Er kann lediglich die Verbreitung des Virus von bereits infizierten Menschen eindämmen.

Alle 15 Minuten Wasser trinken schützt NICHT vor einer Ansteckung

Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen ist grundsätzlich richtig und wichtig – auch und vor allem für ältere Menschen. Allerdings schützt regelmäßiges Wassertrinken NICHT davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die Viren gelangen über sämtliche Schleimhäute wie zum Beispiel der Augen oder Nase in den Körper.

10 Sekunden die Luft anhalten ist KEIN valider Selbsttest, ob man infiziert ist oder nicht

In den sozialen Medien kursiert derzeit das Gerücht, dass durch 10-sekündiges Luftanhalten festgestellt werden kann, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist. Wer das ohne Engegefühl in der Brust und ohne dabei zu husten schafft, soll demnach keine Fibrose in der Lunge haben und nicht mit dem Coronavirus infiziert sein. Das ist salopp formuliert ein absoluter Vollholler.

Um eine Infektion mit dem Coronavirus nachweisen zu können, ist eine ärztliche und labordiagnostische Untersuchung notwendig. Dazu werden Abstriche aus dem Mund-Nasen-Rachen-Raum entnommen und im Labor auf das Virus untersucht. Ein Selbsttest mittels Luftanhalten hat also KEINE Aussagekraft über eine mögliche Infektion mit Covid-19.

Das Coronavirus stirbt NICHT bei Temperaturen von 26 bis 27 Grad Celsius ab

Laut WHO wird das Coronavirus bei Temperaturen von 26 bis 27 Grad Celsius nicht abgetötet – immerhin beträgt die Körpertemperatur eines Menschen durchschnittlich um die 36,5 Grad. Und offensichtlich fühlt sich das Virus bei diesen Temperaturen durchaus sehr wohl. Empfehlungen, wie in warme Länder zu reisen, heißen Tee zu trinken oder ein heißes Bad zu nehmen, helfen demnach NICHT gegen eine Infektion mit dem Virus.

UV-Lampe töten das Coronavirus NICHT ab

Derzeit werden online zahlreiche UV-Lampen angeboten, die sterilisierend wirken und angeblich Viren, Bakterien und Pilze abtöten. Die WHO rät jedoch ausdrücklich davon ab zu versuchen, Hände oder andere Körperteile mit einer UV-Lampe zu desinfizieren. Das kann nämlich mehr Schaden anrichten als helfen und zu schmerzhaften Hautreizungen führen. Und letztlich kann das Coronavirus damit auch nicht abgetötet werden.

Regelmäßiges Spülen der Nase mit Kochsalzlösung schützt NICHT gegen eine Infektion

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Letztlich gibt es auch keine Belege dazu, dass regelmäßige Nasenduschen dabei helfen, einfache Erkältungen schneller auszukurieren.

Die Einnahme von Cannabis-Öl  und das Einreiben mit Sesamöl schützten NICHT vor dem Coronavirus

Einem US-amerikanischen Arzt zufolge soll die regelmäßige Einnahme von Cannabidiol – kurz CBD – weniger anfällig für Infektionen machen. Außerdem soll das Einreiben mit Sesamöl Gerüchten zufolge das Eindringen des Coronavirus in den Körper verhindern.
Belege für beide Annahmen gibt es allerdings nicht.

Antibiotika helfen NICHT gegen Viren

Antibiotika werden nur dann eingesetzt, wenn es neben einer Virusinfektion auch zu einer bakteriellen Infektion kommt. Antibiotika helfen dagegen nicht gegen Viren!

Ein Handy, auf dessen Screen sich eine Frau die Nase putzt und Coronavirus steht, daneben Tabeltten. (c) Pixabay.com
Melden sie sich unbedingt bei ihrem Arzt/ Ärztin, bevor sie zu irgendwelchen Selbstmedikationen greifen oder „Ratschlägen“ aus dem Internet folgen.

Eine Impfung gegen Pneumokokken schützt NICHT vor dem Coronavirus

Impfstoffe gegen Lungenentzündung wie beispielsweise der Pneumokokken-Impfstoff schützen nicht vor Covid-19. Experten empfehlen jedoch Menschen, die zur Risikogruppe gehören, und Menschen ab 60 Jahren, sich grundsätzlich gegen Lungenentzündung sowie Grippe impfen zu lassen. Dies kann verhindern, dass sich gefährdete Menschen mit mehreren Erregern gleichzeitig anstecken und es so zu einer schweren Doppelinfektion kommt.

Lebensmittel wie Zwiebel oder Knoblauch schützen NICHT vor einer Ansteckung

Im Internet werden derzeit auch zahlreiche Rezepte mit Knoblauch und roher Zwiebel empfohlen, die vor Covid-19 schützen sollen. Dass Gemüse grundsätzlich gesund ist und unser Immunsystem unterstützt, ist richtig. ABER: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Verzehr von Zwiebel und Knoblauch vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Die WHO warnt vor derartigen Empfehlungen.

Service | Hotlines

Wenn sie den Verdacht bzw. die Vermutung haben, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, wenden sie sich zunächst an eine der hier angeführten Hotlines. Suchen sie von sich aus bitte keine ärztliche Ordination, Ambulanz oder Krankenanstalt auf. Im Fall des Falles nehmen sie zuerst telefonisch Kontakt auf. So können ihre Symptome genauer abklärt und etwaige weitere notwendige Schritte besprochen werden!

Coronavirus-Hotline der AGES 0800 555 621
Die AGES beantwortet Fragen rund um das Coronavirus [allgemeine Informationen zu Übertragung, Symptomen, Vorbeugung] 24 Stunden täglich unter der Telefonnummer 0800 555 621.

Telefonische Gesundheitsberatung 1450
Wenn sie typische Symptome wie Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und/ oder Atembeschwerden haben oder befürchten, erkrankt zu sein, bleiben sie zu Hause und wählen sie bitte die Gesundheitsnummer 1450 zur weiteren Vorgehensweise [diagnostische Abklärung].

Hotline des VKI zu reiserechtlichen Fragen 0800 201 211
Bei rechtlichen Fragen rund um bereits gebuchte Reisen [zum Beipsiel ob eine Reise kostenlos storniert werden kann]beraten die Expertinnen und Experten des Verein für Konsumenteninformation [VKI] kostenlos von Montag bis Sonntag in der Zeit von 9 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0800 201 211.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus inkl. aller Maßnahmen finden sie auch jederzeit auf der Seite des Sozialministeriums. Verfolgen sie auch die Nachrichten in Rundfunk und Fernsehen, um allfällige aktuelle Informationen zu bekommen.

(Bilder: Pixabay.com)

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