04.12. 2020 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Covid-19 – das macht der neuerliche Lockdown mit unserer Psyche

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Aktuell steigen die Zahlen der Menschen, die sich mit dem Corona-Virus Covid-19 infiziert haben, nach wie vor explosionsartig. Daher hat auch die Bundesregierung vor wenigen Tagen einen neuerlichen Lockdown zumindest bis Ende November verordnet. Einziges Ziel: die Infektionszahlen wieder nach unten zu drücken, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird.

Aber was macht das mit unserer Psyche? Wie ist es um die Akzeptanz der Maßnahmen und Einschränkungen des 2. Lockdowns bestellt? Gibt es Möglichkeiten, unsere Psyche zu stärken, um „besser“ durch den Lockdown zu kommen? Lesen sie hier [einige] Antworten auf diese Fragen.

Akzeptieren «wir» überhaupt noch den neuerlichen Lockdown?

Jede und jeder von uns kann sich noch an den heurigen Frühling zurück erinnern, als der 1. Lockdown über das Land verhängt wurde. Und so komisch das auch klingen mag, aber genau dadurch sind wir jetzt, beim neuerlichen Lockdown, daran in gewisser Weise schon gewöhnt – quasi getreu dem Motto „Hauptsache die Geschäfte bleiben offen“. Daher kommt es jetzt auch zu weniger Angst und/ oder Panikreaktionen, weil wir wissen, was auf uns zukommt und daher das alles nicht als so schlimm empfinden.

Allerdings sinkt bei vielen die Motivation, die neuerlichen Maßnahmen mitzutragen. Denn am Ende des Lockdowns muss so etwas wie eine „Belohnung“ winken. Diese fehlt aber, weil niemand weiß bzw. vorhersagen kann, wie es Ende November ausschauen wird mit den Infektionszahlen. Das ist vergleichbar mit einem Marathon, bei dem man nach 42 Kilometern erfährt, dass jetzt nochmal 42 Kilometer zu laufen sind.

Hinzu kommt auch noch eine gewisse Verunsicherung wegen dem vergleichsweise „ruhigen“ Sommer. Viele sagen sich jetzt: wenn ich im Sommer schon gewußt hätte, dass ein 2. Lockdown kommt, hätte ich mich vielleicht in der einen oder anderen Situation anders verhalten.

Ein alter Mann, der sich mit gesenktem Kopf mit beiden Händen die Haare rauft bzw. seinen Kopf stützt, Stichwort Lockdown.
(c) Pixabay.com
Viele von uns haben zum Teil starke psychische Probleme mit dem neuerlichen Lockdown. Diese Menschen brauchen Hilfe und dürfen nicht vernachlässigt werden!

Das [vielleicht] größte Problem: die Einschränkung der sozialen Kontakte

Die psychische Krise infolge der Corona-Pandemie ist jedenfalls massiv – aber gesprochen hat man bisher nicht sehr viel über sie. Angesichts der angespannten Situation ist das jedoch fatal. Denn viele Menschen, die damit nicht [so]gut umgehen können, leiden schwer – Untersuchungen zeigen, dass über 20 Prozent der Menschen aufgrund der Corona-Krise psychisch stark belastet sind; und sogar 40 Prozent äußern generelle Zukunftsängste. Diese Menschen brauchen Hilfestellungen hier und jetzt. Denn nicht zuletzt schwächt der Psychostress auch das Immunsystem, was wiederum die Infektionsgefahr erhöhen kann.

Es geht dabei vor allem darum, dass wir – wieder – unsere sozialen Kontakte einschränken müssen und generell vor einer ungewohnten Situation stehen. Gerade diese sozialen Kontakte sind aber ein extrem wichtiges zwischenmenschliches Bedürfnis, das mit dem Lockdown Infrage gestellt wird. Und das wirkt sich allgemein stark auf das Wohlbefinden und unsere psychische Gesundheit aus.

Auch wenn wir aufgrund der Digitalisierung viel mehr Möglichkeiten haben, unsere soziale Kontakte aufrecht zu halten, Stichwort Videotelefonie: es ist ein großer Unterschied, ob wir jemanden physisch treffen oder dann doch „nur“ auf einem Bildschirm sehen können.

Und wenn wir andere Personen treffen, dann aktuell [auch] nur unter Einhaltung der aktuell geltenden Einschränkungen. Wenn man etwa mit Maske und Abstand beispielsweise mit einem Freund/ einer Freundin spazieren geht, ist die Ansteckungsgefahr recht gering.

Wie können wir die Krise «besser» bewältigen?

Ganz generell haben Krisen immer ähnliche Phasen: Abstreiten, Ignoranz, Schock, Lethargie, Hilflosigkeit, und am Ende Akzeptanz, die wiederum notwendig ist, um die jeweilige Krise zu meistern.

Bei der Bewältigung einer Krise reagieren Menschen ganz unterschiedlich: Manchen sind nicht lange lethargisch, sondern sehen ziemlich rasch auch durchwegs Chancen, gestärkt und unbeschadet aus der Krise wieder herauszukommen. Andere, die nicht die Möglichkeiten haben bzw. keine Perspektiven sehen, tun sich schwer, diese zu akzeptieren und zu bewältigen. Vor allem diesen Menschen muss man Sicherheit und Perspektiven bieten, die sie selbst gerade nicht sehen können.

Die Corona-Krise ist äußerst komplex und betrifft sehr viele Ebenen. Die Geschichte zeigt jedoch, dass wir noch aus jeder Krise gelernt haben und gestärkt daraus hervorgegangen sind. Chancen und Möglichkeiten bieten sich momentan beispielsweise vermehrt im Bereich der Digitalisierung. Wie müssen uns als Gesellschaft aber [auch] fragen, was uns wichtig ist, und auch umdenken in Richtung solidarische Gesellschaft. Aber das braucht noch seine Zeit, denn aktuell sind wir sozusagen noch mitten drinn und mit den „Aufräumarbeiten“ beschäftigt.

Ein Mann sitzt mit ausgestreckten Beinen auf einem Fensterbrett und schaut hinaus; vor dem Fenster fliegen Corona-Viren.
(c) Pixabay.com
Die Corona-Pandemie ist für alle von uns eine enorme Belastung. Gerade deshalb müssen wir uns als Gesellschaft auch fragen, wie wir zu Zukunft «gemeinsam» mit derartigen Situationen umgehen wollen, Stichwort #solidarischeGesellschaft.

Mit Routinen [leichter]durch den Alltag

Jede und jeder Zweite gibt an, durch die Corona-Krise von nahestehenden Personen getrennt worden zu sein. Fast 60 Prozent meinen, dass ihre Selbstbestimmung in der Krise deutlich abgenommen hat – quasi als Folge der von der Bundesregierung beschlossenen Restriktionen und ihrer Konsequenzen.

Gerade und vor allem die verordneten Ausgangsbeschränkungen machen letztlich uns allen zu schaffen – manchen mehr und manchen zum Glück weniger. Aber auch wenn man den ganzen Tag zu Hause in den eigenen vier Wänden ist – und sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht – ist ausreichende Bewegung wichtig, und zwar für Körper UND Seele.

Man sollte auf keinen Fall den ganzen Tag auf der Couch verbringen. Das ist auch im Sinne einer Übung in Selbstdisziplin wichtig. Denn jede und jeder kann auch weiterhin hinausgehen und sich bewegen – halt eben „nur“ im Freien oder auch zu Hause zum Beispiel beim online Yoga-Kurs via Zoom.

Bewegung ist bei allen psychischen Belastungen, von Stress angefangen über Angst bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen sehr wirksam und förderlich. Deshalb sind die unterschiedlichen Varianten der Sport- und Bewegungstherapie auch so erfolgreich. Es ist also durchaus eine sehr gute Idee, wenn man während des vermehrten Zuhauseseins [noch]mehr Bewegung zur eigenen Routine macht. Soziale Kontakte könnten etwa an der frischen Luft stattfinden, also dass man Bewegung und Treffen verbindet – sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Man kann sich ja jederzeit zum gemeinsamen Sport an der frischen Luft treffen oder gemeinsam spazieren gehen. So bleiben einem soziale Kontakte erhalten, bei möglichst geringem Risiko einer Ansteckung mit Sars-CoV-2.

#BewegungISTgesund

#GemeinsamSchaffenWirDas

Hilfe bei Depressionen

Nehmen sie eine Depression nicht auf die leichte Schulter. Je nach Schwere benötigen Betroffene professionelle Hilfe. Eine erste Anlaufstelle kann der Hausarzt/ die Hausärztin sein. Oft hilft es auch, mit anderen Betroffenen über ihre Erfahrungen zu reden. Diverse Selbsthilfegruppen zum Thema Depression finden sie HIER.

Angehörige psychisch Erkrankter finden HIER zahlreiche Informationen, die ihnen helfen, mit dieser Situation [besser] umzugehen.

Menschen, die an einer Depression leiden, finden HIER weitere Anlaufstellen und Hilfe.

(Bilder: Pixabay.com)

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