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Demenz: „Treffpunkt Zeitreise“ entlastete pflegende Angehörige

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Die Lebenserwartung stieg in den letzten Jahrzehnten stetig und wird weiter steigen. Diese Entwicklung führt gleichzeitig dazu, dass altersbedingte Erkrankungen zunehmen. 120.000 Menschen sind in Österreich derzeit an Demenz erkrankt, 2050 sollen es Prognosen zufolge 270.000 sein. Das Projekt „Treffpunkt Zeitreise“ hat sich zum Ziel gesetzt, pflegende Angehörige von an Demenz Erkrankten zu entlasten.

Teufelskreis Demenz
(c) Pixabay.com

Demenz-Erkrankungen sind nicht nur für die Betroffenen belastend, auch für die Angehörigen.

Laut Österreichischem Demenzbericht wird der größte Teil der Betroffenen zu Hause von Angehörigen betreut, in den meisten Fällen von Frauen. Nur in einem Viertel der Fälle wird dabei die professionelle Unterstützung mobiler Pflegedienste in Anspruch genommen. Und das, obwohl die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz neben physischen, sozialen und finanziellen Problemen eine enorme psychische und emotionale Belastung darstellt. Durch den hohen Zeitaufwand – oftmals rund um die Uhr – sind pflegende Angehörige oft isoliert.

Treffpunkt Zeitreise

Zeitliche Entlastung und psychosoziale Unterstützung der pflegenden Angehörigen waren darum die Ziele des Projekts „Treffpunkt Zeitreise“, das von der Caritas der Erzdiözese Wien in den Wiener Bezirken Josefstadt und Hernals sowie im südlichen Niederösterreich durchgeführt wurde. Das jüngst abgeschlossene Projekt wurde vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und durch Spendenmittel der Caritas finanziert. Klaus Ropin der Leiter des FGÖ: „Aufgrund der demografischen Entwicklung ist es von großer Bedeutung, in allen Lebenswelten Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein gutes Leben mit Demenz möglich machen – sowohl für Menschen mit  Demenz, als auch für deren pflegende An- und Zugehörige.“

„Durch die Förderung des FGÖ konnten wir einen Beitrag zur Umsetzung der Österreichischen Demenzstrategie leisten. Vor allem mit dem „Café Zeitreise“, wie wir die 14-tägigen Treffen genannt haben, wurde ein spezifisches Modell zur Begleitung von Lebensgemeinschaften entwickelt, in denen eine Person von Demenz betroffen ist“, so Norbert Partl, der Projektleiter bei der Caritas.

Praktische und emotionale Unterstützung
(c) Pixabay.com

Mit anderen reden und raus aus der täglichen Routine hilft ungemein!

Das „Café Zeitreise“ ist ein alle zwei Wochen stattfindender Treffpunkt für Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige. Fachkräfte moderieren die Gruppe und werden von geschulten Freiwilligen unterstützt. Die Demenzerkrankten erleben gemeinsame Aktivitäten wie singen oder kegeln. Bei der Beratung durch kompetente Fachkräfte können pflegende Angehörige Fragen und Sorgen besprechen und erhalten viele praktische Tipps. Auch die Möglichkeit, Erfahrungen mit Personen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind, bedeutet eine große Erleichterung.

Kostenlose Entlastungsbesuche
(c) Pixabay.com

Licht am Ende des Tunnels – auch wenn´s „nur“ für ein paar Stunden ist!

Speziell geschulte freiwillige MitarbeiterInnen kommen wöchentlich oder 14-tägig für ein bis zwei Stunden zur Unterstützung pflegender Angehöriger zu ihnen nach Hause. Diese können während dieser Zeit kleine Besorgungen erledigen oder kurz einmal alleine etwas unternehmen, damit ihnen „die Decke nicht auf den Kopf fällt“. Auch die Möglichkeit, über ihre Situation zu reden, entlastet die Angehörigen.

Insgesamt haben über 500 Personen die Beratung, die Treffpunkte und die aufsuchenden Dienste des Projekts in Anspruch genommen. 130 verschiedene Personen haben an den Treffpunkt Nachmittagen teilgenommen. 60 freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren beteiligt.

Die beiden im Rahmen des Projektes entwickelten und erprobten Angebote werden von der Caritas fortgeführt, die Termine und Ansprechpersonen finden sie HIER.

Erfahrungsberichte

Welche wertvolle Unterstützung die „Café Zeitreise“ Treffen sind, schildern Peter und Monika K., die einen Elternteil versorgen: „Ich wär‘ nie auf die Idee gekommen, in eine Gruppe zu gehen und war skeptisch. Meine Frau überredete mich dann – und jetzt fahren wir seit bald zwei Jahren hin. Man bekommt viel Unterstützung und es werden untereinander gute Tipps ausgetauscht. Unsere Mama ist auch immer angetan. Inzwischen sind wir eine große Familie geworden. Das Dabeisein tut gut!“

Auch Gusti B., die ihren an Demenz erkrankten Mann pflegt, erzählt: „Ich bin gemeinsam mit meinem Mann Gerhard seit der ersten Stunde dabei. Die Gespräche geben mir viel und ich kann auch anderen Menschen helfen. Da auch auf Spaß nicht vergessen wird, ist es Abwechslung in meinem Alltag, die ich nicht mehr missen möchte. Und der Gerhard ist auch gern dabei.“

Auch die freiwilligen MitarbeiterInnen erleben berührende Situationen. Elisabeth S., freiwillige Mitarbeiterin im Projekt Zeitreise betreut Georg, der an Demenz erkrankt ist: „Georg und ich teilten uns bei der Gesangsprobe für die Weihnachtslieder einen Text. Immer mehr war es ein gemeinsames in Stimmung kommen. Zum Schluss klopfte er mir auf die Schulter und sagte, so habe er noch nie gesungen. Auch ich nicht. Es war seit meiner Kindheit das schönste Weihnachtsfest.“


Projektförderung durch den FGÖ nutzen

„Organisationen, die demenzfreundliche Rahmenbedingungen schaffen und Projekte umsetzen wollen, lade ich ein, die Projektförderung des FGÖ zu nutzen. Die relevanten Infos sind auf www.fgoe.org zu finden, auch das Team der FGÖ-Geschäftsstelle berät sie gerne“, so Klaus Ropin abschließend.

(Bilder: Pixabay.com)

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