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Diagnose Demenz – Tipps für Angehörige, damit besser umzugehen

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Demenz-Erkrankungen sind heimtückisch. Zum einen, weil es ein schleichender Prozess ist, der über Jahre immer schlimmer wird. Und zum anderen, weil es bis dato kein Heilmittel dagegen gibt. Nicht zuletzt diese Hoffnungslosigkeit, die bei Betroffenen genauso wie bei Angehörigen entsteht, macht es für alle Beteiligten besonders schwer. Lesen sie hier ein paar Tipps, wie sie betroffene Angehörige unterstützen können und dabei selbst bei Kräften bleiben.

Nicht jedes Vergessen ist gleich eine Demenzerkrankung
(c) Pixabay.com

Immer wieder mal was vergessen ist normal. Bei Demenz Patienten steigt die Häufigkeit permanent.

Jede/ r von uns vergisst schon mal das eine und andere. Das ist völlig normal. Wenn dann aber immer öfter zB auf die wöchentliche Spielerunde vergessen wird, oder Zahlscheine nicht mehr eingezahlt werden, oder es immer schwerer fällt, die Lieblingsspeise der Enkelkinder zu kochen, und die Betroffenen, darauf angesprochen, verärgert reagieren – dann sollte man stutzig werden. Denn derartiges Vergessen könnte Zeichen einer Demenz sein. Nur wenn es so weit ist, liegt der tatsächliche Beginn der Erkrankung meist schon Jahre zurück. Oft lassen sich erst im Nachhinein erste Symptome den ersten Stadien einer Demenzerkrankung zuordnen.

So kann – im Nachhinein betrachtet – beispielsweise der Rückzug aus dem geliebten Musikverein Jahre zuvor bereits ein Zeichen gewesen sein. Die Person hatte vielleicht schon damals Angst davor, die Leute nicht mehr richtig zu erkennen oder nicht mehr richtig Noten lesen zu können.

Ist es wirklich Demenz?

Vor dieser Frage bzw. Antwort haben sehr viele, um nicht zu sagen alle, Angst. Betroffene merken zwar selbst, dass etwas nicht in Ordnung ist, sie wollen sich aber nichts anmerken lassen. Sie verwenden vielmehr alle Kraft, um den Schein zu wahren, dass alles in Ordnung sei. Die Diagnose Demenz kann letztlich nur ein Arzt stellen. Doch die große Angst davor, zum Arzt zu gehen, muss erst einmal überwunden werden.

Für Angehörige ist diese Zeit eine der extremen Anspannung und Sorge auf der einen Seite. Auf der anderen Seite müssen sie aber behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen, wenn sie mit Betroffenen darüber reden und von einem Arztbesuch überzeugen möchten. In so einem Fall ist es ratsam, nicht direkt über Demenz zu reden, sondern von Durchblutungsstörungen, was sich der Arzt bei nächster Gelegenheit anschauen sollte. Vor dem Termin sollten sie den eigentlichen Grund der Untersuchung mit dem Arzt kurz absprechen.

Was macht der Arzt?

Um die Diagnose Demenz erstellen zu können, muss der Arzt zunächst alle anderen möglichen Ursachen für häufiges Vergessen ausschließen. So können beispielsweise diverse Mangel­­erscheinungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Depressionen oder sehr selten auch Hirn­tumore mitunter zu geistigen Einschränkungen führen. Bestimmte Wirkstoffe und/ oder Präparate können leichte Gedächtnisprobleme unter Umständen verschlimmern. Wer die Vermutung hat, dass ein Medikament der Grund sein könnte, sollte das auf jeden Fall mit seinem Arzt oder Apotheker abklären.

Wenn die Bombe einschlägt
(c) Pixabay.com

Diagnose Demenz – schlimm genug, aber trotzdem bedeutet das nicht das Ende.

Stellt der Arzt die Diagnose Demenz, schlägt das in der Familie ein wie eine Bombe. Dabei ist aber gerade zu Beginn der Erkrankung noch sehr viel Lebensqualität möglich. Der einzige Rat für diese Phase: schieben sie nichts auf die lange Bank. Wenn sie schon immer mal in die Karibik wollten, machen sie es jetzt. Wenn sie schon immer mal eine Oper in Sydney besuchen wollten, machen sie es jetzt. Wenn sie schon immer mal die Alpen zu Fuß überqueren wollten, machen sie es jetzt.

Medikamente können zwar den vollen Ausbruch der Erkrankung bremsen, aber – wie eingangs erwähnt – nicht aufhalten.

Wenn die Welt nicht mehr in Ordnung ist

Demenz Patienten nehmen ihre Umwelt anders wahr als gesunde, wodurch zwangsläufig zahlreiche Probleme im Zusammenleben mit ihnen entstehen. Diese verändere Wahrnehmung verunsichert, erzeugt Angst und Misstrauen und letztlich auch Aggressivität. Angehörige müssen viel aushalten und stark sein.

Einerseits ist es wichtig, den Betroffenen Sicherheit und das Gefühl zu geben, hinter ihnen zu stehen – egal, was passiert. Andererseits müssen sie lernen, mit zB falschen Beschuldigungen oder Aggressivität umzugehen. Dann hilft es, sich klar vor Augen zu führen, dass dieses Verhalten nur und ausschließlich von der Krankheit kommt.

Auch auf sich selbst schauen

Trotz allem sind aber auch Angehörige nur Menschen und begrenzt belastbar. Daher ist es enorm wichtig, auch gut für sich selbst zu sorgen. Sie müssen immer wieder mal raus aus der Alltagssituation und Kraft tanken. Es ist wichtig, eigenen Aktivitäten und Kontakte nicht der Erkrankung unterzuordnen. Gerade Freunde und/ oder auch andere Betroffene sich wichtig, um mit ihnen über die Probleme des Demenz-Alltags zu sprechen.

Ein paar Tipps für den Umgang mit an Demenz Erkrankten
  • einfache Kommunikation
    Versuchen sie, kurze Sätze langsam und deutlich zu sprechen und Blickkontakt zu halten; lassen sie sich Zeit, und stellen sie keine Warum-, Wann- oder Wo-Fragen;
  • Situationen neu bewerten
    Das Verhalten von Menschen mit Demenz ist oft nicht nachvollziehbar. Dann hilft es, die Situation neu zu bewerten. Zum Beispiel: zieht er/ sie seine Jacke nicht an, weil ihm/ ihr wirklich nicht kalt ist, oder weil er/ sie vergessen hat, wo sie hängt?
  • moderne Technik nutzen
    Mittlerweile gibt es zahlreiche Sicherungen und Alarmsysteme, zB Herdsicherungen, Alarmsystem für über­laufendes Wasser, Hausnotruf, etc. die die Sicherheit enorm erhöhen.
  • Weg was nicht her gehört
    Je mehr Dinge herumliegen oder stehen, desto verwirrender ist es für Demenz Erkrankte. Und solche, die sie nicht sehen, werden viel leichter vergessen, wie zB Kleidung. Montieren sie deswegen ggf. die Türen vom Kleiderkasten ab, damit sie ins Blickfeld rückt.
  • Weg mit Gefahrenquellen
    Gehen sie durch die Wohnung/ das Haus und entfernen nach Möglichkeit sämtliche Stolperfallen, Glasflasche, Medikamente, etc. – kurz: so viel mögliche Gefahrenquellen wie möglich.
  • Damit niemand verloren geht
    Installieren sie eine Türglocke, die läutet, sobald die Eingangstür geöffnet wird, um die Wohnung/ das Haus zu verlassen. Geben sie einen Zettel mit ihrer Adresse in die Geldbörse und Kleidung und informieren sie auch ihre Nachbarn.

 

(Bilder: Pixabay.com)

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