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Eltern pflegen ist kein Kinderspiel – wenn Kinder pflegen

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„Ich bin einfach in diese Rolle hineingerutscht“, sagt Natalie M. Sie war 15 Jahre alt, als ihr Vater an Lungenkrebs erkrankte und aufgrund von Metastasen schlagartig pflegebedürftig wurde. Die Mutter war Vollzeit berufstätig, daher half die Schülerin. „Für mich war es selbstverständlich, dass ich mich um meinen Vater kümmere und meine Mutter unterstütze.“ Sie wechselte Verbände, klebte Schmerzpflaster, verabreichte Medikamente und half im Haushalt. Natalie ist kein Einzelfall!

43.000 Kinder pflegen
(c) Johanniter/ N. Studeny

Weit über 40.000 Kinder pflegen jemanden aus ihrer Familie – und können nicht Kind sein.

In Österreich pflegen etwa 43.000 Kinder und Jugendliche ihre Angehörigen. Sie kümmern sich um Eltern, Großeltern oder Geschwister, die an körperlichen Krankheiten, psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen leiden. Sie rutschen allmählich in die Rolle des Erwachsenen und übernehmen immer mehr Verantwortung. Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Albträume und Müdigkeit sind nur einige der Symptome, die die jungen Pflegenden neben den Sorgen um den Kranken plagen.

Hilfe von außen wird nicht immer in Anspruch genommen

Laut einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Integral im Auftrag der Johanniter im Frühjahr durchführte, nehmen 35% der betroffenen Familien gar keine Hilfe von außen in Anspruch. 14% davon wollen keine Hilfe von außen, 17% fehlen die finanziellen Mittel. 4% kennen keine passenden Angebote.

„Häufig wissen die Familien zu wenig über Angebote und finanzielle Zuwendungen Bescheid. Das Projekt superhands versucht, pflegende Kinder zu entlasten, indem wir die Familien beraten, auch über Pflegegeld und andere Zuwendungen. So wissen viele beispielsweise nicht, dass es finanzielle Zuwendungen gibt, damit sich pflegende Angehörige – auch Kinder – eine Auszeit gönnen können“, so Anneliese Gottwald, Pflegedienstleiterin der Johanniter und Initiatorin von superhands.

superhands bietet Hilfe und Rat
(c) Johanniter/ N. Studeny

Pflegen heißt nicht nur Verband wechseln, etc. Auch Einkäufe müssen erledigt werden.

Mit der Kampagne „Eltern pflegen ist kein Kinderspiel“ machen die Johanniter einmal mehr auf die erdrückende Last, die Young Carers tragen, sowie auf das Hilfsangebot superhands aufmerksam.

superhands bietet Informationen und Beratung – kostenlos und anonym. Die jungen Pflegenden können telefonisch unter 0800 88 87 87 oder online unter www.superhands.at einfach nur ihre Sorgen loswerden oder um Rat fragen. Das Angebot richtet sich auch an das soziale Umfeld und Multiplikatoren, wie Ärzte, Pflegekräfte, Lehrer, Psychologen und viele mehr.

„Wir wollen erreichen, dass die Young Carers wahrgenommen werden. Wir können Kinder und Jugendliche nicht fernhalten von Krankheiten, aber wir können sie ihren Bedürfnissen entsprechend begleiten und entlasten! Damit auch Kinder von kranken Eltern Kind oder Teenager sein können!“, plädiert Gottwald für einen achtsamen Umgang mit den Kindern.

Ziele und Förderungen

superhands verfolgt zwei wesentliche Ziele: Zum einen möchte superhands die Öffentlichkeit sensibilisieren, um ein Bewusstsein für die schwierige Situation der Young Carers zu schaffen. Zum anderen möchte superhands die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien durch Information, Beratung und Vernetzung unterstützen und weitgehend entlasten.

Die aktuelle Aufklärungskampagne „Eltern pflegen ist kein Kinderspiel“ wird gefördert aus den Mitteln  „Gemeinsame Gesundheitsziele“ aus dem Rahmen-Pharmavertrag, einer Kooperation von österreichischer Pharmawirtschaft und Sozialversicherung. Das Hilfsangebot superhands wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz und durch Spenden der Johanniter finanziert.

(Bilder: Johanniter/ N. Studeny)

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