18.06. 2021 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Im „Netz verfangen“ – wenn man online bei Fake-Shops einkauft

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Online-Shoppen ist gekommen, um zu bleiben – Anlass, sich einmal einen Online-Schauplatz der anderen Art anzusehen: nämlich Werbeflächen, die große Online-Plattformen an Dritte verkaufen. Das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation [ÖIAT] hat für die Arbeiterkammer [AK] exemplarisch Werbeanzeigen für derartige oftmals Fake-Shops auf vier großen Social Media-Plattformen geprüft. Nach nur einer Stunde Recherche wurden zwölf „unsaubere“ Dropshipping-Händler – an sich ein seriöses Logistik-Modell – mit Direkt-Lieferungen meist aus China aufgespürt. Ernüchternd waren dabei die getätigten Probebestellungen: trotz Bezahlung keine Ware, eine andere und minderwertigere als bestellt. Rücksenden oder Geld retour – Fehlanzeige.


Fake-Shops sind nicht einfach zu erkennen

Günstige Designerklamotten oder attraktive Technik-Angebote – unseriöse Online-Shops sind auf den ersten Blick schwer erkennbar. Ein starkes Merkmal dafür ist eine nötige Vorabzahlung der Bestellungen. „Die vorausbezahlten Waren kommen dann oft gar nicht an, oder Konsumentinnen und Konsumenten bekommen eine andere, minderwertige Ware, die von der bestellten krass abweicht. Aber trotzdem ist das Geld weg„, so AK KonsumentInnenschützerin Daniela Zimmer.

Wenig Beachtung wird bislang einem wichtigen [Neben-]Schauplatz geschenkt, auf dem ebenfalls unseriöse Geschäfte zumindest angebahnt werden: Werbeflächen, die große Online-Plattformen für Werbezwecke an Dritte verkaufen. „Auf Social Media-Plattformen findet sich demnach immer öfter Werbung für unseriöse Angebote, etwa von Dropshipping-Händlern, die von den Abbildungen erheblich Abweichendes versenden oder Fake-Shops, die es auf lupenreinen Vorauszahlungsbetrug anlegen“, berichtet Zimmer. In der Regel ist Dropshipping an sich eine problemlose Logistik-Variante, bei der der Händler kein eigenes Warenlager hat. Konsument•innen erhalten die Ware direkt vom Hersteller oder Großhändler.

Grafik mit neun Bildschirmen, auf denen Webshops dargestellt sind, Stichwort Fake-Shops.
(c) Pixabay.com
Die Online-Shops von Droppshipping-Händlern sehen oft verblüffend ähnlich aus und sind von seriösen Online-Shops meist nicht einfach zu unterscheiden.

Werbeanzeigen auf vier Social Media Plattformen analysiert

Das ÖIAT hat im Auftrag der AK exemplarisch Werbeanzeigen auf vier ausgewählten sozialen Plattformen unter die Lupe genommen – Instagram, TikTok, Facebook und Google. Das Ergebnis zeigt: Lediglich eine Stunde Recherche pro Plattform reichte, um auf Werbung für je drei Online-Shops zu stoßen, vor denen die Watchlist Internet ausdrücklich warnt. Bei diesen insgesamt zwölf Dropshipping-Shops wurden in weiterer Folge Probebestellungen durchgeführt und Rücksendungen versucht.

Von zwölf Bestellungen kam in zwei Fällen trotz vorheriger Bezahlung überhaupt keine Lieferung. Zweimal kam nicht die bestellte Kleidung: Einmal wurde ein T-Shirt geliefert, das sich optisch krass vom bestellten unterschied. Einmal kam eine Jacke, auf der Kordeln und goldene Knöpfe drauf sein sollten. Tatsächlich war alles nur aufgedruckt. Bei den anderen acht Fällen handelte es sich um eine mindere Produktqualität.

„Bei den gelieferten Waren war generell kein Rücktritt möglich. So fehlte etwa die Rücksendeadresse, es gab keine Antwort auf Retouren-Anfragen oder die Rücksendung war mit hohen Rücksendekosten und Zollgebühren verbunden. Den Einkaufspreis teils oder ganz zurückzubekommen ist ebenfalls meist unmöglich. Auch gesetzlich geregelte Gewährleistungsansprüche können nicht durchgesetzt werden„, so Zimmer.

Die Konsequenzen für Konsumentinnen und Konsumenten

Was Konsument•innen „blüht“, wenn sie unseriösen Dropshipping-Händlern „ins Netz gehen“, die direkt aus dem asiatischen Raum liefern:

  • nicht so wie bestellt
    Die Ware ist minderwertig und weicht zum Teil sehr stark vom beworbenen Produkt ab.

  • bitte warten
    Es kommt teilweise zu ungewöhnlich langen Lieferzeiten oder Lieferausfällen.

  • teuer retour
    Rücksendungen sind schwierig und teuer – häufig „drohen“ hohe Rücksendekosten ins außereuropäische Ausland sowie Zollgebühren und meist ist auch keine Rückerstattung des Kaufpreises möglich.

  • keine Rechte
    Anbieter verletzen europäisches Konsument•innenschutzrecht, und die Rechtsdurchsetzung ist de facto unmöglich.
Grafik einer Frau, die erschrocken auf einen Laptop-Monitor zeigt.
(c) Pixabay.com
Oberstes Gebot bei Einkäufen im Internet: bezahlen sie Waren nur[!] dann im Voraus, wenn sie absolut sicher sind, dass es sich um einen seriösen Online-Shop handelt. Sonst drohen oft unliebsame Überraschungen.

Her mit wirksamen Regeln gegen Werbung für betrügerische Online-Shops auf sozialen Plattformen

Der durchgeführte Stichprobentest zeigt jedenfalls eines ganz deutlich: Auf Social Media-Plattformen werben immer öfter unseriöse Dropshipping-Händler. Jetzt liegt der EU Entwurf zu einem Digitalen Dienste Gesetz [Digital Services Act, DSA] vor, der jedenfalls mehr zum Schutz für Konsument•innen tun muss. Online-Plattformen sollen aktiv beitragen, Konsument•innen vor einer Übervorteilung, etwa durch Fake-Shop-Angebote, zu schützen.

Der EU Entwurf zum Digitalen Dienste Gesetz wird derzeit zwischen den Mitgliedsstaaten und im EU-Parlament verhandelt. Die AK will mehr Schutz für Konsument•innen und verlangt:

  • Kenne deine Werbekund•innen
    Online-Plattformen oder Werbedienstleister, die Werbung ausspielen, sollen die Angaben zu Werbekund•innen prüfen. Es braucht mehr Transparenz, vorstellbar wäre zum Beispiel eine Kennzeichnung wie „Verifizierter Werbekunde“.

  • Werbung nicht unkontrolliert ausspielen
    Liegen Hinweise auf unseriöse Angebote vor – etwa Usermeldungen und auf Warnlisten „blackgelistete“ Webshops –, dürfen Plattformen oder dahinterstehende Werbedienstleister die Werbung nicht schalten.

  • Dubiose Werbung – auch Konsument•innen und -organisationen sollen es wissen
    Der DSA verpflichtet sehr große Plattformen künftig, in einem Archiv die Werbungen des letzten Jahres und die Namen der Werbekund•innen zu veröffentlichen. Dieses sollte öffentlich leicht zugänglich sein und eine Beschwerdemöglichkeit enthalten.

  • EU-weiter Ausbau Watchlist Internet
    Initiativen wie Watchlist Internet sollen EU-weit über ein Netzwerk verbunden, von der EU finanziert und von einem EU-Koordinator unterstützt werden. Watchlist Internet – eine österreichische Informationsplattform – veröffentlicht tagesaktuelle Warnmeldungen über aktuelle Online-Fallen. Prävention ist wichtig, denn Internetkriminelle werden kaum je gefasst.

  • mehr Transparenz gegen Dropshipping-Fallen
    Webshops sollen zentral darauf hinweisen müssen, woher die Ware versandt wird, und wie die Abwicklung von Retouren erfolgt. Dropshipping ist weit verbreitet und grundsätzlich unproblematisch. Die AK Erhebung zeigt aber Probleme mit unseriösen Dropshipping-Händlern auf, die ihre Waren direkt aus dem asiatischen Raum liefern lassen – das wird auf der Website der Online-Shops häufig verschwiegen.

Daran erkennen sie unseriöse Dropshipping-Händler

Hier noch ein paar einfache Tipps, woran sie erkennen können, dass es sich mutmaßlicher Weise um einen Fake-Shop eines Dropshipping-Händlers handelt:

  • Von wo kommt‘s?
    Vorsicht, wenn kein Hinweis steht, von wo das Produkt kommt. Dann kommt die Lieferung oft direkt aus dem asiatischen Raum – das wird gerne auf den Websites verschwiegen.

  • Mit Stil „betrogen“
    Die Online-Shop-Websites machen optisch einen professionellen Ersteindruck.

  • Super Preis
    Markenprodukte sind sehr günstig – da sollten die Alarmglocken läuten.

  • Fehlende Angaben
    Die Angaben zum Händler sind mangelhaft oder fehlen komplett.

  • Abgekupfert
    Wenn sie bei mehreren Online-Shops stöbern, fällt auf: Textbausteine sind aus Shop-Beschreibungen und Gründungsstorys kopiert, Domainregistrierungen wurden anonymisiert.

Aber wie heißt es so treffend: [bewegte] Bilder sagen mehr als tausend Worte. In diesem Sinn: sehen sie selbst 😉

Service

Eine Zusammenfassung des Stichprobentests zu den Dropshipping-Bestellungen finden sie HIER.

(Bilder: Pixabay.com, Video: Youtube.com)

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