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Gewalt gegenüber älteren Menschen ist definitiv kein Kavaliersdelikt!

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Heute, am 15. Juni, ist der Internationale Tag gegen Gewalt an älteren Menschen. Anlass genug, um das Bewusstsein für derartige Vorfälle zu schärfen. Gewalt ist grundsätzlich eine Verletzung der Menschenrechte – egal, gegen wen sich diese richtet. Aber gerade auch ältere Menschen sind diesem gesellschaftlichen Phänomen in besonderer Weise ausgesetzt. Laut Weltgesundheitsorganisation [WHO] werden in westlichen Ländern zwischen einem und zehn Prozent aller älteren Menschen Opfer innerfamiliärer Gewalt. Die Dunkelziffer ist hoch. Der gefährlichste Ort in Sachen Gewalt und Misshandlungen ist das eigene zu Hause, weil die meisten Hilfebedürftigen von Familienangehörigen betreut werden.

Menschen, die Pflegebedarf haben, leben in einem Abhängigkeitsverhältnis, das immer wieder auch ausgenützt wird bzw. an die Grenzen der Belastbarkeit führen kann. Intensität, Art und Umfang der Pflegebedürftigkeit können bei pflegenden Angehörigen nicht nur zu umfangreichem Belastungserleben führen, sondern letztlich auch aufgrund von Überforderung in unerwünschtes Gewalthandeln münden. Ob solche Handlungen von den Beteiligten auch als Gewalt erkannt werden, ist dabei stark davon abhängig, wie die jeweiligen Handlungen gerechtfertigt werden und wie hoch der Wissenstand pflegender Angehöriger ist.

Eine geballte Faust, Stichwort Gewalt gegen ältere Menschen.
(c) Pixabay.com
Neben der möglichen Gewalt im Zuge von pflegerischen Tätigkeiten zu Hause können ältere Menschen auch in Pflegeeinrichtungen Gewalt erfahren.

Physische und psychische Gewalt

„Am heutigen Tag legen wir unser Augenmerk auf die vielen älteren Menschen, die physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind. Die Taten reichen von verbalen Angriffen über finanzielle Ausbeutung, emotionale Vernachlässigung, bis hin zu physischer Gewaltanwendung gegen Seniorinnen und Senioren. Diese schäbigen Handlungen gegen oft wehrlose ältere Menschen dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben!“, stellt Kurt Kumhofer, Bundesvorsitzender der FCG-Pensionistinnen und Pensionisten, klar.

Immer wieder wird von solchen Gewalthandlungen gegenüber älteren Menschen berichtet. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es [auch], gewaltfördernde Strukturen aufzubrechen. In diesem Sinn müssen für Pflege- und Betreuungskräfte solche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ihnen Zeit geben, in Ruhe die älteren Menschen zu pflegen und mit ihnen gewaltfrei in Kontakt zu treten.

Gewaltprävention in diesen Zusammenhang bedeutet auch, sowohl die Managementebene als auch die Pflege- bzw. Betreuungskräfte selbst zu sensibilisieren. Diese Menschen müssen geschult werden, um zu wissen, wo Gewalt beginnt und wie dieses Phänomen auch sprachlich benannt werden kann. Dafür braucht es nicht zuletzt auch die notwendigen finanziellen Mittel.

Wenn Betroffene [darüber] schweigen

Gewalt zu erfahren, ist leider auch so etwas wie ein Tabuthema. Es bedeutet oft auch, sich dafür zu schämen und deshalb eher nicht darüber zu sprechen. Verstärkt wird das insbesondere bei älteren pflegebedürftigen Menschen durch die Tatsache, dass sie oft auch nicht mehr in der Lage sind, die Gewalterfahrungen anzusprechen bzw. sich zu wehren.

Es braucht daher auch eine gute, für Gewalt sensibilisierte Vertretung dieser älteren Menschen. Und – vor allem im privaten Kontext – ein sensibilisiertes, waches und aufmerksames Umfeld, das sich bei Bedarf an Professionalistinnen und Professionalisten wenden kann, um Hilfe zu holen.

Ziel muss es sein, dass die älteren Menschen, die auf Pflege und Betreuung angewiesen sind, in einem sensibilisierten und gewaltfreien Umfeld leben und so eine qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung bekommen.

Die Hände einer alte Frau, die eine Hand einer jüngeren hält.
(c) Pixabay.com
Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen ist eine große Belastung, die aufgrund von Überforderung auch in Gewalt münden kann.

Hilfe suche ist keine[!] Schande

„Wir möchten Betroffene dazu ermutigen, Hilfe zu suchen und sich an Behörden oder Vertrauenspersonen zu wenden, sofern sie Opfer von Diskriminierungen oder Misshandlungen werden“, bemerkt Kumhofer ausdrücklich.

Gemäß Studien geben in Österreich rund fünf Prozent der Seniorinnen und Senioren an, Diskriminierungen oder Gewaltanwendungen am eigenen Leib erfahren zu haben. Hierbei handelt es sich sehr oft um körperlich schwache oder kranke Menschen, die auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen sind.

„Überlastungen, beispielsweise durch pflegende Verwandte, dürfen keine Ausrede sein für die Ausübung psychischer oder physischer Gewalt. Das zentrale Ziel muss sein, in Würde und vor allem ohne Diskriminierung alt werden zu können“, so Kurt Kumhofer abschließend.

Service

Sollten sie Opfer von Diskriminierung und/ oder Gewalt sein bzw. ein derartiges Verhalten beobachtet haben, könne sie sich unter anderem an folgende Stellen wenden, um Hilfe zu bekommen:

EinrichtungTelefonInternetseite
Caritas der Diözese Eisenstadt Gewaltberatung0676 527 20 70www.­caritas-burgenland.­at/­hilfe-angebote/­beratung-hilfe/­beratung-fuer-menschen-in-lebens-u-beziehungskrisen/­gewaltberatung/­
24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien:01 71719www.­wien.­gv.­at/­menschen/­frauen/­beratung/­frauennotruf/­
Autonome Österreichische Frauenhäuser01 544 08 20www.­aoef.­at
Caritas Tirol, Diözese Innsbruck Demenz-Servicezentrum0512 57 45 15www.­caritas-tirol.­at/­hilfe-angebote/­demenz-servicezentrum/­
EXIT-Sozial Verein für psychosoziale Dienste0732 719200www.­exitsozial.­at/­
Gewaltschutzzentren + Interventionsstellen in Österreichwww.­gewaltschutzzentrum.­at
Gewaltschutzzentrum Burgenland03352 31 420www.­gewaltschutz.­at
Gewaltschutzzentrum Kärnten0463 590290www.­gsz-ktn.­at
Gewaltschutzzentrum NÖ02742 31966www.­gewaltschutzzentrum.­at/­noe/­
Gewaltschutzzentrum OÖ0732 607760www.­gewaltschutzzentrum.­at/­ooe/­
Gewaltschutzzentrum Salzburg0662 870100www.­gewaltschutzzentrum.­eu
Gewaltschutzzentrum Steiermark0316/77 41 99www.­gewaltschutzzentrum-steiermark.­at
Gewaltschutzzentrum Tirol0512 571313www.­gewaltschutzzentrum-tirol.­at
Hilfswerk Niederösterreich – NÖ Krisentelefon0800 20 20 16www.­hilfswerk.­at/­niederoesterreich/­familie-beratung/­erwachsene/­noe-krisentelefon/­
Notfallpsychologischer Dienst0699 18855400www.­notfallpsychologie.­at/­Notfallpsychologischer_Dienst_A.­html
Polizei-Notruf 133133
Pro Senectute – Verein für das Alter in Österreich01 479 6161www.­prosenectute.­at
Telefonseelsorge 142www.­telefonseelsorge.­at
Weisser Ring Österreich: Opfer-Notruf (rund um die Uhr)0800 112112www.­weisser-ring.­at
Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie01 585 32 88www.­interventionsstelle-wien.­at

(Bilder: Pixabay.com)

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