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«Impfenschuetzt.at» – neue wissenschaftsbasierte Online-Plattform

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Prävention ist für die Österreichische Kardiologische Gesellschaft [ÖKG] ein besonders aktuelles und hochrelevantes Thema. Kardiovaskuläre Erkrankungen gehören nicht nur zu den wesentlichen Todesursachen in Österreich, sie sind traurige Nummer 1 – weit häufiger als Krebserkrankungen. Seit jeher beschäftigt sich die Kardiologie mit Primärprävention, damit kardiovaskuläre Erkrankungen gar nicht erst auftreten. Leider müssen wir uns aber auch allzu oft mit der Sekundärprävention beschäftigen, damit ein Infarkt nicht durch Folgeerkrankungen noch problematischer für die Patientin oder den Patienten wird“, erklärt ÖKG-Präsident Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek vom Ordensklinikum Linz gemeinsam mit ÖKG-President Elect und -Generalsekretär Univ.-Prof. Dr. Metzler, MSc, Ärztekammer-Präsident Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, und PDin Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.

„Zur Prävention allgemein und zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Besonderen gehört auch der Impfschutz gegen Grippeviren und Pneumokokken. Deshalb haben wir uns als ÖKG in diesem schwierigen Jahr entschlossen, mit der Online-Plattform Impfenschuetzt.at einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zu leisten, um die Impfrate in Österreich zu erhöhen. Wir wollen HerzpatientInnen und grundsätzlich allen, die sich unabhängige Information von Expertinnen und Experten wünschen, in verständlicher Sprache Wissen über das Impfen vermitteln“, so Siostrzonek.

„Reparaturmedizin“ allein ist zu wenig

„Wir Ärztinnen und Ärzte wollen nicht nur das leisten, was unter dem Begriff ‚Reparaturmedizin‘ bekannt geworden ist – medizinisch erst einzugreifen, wenn schon eine Erkrankung da ist. Prävention und Vorsorge sind wichtig, Routineuntersuchungen müssen gemacht werden. Unsere Ordinationen und Spitäler haben Sicherheitskonzepte entwickelt. Jeder Patient und jede Patientin in Österreich kann sich darauf verlassen, umfassend versorgt zu werden. Ein aufrechter Impfstatus ist ein wichtiger Teil der Präventionsmaßnahmen. Jeder Patient, der seine Impflücken schließt, trägt dazu bei, mit der ärztlichen Ressource schonend umzugehen. Vorsorge schützt das Gesundheitssystem. Gerade in dieser Jahreszeit ist es daher essentiell, dass gegen Influenza und Pneumokokken geimpft wird, auch sollte nicht auf die MMR-Impfung vergessen werden“, betonte auch Präsident Univ.-Prof. Dr. Szekeres.

Einer der Schwerpunkte der ÖGM behandelt den Zusammenhang der Corona-Pandemie mit dem Auftreten von Herzerkrankungen. Dabei geht es einerseits um die direkten Auswirkungen der Covid-19 Erkrankung auf das Herz-Gefäßsystem, aber auch um allfällige Kollateralschäden durch die Corona-Pandemie: „Im Verlauf des März 2020 hat sich die Zahl der in österreichischen Krankenhäusern mit Herzinfarkt aufgenommenen PatientInnen zwar um etwa 40 Prozent verringert, aber gleichzeitig war die Herzinfarkt-Sterblichkeit deutlich erhöht. Dieser beobachtete Rückgang der Herzinfarktzahlen ist aus pathophysiologischer Sicht nicht erklärbar, vielmehr wäre sogar ein Anstieg zu erwarten gewesen“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Metzler. Der Innsbrucker Kardiologe stellte klar: „Als Kardiologe ist es mir wichtig, an die PatientInnen und an die behandelnden ÄrztInnen zu appellieren, trotz der Covid-19-Pandemie die nach wie vor häufigen und bisweilen lebensbedrohlichen Herzbeschwerden nicht zu übersehen, genau abzuklären und zu behandeln. Prävention rettet Leben.“

Illustration: eine Frau, ein Mann und ein Kind; darüber ein rotes Herz.
(c) Pixabay.com
Trotz Covid-19–Pandemie darf auf Prävention und Vorsorge auch und vor allem im Bereich der Herzgesundheit NICHT vergessen werden.

Impfenschuetzt.at – Unabhängige ExpertInnen informieren in verständlicher Sprache

Die ab sofort im Internet verfügbare Plattform Impfenschuetzt.at bietet unabhängige Experteninformation zum Thema Impfen und informiert die Bevölkerung. „Dabei nützen wir auch Social Media, um in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder aufs Neue den vielfältigen Gerüchten im Internet sachliche Information hinzuzustellen. Ich danke hier insbesondere dem Redaktionsteam Dr. Jakob Dörler [Medizinische Universität Innsbruck], Univ.-Prof. Dr. Friedrich Fruhwald [Universitätsklinikum Graz], Univ.-Prof.in Dr.in Marianne Gwechenberger [Medizinische Universität Wien], Dr.in Ursula Klaar [Niedergelassene Kardiologin in Wien-Favoriten], OA PD Dr. Deddo Mörtl [Universitätsklinikum St. Pölten] und Univ.-Prof. Dr. Florian Thalhammer [Medizinische Universität Wien] für ihr Wirken“, so Siostrzonek.

„Österreich war bisher beim Impfen gegen Grippeviren und Pneumokokken weit zurück im Ländervergleich, wir haben teilweise nur Impfraten zwischen 10 und 20 Prozent. Weil aber der Zusammenhang dieser Infektionen mit Herzerkrankungen eindeutig bewiesen ist, sind Impfungen etwa gleich wichtig wie mit dem Rauchen aufzuhören„.

Ausbau der Ressourcen in Spitälern und mehr ÄrztInnen in wohnortnaher Grundversorgung

Ärztekammer-Präsident Univ.-Prof. Dr. Szekeres unterstrich die zweifelsfrei sehr gute Versorgungssituation in Österreich. „Die hohe Bettenzahl, die in den vergangenen Jahren oft kritisiert wurde, hat ihren Teil dazu beigetragen, dass wir bislang an keine Grenzen gestoßen sind, wie wir das von anderen Ländern kennen. Wichtig ist, dass das Gesundheitssystem unterstützt wird. Es darf nicht wieder zu einer Situation kommen, in der es mancherorts an Schutzausrüstung fehlt. Ärztinnen und Ärzte müssen für ihr Engagement unterstützt werden. Immerhin geht es hier um die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Die Pandemie hat gezeigt, wie wertvoll eine funktionierende Versorgung ist. Wir benötigen Investitionen in die Herstellung medizinischer Produkte innerhalb der EU und den Ausbau der Gesundheitsversorgung.“

Grundsätzlich sollte ein Gesundheitssystem auch für Krisenzeiten gewappnet sein. „Ein System herunterzufahren, um Ressourcen freizulegen, mag für kurze Zeit funktionieren, ist aber keine Dauerlösung. Wir müssen an alle unsere Patientinnen und Patienten denken. Das heißt: Ausbau der Ressourcen in den Spitälern, mehr Ärztinnen und Ärzte in der wohnortnahen Grundversorgung„, stellte Szekeres klar.

Ein Blutdurckmessgerät, Tabeltten und die Linien eines EKG-Befundes.
(c) Pixabay.com
Damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird, ist es einerseits wichtig, mit Präventionsmaßnahmen Krankheiten zu verhindern. Und andererseits, nötige Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Für wen ist eine Influenza-Impfung besonders wichtig?

Die Influenza-Impfung ist jeder Person, die sich schützen will, zu empfehlen. „Besonders Personen mit einem erhöhten Risiko, sich mit Influenzaviren anzustecken und Personen, die bei einer Influenza-Erkrankung ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und schwere Verläufe haben, sollten sich impfen lassen. Um das Ansteckungsrisiko dieser Personen zu vermindern, ist auch eine Impfung der Haushalts- und Kontaktpersonen der Risikogruppen sowie von Personen mit chronischen Erkrankungen und Neugeborenen besonders wichtig“, konstatiert PDin Mag.a Dr.in Paulke-Korinek, PhD, DTM vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.

Besonders empfohlen ist die Impfung daher unter anderem für Kinder ab dem vollendeten 6. Lebensmonat, Personen mit chronischen Erkrankungen, Menschen ab dem 60. Lebensjahr, Personal des Gesundheits- und Pflegebereichs, in Gemeinschaftseinrichtungen betreute Personen und Personal [zum Beispiel Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindergarten, Schulen, soziale Einrichtungen/ Sozialberufe, etc.], Schwangere und Frauen, die während der Influenzasaison schwanger werden wollen, Personen mit häufigen Publikumskontakten [zum Beispiel Personal in Tourismus, Gastronomie, Handel, Friseur- und Kosmetikbetrieben, etc.]und noch einige weitere Personengruppen.

Paulke-Korinek: „Mit der kostenfreien Impfung im Kinderimpfprogramm verfolgen wir die Strategie, Herdeneffekte zu erreichen. Kinder spielen nämlich eine wichtige Rolle bei der Übertragung und Verbreitung der Influenza, sie sind der Motor der Grippewelle. Die Impfung von Kindern kann daher auch Erkrankungen in anderen Altersgruppen verhindern.“ Durch eine Impfung werden Ansteckungen verhindert und damit indirekt auch Personen geschützt, die nicht geimpft werden können.

Modellrechnungen ergaben, dass bereits eine 20-prozentige Durchimpfung von Schulkindern mit einem besseren [Gemeinschafts-]Schutz vor schwerem Verlauf und Tod durch Influenza für über 60-Jährige einhergeht als eine Impfung von 90 Prozent der Seniorinnen und Senioren. Zudem können auch Kinder schwer an Influenza erkranken und sogar versterben. So wurden in der Influenzasaison 2017/ 2018 neun Todesfälle bei Kindern mit einer nachgewiesenen Influenza beobachtet. Auch in der Saison 2018/ 2019 sind insgesamt mindestens fünf Kinder mit Influenza in Österreich verstorben.

v.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Metzler, MSc; PDin Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM; Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek; Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD bei der Präsentation der neuen Online-Plattform Impfenschuetzt.at.
(c) Sebastian Philipp
v.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Metzler, MSc; PDin Mag.a Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM; Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek; Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD. bei der Präsentation von Impfenschuetzt.at.

Zeichen für Prävention

Prävention im Kindesalter ist neben aktuellen Empfehlungen zur Cholesterin- und Diabeteskontrolle und der Frage, welche kardiologischen Ziele sinnvollerweise bei älteren PatientInnen definiert werden sollten, ein wesentliches Thema der ÖKG.

Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfette, Diabetes und körperliche Inaktivität sind führende Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems: „Österreich ist in der Risikokontrolle nur Mittelmaß, über die Hälfte aller Patientinnen und Patienten erreichen ihre Zielwerte derzeit nicht„, zeigte sich Siostrzonek besorgt. „Viel zu wenig beachtet werden auch die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung, etwa durch Diesel, Düngemittel oder Plastik“, betont der Linzer Primarius abschließend.

(Bilder: Pixabay.com (3x), Sebastian Philipp)

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