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Inkontinenz – welche Formen es gibt und was man dagegen tun kann

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Wenn man von Inkontinenz spricht, meint man zumeist Harninkontinenz [im Gegensatz zu Stuhlinkontinenz]– also unkontrollierten, unwillkürlichen Harnabgang. Allein in Österreich sind rund eine Million Menschen von Harninkontinenz betroffen, wobei deutlich mehr Frauen als Männer darunter leiden. Grundsätzlich kann diese in jedem Lebensalter auftreten, die Zahl der Neuerkrankungen steigt allerdings mit zunehmendem Alter. Lesen sie hier, welche Formen von Harninkontinenz es gibt und wie sie die Symptome reduzieren können.

Harninkontinenz – vielfältige Ursachen

Meist entsteht eine Harninkontinenz nicht allein auf Grund einer einzigen Ursache, sondern wird durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren ausgelöst. Zu den wichtigsten und häufigsten ursächlichen Faktoren zählen vor allem:

Das Geschlecht
Frauen leiden deutlich häufiger an Inkontinenz als Männer. Der Grund dafür liegt in der Beckenbodenmuskulatur, die bei Frauen schwächer ausgeprägt und weniger flexibel ist als bei Männern. Außerdem setzen der breite Beckenquerschnitt sowie Durchtrittsstellen wie die Scheide die Spannkraft dieser Muskulatur herab.

Darüber hinaus können v.a. eine Schwangerschaft/ Geburt und die Menopause die Kontinenz negativ beeinflussen.  

Übergewicht
Starkes Übergewicht (Adipositas) bewirkt durch eine vermehrte Fetteinlagerung nicht zuletzt auch in der Beckenbodenmuskulatur eine Bindegewebsschwäche. Außerdem erhöht sich der Druck im Bauchraum auf den Beckenboden.

Alter
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Harnblasenmuskulatur; es kommt zu einer verminderten Harnkonzentration durch die Nieren; die Einnahme von Medikamenten kann zu Symptomen der Inkontinenz führen; ebenso unterschiedliche altersbedingte Erkrankungen (Multimorbidität); Vergrößerung der Prostata beim Mann.

Erkrankungen
chronische Atemwegserkrankungen mit häufigem Husten wie zB Raucherhusten oder Bronchitis, neurologische Erkrankungen mit gestörter Informationsverarbeitung wie zB Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose, Demenzerkrankungen, Gefäß- und Nervenschäden bei Diabetes mellitus, chronische Harnwegsinfekte (Blasenentzündung), Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Blasensteine, Bandscheibenvorfall, Tumore im Unterleib, Erkrankungen der Harnblase.

Ein tropfender Wasserhahn. (c) Pixabay.com
Inkontinenz – oder die Krankheit, bei der man immer wieder unkontrolliert ein paar Tropfen verliert.

Verschiedenen Formen der Harninkontinenz

Je nach Lebensalter treten verschiedene Formen von Inkontinenz unterschiedlich häufig auf. Bei jüngeren Frauen stellt etwas die Belastungsinkontinenz die häufigste Ursache für unfreiwilligen Harnabgang dar. Bei über 65-Jährigen ist es zumeist eine Kombination von Belastungs- und Dranginkontinenz, die zu Problemen führt.

Belastungsinkontinenz
Im Fall der Belastungsinkontinenz oder auch Stressinkontinenz genannt führt eine plötzliche Druckerhöhung im Bauchraum – wie beispielsweise beim Lachen, Husten, Niesen oder Heben von schweren Dingen – zu unkontrolliertem Harnabgang. Ursache dafür ist in erster Linie eine Schwäche des Blasenschließmuskels und des Beckenbodens, meist als Folge von Geburten .

Darüber hinaus kann in der Menopause der Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen dazu führen, dass das Gewebe von Harnröhre und Beckenboden an Spannkraft verliert.

Bei Männern kann es durch eine Prostataoperation zu einer Belastungsinkontinenz durch Schwächung des Schließmuskels kommen.

Überlaufinkontinenz
Diese kennzeichnet sich dadurch, dass es aus einer übervollen Blase, die nicht entleert werden kann, immer wieder zum nicht kontrollierbaren tröpfchenweisem Urinverlust kommt. Diese tritt vor allem bei alten Menschen, bei denen häufig auch die Blasenentleerung gestört ist, auf.

Reflexinkontinenz
Als Reflexinkontinenz wird der unkontrollierte Harnverlust ohne Harndrang nach Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks bezeichnet. Durch die neurale Schädigung wird die Koordination der Blasenentleerung beeinträchtigt.

Dranginkontinenz
Die Dranginkontinenz zeigt sich durch plötzlich auftretenden, sehr starken, nicht beherrschbaren Harndrang mit anschließendem unwillkürlichen Harnabgang. Diese Form der Inkontinenz resultiert aus einer Überaktivität oder aus einer zu großen Empfindlichkeit der Harnblase.
Mögliche Ursachen können sein:

  • Krankheiten im Bereich der Harnblase – Blasenentzündung, Blasentumor, Blasensteine
  • Östrogenmangel mit entsprechenden Veränderungen der Harnröhrenschleimhaut
  • Abflussbehinderungen – bei Frauen auf Grund einer Blasensenkung, bei Männern durch eine Vergrößerung der Prostata
  • degenerative und/ oder krankhafte Veränderungen in jenen Arealen des Gehirns, die für die Kontrolle der Harnblase verantwortlich sind
  • altersbedingte Veränderungen in der Harnblase
  • psychische Faktoren

Die Rolle der Psyche

Nicht nur, dass psychische Faktoren wie zB Stress Inkontinenz auslösen können, so ist die Krankheit vor allem auch psychisch belastend und mindert die Lebensqualität von Betroffenen. Der Verlust von Selbstachtung, psychische Probleme und soziale Isolation sowie eine Überforderung der Angehörigen können Folgen der Erkrankung sein.

Klinische PsychologInnen oder GesundheitspsychologInnen können bei der Verarbeitung der Schamgefühle der Betroffenen eine große Hilfe sein. Durch die vertraulichen Gespräche mit den PsychologInnen erhalten an Inkontinenz Leidende einen Rahmen, in dem sie offen und ehrlich über ihre Ängste und Bedenken sprechen können. Dies alleine bewirkt schon eine große Entlastung.

Ältere Menschen sind oft der irrationalen Überzeugung, dass „nur sie“ davon betroffen sind, und dass das Problem der Inkontinenz nur ganz selten vorkommt. Diese Überzeugungen können im Rahmen einer psychologischen Behandlung gut aufgelöst werden.

Weiters neigen die Betroffenen sehr oft zu sozialem Rückzug, was sich negativ auf die psychische Befindlichkeit auswirken kann, da die positiven Verstärker im Alltag verloren gehen. Daher ist es wichtig in den psychologischen Gesprächen gemeinsame Bewältigungsstrategien zu erarbeiten und die Betroffenen zu motivieren, wieder Aktivitäten und soziale Kontakte aufleben zu lassen, die ihnen gut tun.

Inkontinenz kann nicht zuletzt auch die Psyche sehr stark belasten.(c) Pixabay.com
Inkontinenz kann nicht zuletzt auch die Psyche sehr stark belasten.

Tipps gegen Blasenschwäche

Grundsätzlich sollten sie auf jeden Fall mit ihrem Arzt/ Ärztin sprechen, wenn sie an Harninkontinenz leiden. Zusätzlich können sie selbst aktiv werden und mit ein paar einfachen Verhaltensweisen die belastenden Symptome der Blasenschwäche reduzieren:

Beckenbodentraining

Eine kräftige Beckenbodenmuskulatur stützt Bauch- und Beckenorgane und trägt maßgeblich zum Verschluss der Harnröhre und Anus bei. Ist diese Muskelgruppe geschwächt, kommt es zu einer Erschlaffung des für den Harnabsatz wichtigen Harnblasenschließmuskels. Die Folge: unangenehme Blasenschwäche.
Versuchen sie, diese Muskelgruppe, die zwischen Schambein und Anus liegt, bewusst zu spüren. Setzen sie sich auf einen Sessel und spannen sie die Beckenmuskulatur an. Halten sie die Spannung für zehn Sekunden an und atmen sie ruhig weiter. Wiederholen sie diese Übung täglich zehn Mal.

Bewegung

Bewegung ist gesund – und hilft auch bei Blasenschwäche. Denn generell hält ein ausgewogenes Training den Körper fit, führt zu einer besseren Körperhaltung, zu mehr körperlichem Wohlbefinden und kann bei Blasenschwäche eine deutliche Reduktion der unangenehmen Symptome bewirken. Empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Walken, Schwimmen oder auch Yoga.

Viel trinken

Eigentlich klingt es paradox: man leidet an einer Blasenschwäche und soll trotzdem viel trinken? Aber genau diesen Fehler machen viele Patienten mit Blasenschwäche: sie versuchen durch eine geringere Trinkmenge die anfallende Urinmenge zu verringern. Das belastet allerdings die Nieren und erhöht das Risiko von Harnwegsinfekten.
Trinken sie daher täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser und vermeiden sie allerdings harntreibende Getränke wie Tee und Kaffee, Alkohol und kohlensäurehältige Getränke.

Gewichtsreduktion

Ein zu hohes Körpergewicht bewirkt durch vermehrten Druck auf den Beckenboden eine Schwächung der Muskulatur und begünstigt eine Blasenschwäche. Versuchen sie daher, ihr Gewicht auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.
Angenehmer Nebeneffekt: sie werden sich generell wohler in ihrer Haut fühlen.

Ausgewogene Ernährung

Ein zu starkes Pressen beim Stuhlgang kann unter Umständen dem Beckenboden schaden. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen, Obst und Gemüse erleichtert den Stuhlgang.
Verzichten sie außerdem auf Lebensmittel, die die Blase reizen, wie beispielsweise scharf gewürzte Speisen.

‚Toilettentraining‘

Versuchen sie, weder zu oft noch zu selten auf die Toilette zu gehen. Denn wenn sie zu lange warten, wird die Blasenmuskulatur überdehnt und es kann zu weiteren Funktionsstörungen kommen. Und wenn sie zu oft auf die Toilette gehen, gewöhnt sich die Blase an die kleinen Harnmengen und das Speichervermögen sinkt.
Achten sie daher darauf, dass sie die Harnblase regelmäßig und vollständig entleeren.

Bleiben sie geduldig

Nehmen sie sich ausreichend Zeit, sich mit dem Thema Inkontinenz auseinander zu setzen. Sprechen sie mit ihrem Arzt/ Ärztin, mit anderen Betroffenen und ihnen nahestehenden Personen und geben sie ihrem Körper die Chance und Zeit, zu regenerieren. Verzweifeln sie nicht – alles braucht seine Zeit.

Inkontinenzhilfsmittel

Trotz mittlerweile zahlreicher Therapiemöglichkeiten bleiben manche Patienten inkontinent. Um hygienischen Ansprüchen Rechnung zu tragen und den Betroffenen weiterhin ein normales gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, gibt es ein vielfältiges Angebot an flüssigkeitsaufsaugenden Windeln, Vorlagen, Kondom-Urinale, Urinbeutel sowie Vaginaltampons zur Unterstützung der Beckenbodenmuskulatur. Erkundigen sie sich bei ihrem Arzt/ Ärztin nach dem für sie am besten geeigneten Hilfsmittel.

(Bilder: Pixabay.com)

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