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Krebshilfe: 5-Punkte-Programm für ein „Gesünderes Österreich“

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Jährlich erkranken lt. Statistik Austria in Österreich etwa 40.000 Menschen an Krebs, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Für beide Geschlechter stellen bösartige Tumorerkrankungen allerdings – nach den Herz-Kreislauferkrankungen – die zweithäufigste Todesursache dar. Angesichts der Tatsache, dass diese Erkrankungen überwiegend im höheren Alter auftreten, wird wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung die Bedeutung der Krebserkrankungen bei der Beschreibung des Gesundheitszustandes und bei der Planung der Gesundheitsversorgung auch in Zukunft weiter zunehmen.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsachen präsentiert Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda ein 5-Punkte-Programm für ein „Gesünderes Österreich“. Ziel des Programms: Ein organisiertes Screening für die häufigsten Krebserkrankungen für die auch eine entsprechende Früherkennungsmethode verfügbar ist. Durch diese Früherkennung soll letztlich auch die Sterblichkeit dieser Krebserkrankung gesenkt werden. Denn je früher man eine Krebserkrankung diagnostiziert, desto besser sind die Heilungschancen.

Portrait Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der Krebshilfe Österreich.
(c) Krebshilfe/ Peter Altmann
Dr. Sevelda präsentiert ein 5-Punkte Programm für ein „Gesünderes Österreich“.

Brustkrebsfrüherkennungsprogramm

Seit 2014 gibt es in Österreich ein organisiertes Brustkrebsfrüherkennungsprogramm. Dazu erhält jede Frau in Österreich zwischen dem 45. und 69. Geburtstag eine Einladung zur Durchführung einer Mammographie und bei dichter Brust auch einer zusätzlichen Ultraschalluntersuchung der Brust. Es gibt ab dem 40. und 70. Geburtstag durch ein Opt in ebenfalls die Möglichkeit, am kostenlosen Früherkennungsprogramm teilzunehmen.

Die derzeitige Erfassung liegt bei etwas unter 50 Prozent, Ziel wäre es, zumindest 70 Prozent der Frauen zu erreichen.

Neben der Früherkennung kommen vor allem der Qualitätssicherung und Evaluation besondere Bedeutung zu. So konnte im Zuge des Projektes eine hohe Qualität im diagnostischen Bereich flächendeckend in Österreich erzielt werden, da nur jene Röntgeninstitute als Diagnoseeinheiten zugelassen wurden, die die entsprechenden technischen, personellen und qualitativen Voraussetzungen erfüllt haben.

Für die Qualität der klinisch medizinischen Versorgung fehlen noch die Daten, die in den kommenden Monaten erarbeitet werden.

Dickdarmkrebsfrüherkennungsprogramm

Mit 4.517 Krebserkrankungen des Dickdarms ist diese Erkrankung an 4. Stelle der Krebserkrankungen. Dickdarmkrebs entwickelt sich aus Polypen und Adenomen des Dickdarms über einen längeren Zeitraum. Durch die Entfernung dieser Adenome kann man die Entstehung von Dickdarmkrebs verhindern. Es wird daher ab dem 50. Lebensjahr eine Dickdarmspiegelung des gesamten Dickdarmes als wirksame Früherkennungsuntersuchung gefordert. Allfällig zu sehende Polypen oder Adenome können dabei entfernt und histologisch untersucht werden.

In Österreich haben wir ein opportunistisches Screening und die Teilnahmerate liegt daher je nach Bundesland zwischen 15 und 34 Prozent. Gefordert wird derzeit im Screening die Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr bei unauffälligem Befund mit Wiederholung in zehn Jahren. Bei etwas weniger als 50 Prozent der Darmspiegelungen wird ein Polyp entfernt und bei ca. 25 Prozent ein Adenom. Dadurch konnten in den vergangenen 12 Jahren mehr als 10.000 neue Dickdarmkrebsfälle verhindert werden.

Gefordert und wünschenswert wäre ein organisiertes Dickdarmfrüherkennungsprogramm in Österreich zu etablieren ähnlich dem Brustkrebsfrüherkennungsprogramm.

Gebärmutterhalsfrüherkennung

Die erste Früherkennungsuntersuchung durch den PAP Abstrich bei Frauen gibt es seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Um die Jahrhundertwende [1900] war Gebärmutterhalskrebs noch die häufigste Krebserkrankung der Frau. Durch den jährlichen Krebsabstrich ist es gelungen, diese Zahl dramatisch zu senken. Heute erkranken etwa 450 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs. Zirka 150 Frauen davon sterben jährlich daran.

Heute könnte diese Krebserkrankung durch die HPV Impfung überhaupt in ihrer Entstehung verhindert werden. Gebärmutterhalskrebs wird nahezu ausschließlich durch HPV Viren verursacht. Dagegen gibt es seit ca. 15 Jahren die HPV Impfung, die auch in Österreich im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfprogrammes zwischen dem 9. und 12. Geburtstag kostenlos angeboten wird. Bedauerlicherweise ist die Durchimpfungsrate unbekannt, weil eine zentrale Datenerfassung im Rahmen des Programmes verabsäumt wurde. Aber aus Umfragen muss man davon ausgehen, dass weniger als 50 Prozent unserer Kinder diese höchst wirksame Impfung erhalten.

Hier ist die Politik im Besonderen gefordert, dass diese Impfung gegen Krebs möglichst flächendeckend unseren Kindern in der 4. Klasse Volksschule gegeben wird. Damit könnten Krebserkrankungen des Genitale bei der Frau, aber auch beim Mann das Penis- und Analkarzinom, verhindert werden, sowie ein großer Teil der Karzinomerkrankungen im HNO Bereich. Es sind die rechtlichen Voraussetzungen mit den Durchführungsbestimmungen geschaffen worden, sodass die Schulärztinnen und Schulärzte diese Impfung bedenkenlos propagieren und durchführen könnten.

Prostatakrebsfrüherkennung

Gemeinsam mit der Gesellschaft für Urologie und dem Berufsverband der Urologen hat die Österreichische Krebshilfe die Aktion „Loose Tie“ ins Leben gerufen, um Männer auf die Wichtigkeit der Früherkennungsuntersuchung bei Prostatakrebs hinzuweisen. Die Krebserkrankung ist mittlerweile die häufigste Krebserkrankung mit mehr als 5.500 Ersterkrankungen pro Jahr.

Es ist vor allem eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Durch den PSA Bluttest und die Untersuchung durch den Urologen kann Prostatakrebs früh erkannt und entsprechend der Biologie dann auch individueller behandelt werden. Dabei reichen die Möglichkeiten von der Operation, Bestrahlung, medikamentöser Therapie, bis hin zu einer einfachen Beobachtung der Erkrankung. Empfohlen wird eine Untersuchung beim Urologen ab dem 45. Lebensjahr.

Ein blaues Band auf einem weißen Hemd als Zeichen für Prostatakrebs.
(c) Pixaba.com
Das blaue Band – analog zur roten Aids-Schleife – als Zeichen für Prostatakrebs.

„Gesünderes Österreich“

Die Lebenserwartung in Österreich ist besser als im EU Durchschnitt und liegt bei Männern bei knapp 80 Jahren und bei Frauen bei 84 Jahren. Allerdings ist die Anzahl an gesunden Lebensjahren wesentlich geringer als zum Beispiel in den Skandinavischen Ländern. In Österreich ist im Schnitt jeder 20 Jahre lang krank, in den Skandinavischen Ländern sind es lediglich zehn Jahre. Die Ursachen dafür liegen vor allem im ungesunden Lebensstil und hier ist an erster Stelle die Bewegungsarmut mit der Folge der Fettleibigkeit zu nennen.

Weiters sind auch das Rauchverhalten der Österreicherinnen und Österreicher ein ganz entscheidender Punkt für diese alarmierende Statistik. „Wir hoffen, durch das Nichtraucherschutzgesetz und das Rauchverbot in der Gastronomie einen wichtigen Schritt in die Richtung eines möglichst rauchfreien Österreichs gesetzt zu haben. Vor allem in der Preispolitik der Zigaretten wären weitere Schritte erforderlich, um vor allem die Jugend vom Einstieg in die Raucherkarriere abzuhalten. Natürlich sind auch zusätzliche Entwöhnungsprogramme sinnvoll, um Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, entsprechende Hilfestellungen zukommen zu lassen“, so Dr. Sevelda.

Auch der übermäßige Alkoholkonsum stellt ein Problem dar, dem sich die Politik ebenfalls widmen sollte. Eine sehr wirksame Maßnahme war beispielsweise das Alkoholverbot für Führerschein-Neulinge. Man könnte sich durchaus vorstellen, diesen Zeitraum von derzeit zwei Jahren auf fünf Jahre auszuweiten.

Gesundheit als gesellschaftspolitisches Anliegen

Ähnlich wie heute der Klimaschutz ein nationales und internationales Anliegen der Menschen geworden ist, sollte auch die Erhaltung unserer Gesundheit ein Anliegen aller Menschen in diesem Lande sein!

Die Politik ist aufgefordert, alle Maßnahmen auch unter diesem Aspekt zu beleuchten und vor allem Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Gesundheit des Einzelnen fördern – wie zum Beispiel die Früherkennungsuntersuchungen und noch wirksamer die Präventionsmaßnahmen wie Impfungen, Nikotinabstinenz, regelmäßige Bewegung und Vermeidung von Fettleibigkeit sowie maßvoller Alkoholkonsum.

#BewegungISTGesund

(Bilder (v.o.n.u.): Pixabay.com, Krebshilfe/ Peter Altmann, Pixabay.com)

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