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Migräne – wie „richtige“ gesunde Ernährung zur Prophylaxe beiträgt

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Migräne und Essen – als Prophylaxe – hängen eng zusammen: Spezielle Diäten, Gewichtsreduktion und das Vermeiden bestimmter Lebensmittel können die Anzahl und Heftigkeit von Migräne-Attacken reduzieren – das zeigt eine neue Studie, die den den aktuellen Wissensstand zum Thema Ernährung und Kopfschmerz zusammenfasst.

Migräne – oft unbehandelte Volkskrankheit

Laut aktuellen Zahlen leidet jeder zehnte Erwachsene in Österreich an Migräne – allerdings haben zwei von drei Betroffenen deswegen noch nie ärztlichen Rat gesucht. Und das, obwohl Migräne zu den Top 10 der Erkrankungen in Bezug auf eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität zählt. Immerhin beeinflusst Migräne das Leben der Patientinnen und Patienten im Durchschnitt fast 10 Tage im Monat negativ!

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die pathologischen Mechanismen von Migräne eng mit der Ernährung zusammenhängen. Umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass u.a. die Erweiterung von Blutgefäßen und die damit verbundene Aktivierung der Schmerz- und Dehnungsrezeptoren des Nervus trigeminus eine Rolle bei der Entstehung von Migränekopfschmerz spielen. Ob und wie spezielle Diäten diese Mechanismen beeinflussen und somit zur Migräneprophylaxe beitragen können, ist daher eine Fragestelle, zu der zunehmend geforscht wird.

„Leider ist die Zahl der Studien zur Rolle von Ernährung bei Kopfschmerzen und Migräne noch relativ gering. Wir haben in unserem Review alle vorhandenen Evidenzen zusammengefasst und analysiert“, berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl, Vizepräsident der European Headache Federation.

Stichwort Prophylaxe: Eine Frau, die sich vor Schmerzen das Gesicht hält; über ihrem Kopf zwei Hände, die nach diesem greifen. (c) Pixabay.com
„Auch wenn noch vieles genauer erforscht werden muss, lassen sich von der Studie doch einige vielversprechende Prophylaxe-Ansätze ableiten“, so Prof. Lampl. 

Auf bestimmte Lebensmittel verzichten

Bei manchen Migränepatient*innen setzen die Kopfschmerzattacken nach dem Konsum bestimmter Lebensmittel ein, zum Beispiel Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte, Alkohol, Kaffee, Tomaten, Kohlehydrate, gesäuerte Lebensmittel oder Rotwein. „Für die Migräneprophylaxe sollten diese individuellen Trigger identifiziert und vom Speiseplan gestrichen werden“, rät Prof. Lampl.

Kohlehydrate sparen

Nach gegenwärtigem Wissensstand können die ketogene Diät und die modifizierte Atkins Diät zur Migräneprophylaxe beitragen: Bei diesen Ernährungsweisen werden Kohlehydrate gespart und dafür vermehrt protein- und fettreiche Lebensmittel gegessen. Diese Diäten kompensieren die serotonerge Dysfunktion, senken das Level der Calcitonin Gene-Related Peptiden [CGRP] und unterdrücken die Neuroinflammation – also einer Entzündung des Nervengewebes des Gehirns.

Auch die Glyx-Diät dürfte ein vielversprechender Ansatz zur Prophylaxe von Migränekopfschmerz sein, da sie Entzündungen reduziert. Die Ernährung basiert bei dieser Diät auf Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index wie Fleisch, Fisch sowie hochwertigen Fetten. Kohlehydrate werden hingegen reduziert, auf Zuckerhaltiges wird weitgehend verzichtet. „Wir brauchen allerdings noch mehr Studien, um die genaue Wirkung der Glyx-Diät bei Migräne zu verstehen“, erklärt Prof. Lampl.

Gewichtsreduktion auch als Migräneprophylaxe

Kopfschmerz und Migräne sind mit Mechanismen wie Entzündung und irregulärer Funktion des Hypothalamus verbunden. Genauso wie auch Adipositas. Eine Gewichtsreduktion kann daher auch mit einer Verbesserung des Migränekopfschmerzes einhergehen.

Ein Mann mit einer Körperwaage unter dem Arm, der seinen Bauchumfang misst. (c) Pixabay.com
Gewichtsreduktion ist generell gut für das körperliche Wohlbefinden und kann auch mit einer Verbesserung des Migränekopfschmerzes einhergehen.

Die richtigen Fette zu sich nehmen

Bei der Ernährung eine Balance zwischen essentiellen Fettsäuren, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren zu schaffen, ist eine andere wichtige Maßnahme zur Migräneprophylaxe. Studien zufolge verbessern sich die Kopfschmerzen jener Patientinnen und Patienten in höherem Ausmaß, die mehr Omega-3- und weniger Omega-6-Fettsäuren zu sich nehmen – im Vergleich zu Patient*innen, deren Diät aus der Reduktion von Omega-6-Fettsäuren alleine bestand.

Omega-6-Fettsäuren sind beispielsweise in Distel- oder Sonnenblumenöl enthalten und werden vom Körper sehr gut gespeichert. Omega-3-Säuren kommen beispielsweise in Lein-, Leindotter- oder Walnussöl oder in fetten Fischen wie Aal, Karpfen oder Lachs vor. „Jede Diät, bei der die Aufnahme von Fetten zur Regulierung von Plasma-freien Fettsäuren und des Plasma-Lipid-Profils und somit in der Folge zur Reduktion der Blutplättchenaggregation führt, scheint die Häufigkeit und Dauer von Migränekopfschmerz zu vermindern„, so Prof. Lampl.

Zusammengefasst können Diäten als eine wirksame Strategie der Kopfschmerz- und Migräne-Prophylaxe angesehen werden – seien es Diäten zum Gewichtsverlust bei adipösen Patienten, ketogene und Niedrigkalorien-Diäten sowie die Reduktion von Omega 6- und die Steigerung von Omega-3 Fettsäuren.

Quelle

Razeghi Jahromi S, Ghorbani Z, Martelletti P, Lampl C, Togha M; School of Advanced Studies of the European Headache Federation [EHF-SAS]: Association of diet and headache. J Headache Pain. 2019 Nov 14;20(1):106. doi: 10.1186/s10194-019-1057-1.

(Bilder: Pixabay.com)

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