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Einmal [wirklich] Neues wagen und die Erwachsenenbildung stärken

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Digitalisierung, Integration, Fachkräftemangel, Arbeitslosigkeit, Demokratieverständnis − überall wird Bildung als ein probates Mittel zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen gesehen. „Allerdings wird dabei zumeist ausgeblendet, dass sich in erster Linie die Erwachsenenbildung dieser Herausforderungen annimmt“, stellt Michael Sturm, Vorsitzender der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ), fest. „Denn die Erwachsenenbildung richtet ihre Angebote an Menschen in allen Lebensphasen, nicht nur in der Erstausbildung.“

Aufwertung der Erwachsenenbildung

„Damit wir die wachsende Menge an Aufgaben in hoher Qualität weiterhin kostengünstig erfüllen können, fordern wir eine bessere Verankerung und Aufwertung der Erwachsenenbildung im österreichischen Bildungssystem“, appelliert Sturm an die [künftige] Bundesregierung – übrigens eine Forderung, der wir uns inhaltlich voll anschließen!

Die KEBÖ-Verbände* sind seit vielen Jahrzehnten erfolgreich in der Erwachsenen­bildung aktiv. Sie erbringen österreichweit, autonom und nicht gewinnorientiert konti­nuierliche und verlässliche Bildungsarbeit. Die Stärken der KEBÖ liegen vor allem darin,

  • flächendeckende, kostengünstige und für alle zugängliche Bildungsveranstaltungen anzubieten,

  • Menschen bei ihren Interessen in allen Lebensphasen und allen Lebenslagen abzuholen,

  • ein erwachsenengerechtes Umfeld für gemeinsames Lernen zu schaffen und

  • didaktische Innovationen und Best Practices voranzutreiben.
Eine Frau mit Brille hält ein dickes Buch, in dem sie liest. (c) Pixabay.com
Erwachsenenbildung ist ein probates Mittel, um die Herausforderungen von Digitalisierung, Integration, Fachkräftemangel, Arbeitslosigkeit, Demokratieverständnis, etc. zu meistern.

Klares Bekenntnis zur Erwachsenenbildung

Während in Österreich die öffentlichen Bildungsausgaben gemessen am Anteil am heimischen BIP annähernd dem OECD-Ländermittel entsprechen, ist die Erwachsenenbildung seit Jahren chronisch unterdotiert. Nur 40 Mio. Euro bzw. 0,45 Prozent von den in Summe 8,84 Mrd. Euro Bildungsausgaben des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung werden zur Zeit für die Erwachsenenbildung aufgewendet.

„Das ist geradezu beschämend„, findet Sturm für die derzeitige finanzielle Situation klare Worte, „denn wir erreichen mit unseren Angeboten von der Basisbildung bis zu höheren beruflichen Qualifizierungen rund 4,2 Mio. Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Jahr. Und damit tragen wir ganz wesentlich zur persönlichen und beruflichen Entwicklung der Menschen und zum Wohle unserer Gesellschaft bei.“

Angesichts dieser Diskrepanz braucht es endlich das klare Bekenntnis des Bundes zur Erwachsenenbildung als unverzichtbarem und gleichwertigem Bestandteil des österreichischen Bildungssystems. Und es braucht auch die Bereitschaft, die gesamtösterreichische Erwachsenenbildung bei der Erbringung ihrer Leistungen und bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Um qualitativ hochwertige und praxisorientierte Bildungsangebote langfristig zur Verfügung stellen zu können, sind aus Sicht der KEBÖ folgende Bedingungen zwingend notwendig:

  • die gesetzliche Festschreibung der Bundeskompetenz für die Erwachsenenbildung,

  • die Zuständigkeit des Bildungsministeriums für das lebensbegleitende Lernen,

  • die Anhebung der Bundesmittel für die Erwachsenenbildung auf zumindest ein Prozent des Bildungsbudgets,

  • der Abschluss längerfristiger Leistungsvereinbarungen mit einer jährlichen Valorisierung,

  • die Sicherstellung der nationalen Finanzierung für Bildungsmaßnahmen als Voraussetzung für die Inanspruchnahme europäischer Fördermittel sowie

  • verwaltungstechnisch praktikable abgabenrechtliche Rahmenbedingungen für die überwiegend nebenberuflich Lehrenden in der Erwachsenenbildung.

Die KEBÖ ist der festen Überzeugung, dass es für die raschen Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft eine vielfältige, flexible und offene Erwachsenenbildung braucht. Und zwar, um auf der einen Seite ein lebensbegleitendes Lernen zu ermöglichen. Und auf der anderen Seite, um die hohe Qualität der Angebote auch weiterhin sicherzustellen. Es gilt, diese Vielfalt, Innovationsfähigkeit und Umsetzungsstärke konsequent weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer durch exzellentes didaktisches Know-how bestmöglich zu gestalten.

Daher fordert der KEBÖ von der [nächsten] Bundesregierung, Bildung breiter und nachhaltiger als bisher zu denken, einmal wirklich Neues zu wagen und die Erwachsenenbildung zu stärken – damit diese auch weiterhin voll im Trend bleibt.

Hörsaal einer Universität, Stichwort Erwachsenenbildung. (c) Pixabay.com
Aktiv und zufrieden altern heißt (auch), sich (ständig) weiterzubilden – oder anders formuliert: „Man lernt nie aus“.

*Die KEBÖ-Verbände

Die KEBÖ ist die Arbeitsplattform der im Bundesgesetz vom 21. März 1973 über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln anerkannten gemeinnützigen österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Sie besteht aus folgenden Einrichtungen:

Arbeitsgemeinschaft Bildungshäuser Österreich − ARGE BHÖ
Berufsförderungsinstitut Österreich − BFI
Büchereiverband Österreichs − BVÖ
Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich − FORUM
Ländliches Fortbildungsinstitut − LFI
Ring Österreichischer Bildungswerke − RÖBW
Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich − VG-Ö
Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung − VÖGB
Verband Österreichischer Volkshochschulen − VÖV
Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Österreich − WIFI

Ein paar [beeindruckende] Zahlen aus der Statistik der KEBÖ aus dem Arbeitsjahr 2018:

  • 5,6 Mio. Unterrichtseinheiten/ Jahr
  • 4,2 Mio. Teilnahmen/ Jahr
  • 794.153 Benutzer/ innen öffentlicher Bibliotheken
  • 233.677 Veranstaltungen/ Jahr
  • 55.016 nebenberuflich Lehrende
  • 25.222 ehrenamtliche Mitarbeiter/ innen
  • 6.484 Angestellte
  • 6.190 Standorte

(Bilder: Pixabay.com)

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