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Pflegende Angehörige benötigen dringend bessere Unterstützung

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Anlässlich des „Tages der pflegenden Angehörigen“ am 13. September fordern das Hilfswerk Kärnten und die Volkshilfe Steiermark unisono mehr und bessere Unterstützung für pflegende Angehörige. Gerade mit Blick auf die demographische Entwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten braucht es hier dringend mehr Unterstützungsleistungen – Forderungen, denen wir uns voll inhaltlich anschließen!

Pflegende Angehörige – der größte Pflegedienst des Landes

Elisabeth Scheucher-Pichler, Präsidentin des Hilfswerks Kärnten, und Barbara Gross, Volkshilfe Steiermark Präsidentin, sind sich einig: die politischen Entscheidungsträgern müssen raschest neue Modelle und ein umfassendes Gesamtkonzept erarbeiten und umsetzen, damit jeder die Sicherheit hat, sich in Zukunft Pflege zu Hause leisten zu können. Denn die aktuelle Versorgungslandschaft in Österreich zeigt, dass 84 % der pflegebedürftigen Menschen zu Hause betreut werden. Davon 46 % ausschließlich durch Angehörige, 31 % durch mobile Dienste, 5 % durch eine 24-Stunden-Betreuung und 2 % durch teilstationäre Einrichtungen. 16 % werden stationär in Pflegeheimen versorgt.

„Wir brauchen [daher]dringend mehr Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige, die ihnen die Betreuung und Pflege ermöglichen, ohne sie zu überfordern, krank zu machen oder vor allem Frauen gar in die Altersarmut zu führen“, fordert Barbara Gross. „Angehörige sind der größte Pflegedienst des Landes – viele davon werden von ausgebildeten MitarbeiterInnen der Volkshilfe dabei begleitet“, so Gross weiter, „es ist der Auftrag der Politik, diese Menschen bestmöglich zu unterstützen und zu entlasten.“

„Die mobile Pflege ermöglicht nicht nur, dem Wunsch von über 80 Prozent der Menschen entsprechend, in den eigenen vier Wänden alt werden zu können, sondern bedeutet auch für pflegende Angehörige eine enorme Entlastung. Vor allem für Frauen, die nach wie vor zum überwiegenden Teil die Angehörigen pflegen“, erklärt Scheucher-Pichler. „Die pflegenden Angehörigen“, so die Präsidentin weiter „leisten einen enormen Beitrag in unserer Gesellschaft und daher müssen wir diese dementsprechend unterstützen. Es kann nicht sein, dass jene, die für unser Gesundheits- und Sozialsystem einen so großartigen Beitrag leisten, selbst zu Leidtragenden werden.“ So sei die Zahl derer, die durch die große körperliche und seelische Belastung selbst erkranken sehr hoch.

Die Füße eines Mannes in einem Rollstuhl, daneben geht eine Frau, Stichwort pflegende Angehörige. c) Pixabay.com
Pflegebedürftige Angehörige werden nach wie vor zum Großteil zu Hause von Frauen gepflegt – ein Umstand, der die pflegenden oft selbst krank macht. Daher braucht es dringend eine bessere Unterstützung für pflegende Angehörige!

Was brauchen die Menschen?

Nicht zuletzt auf Grund ihrer Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit den pflegenden Angehörigen fordern die beiden Hilfsorganisationen:

  • Pflegegeldanspruch schon ab 50 Stunden Pflegebedarf pro Monat (Stichwort: Pflegestufe 1 und 2)

  • bedarfsgerechter Anspruch auf mobile Pflege

  • höhere Förderung von mobiler Psychotherapie, mobiler Physiotherapie und mobiler Ergotherapie für Angehörige

  • Entlastung pflegender Angehöriger durch geförderte mobile Kinderbetreuung

  • Flächendeckende, kostenlose Coaching- und Beratungsangebote für pflegebedürftige Menschen sowie deren Angehörige im Rahmen der Mobilen Dienste

  • Ausbau von leistbaren mobilen, niederschwelligen Tagesangeboten und stationären Pflege- und Betreuungsangeboten, vor allem in den ländlichen Regionen

  • Weiterer Ausbau von neuen Wohnformen wie etwas betreutes Wohnen, betreubares Wohnen und Mehrgenerationen-Wohnhäuser.

  • Ausbau von stundenweisen Betreuungsangeboten inkl. Nachmittags- und Abend- sowie Wochenendbetreuungen

  • Ausbau der Hospiz- und Palliativ Care Leistungen, auch mobil: auch in der letzten Lebensphase hat jeder Mensch ein Recht darauf, nicht alleine gelassen zu werden, schmerzfrei zu sein und auf einen Abschied in Würde.

„Ohne einer entsprechenden finanziellen und sozialen Absicherung steuern die pflegenden Angehörigen direkt der Altersarmut entgegen. Die vergangene Regierung war auf einem guten Weg ein umfassendes Pflegekonzept zu erarbeiten, das in den letzten Monaten aber leider ins Stocken geraten ist. Das schafft bei den Menschen große Verunsicherung und Angst, weil sie befürchten, sich in Zukunft die gewünschte Pflege zu Hause nicht leisten zu können. Deshalb fordere ich jetzt schon die zukünftige Regierung auf, das ‚Recht auf Pflege’ verfassungsrechtlich abzusichern, um den Menschen Sicherheit zu geben!“ so die Hilfswerk Kärnten Präsidentin.

Best practice – so unterstützt die Volkshilfe Steiermark Angehörige

Pflegestammtische
In steirischen Bezirken finden regelmäßige „Stammtische für pflegende Angehörige“ statt. Das sind von Profis geleitete Treffen oder Gesprächskreise für Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, gepflegt haben oder pflegen werden. Bei den Pflegestammtischen erhalten pflegende Angehörige Service, Hilfe und praktische Unterstützung zu Themenbereichen wie Pflegegeld, Heilbehelfe, Hilfsdienste, Kontakte zu Fachleuten, Informationen über spezielle Erkrankungen u.v.m.

Beratungsstellen
Die Volkshilfe hat in jedem ihrer Sozialzentren in den steirischen Bezirken ExpertInnen, die sich auf die Pflegethemen Inkontinenz, Dekubitus, Demenz und ethische Fragen spezialisiert haben und Angehörigen mit ihrem Fachwissen zur Seite stehen.

Mobile Pflege- und Betreuungsdienste
Pflegefachpersonal und Heimhilfen, AlltagsbegleiterInnen, Essenszustellung, Tageszentren und Pflegeheime runden das Angebot ab.

In diesem Sinn möchten wir auch hier an dieser Stelle darauf hinweisen, ihre/ n PflegerIn mit Herz 2019 zu nominieren!

(Bilder: Pixabay.com)

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