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Pflegevorsorgebericht 2018: größter Pflegedienst sind Angehörige

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Pflege geht uns alle an!“ weist Sozialministerin Brigitte Zarfl anlässlich der Veröffentlichung des Pflegevorsorgeberichts 2018 auf den hohen gesellschaftlichen Stellenwert der Pflege hin. Bund und Länder erstellen im Arbeitskreis Pflegevorsorge jährlich einen Bericht zur Pflegevorsorge, der nun vorliegt. Die nun präsentierten Zahlen zeigen eindeutig: Betreuende Angehörige sind nicht nur der „größte Pflegedienst“ Österreichs, sondern auch eine der tragenden Säulen unseres Pflegevorsorgesystems.

Drei von vier pflegebedürftige Menschen werden zu Hause gepflegt – meist von Frauen

„Rund drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause – teils mit Unterstützung durch soziale Dienste – mit viel Engagement von ihren Angehörigen gepflegt und versorgt“, so die Sozialministerin. Die Pflege durch Angehörige ist nach wie vor „weiblich“. Der Anteil der Frauen beträgt in der häuslichen Pflege 73 Prozent, in der stationären Langzeitpflege 63 Prozent. Das Durchschnittsalter der pflegenden Angehörigen liegt bei knapp über 60 Jahren.

Bei Personen in stationärer Langzeitpflege sind 40 Prozent der Angehörigen erwerbstätig. Bei Personen, die zu Hause gepflegt werden, sind es etwas mehr als 30 Prozent. Von den nicht Vollzeit erwerbstätigen Angehörigen gaben im Falle einer Pflege zu Hause 28 Prozent an, eine Berufstätigkeit wegen der Pflege bzw. Betreuung aufgegeben bzw. zumindest eingeschränkt zu haben.

„Pflege hat viele Facetten – es ist eine sehr sinnstiftende Tätigkeit, die hohe menschliche Kompetenz erfordert. Sie ist aber auch eine enorme Herausforderung, die oftmals mit großen psychischen Belastungen verbunden ist.

Das Belastungsempfinden von pflegenden Angehörigen ist hoch

Die generelle Einschätzung der durch die Pflege bzw. Betreuung hervorgerufenen Belastung bei der Pflege von Angehörigen in den eigenen vier Wänden spricht eine eindeutige Sprache: 21 Prozent der pflegenden Angehörigen geben an, insgesamt „sehr stark“ belastet zu sein, und weitere 27 Prozent fühlen sich „stark“ belastet. Im stationären Bereich empfinden sechs Prozent der pflegenden Angehörigen eine „sehr starke“ Belastung, weitere 15 Prozent eine „starke“ und 33 Prozent eine „mittlere“ Belastung.

Besonders kräftezehrend ist die Pflege und Betreuung von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen“, so die Sozialministerin.

Auf Basis der aktuellen Studie ist davon auszugehen, dass in Österreich über 800.000 Personen zu Hause und fast 150.000 Menschen im Bereich der stationären Langzeitpflege informell in die Pflege und Betreuung einer pflegebedürftigen Person involviert sind. Dies schließt die „Hauptpflegeperson“ aber auch Personen aus deren privatem Umfeld mit ein, die ebenfalls Verantwortung übernehmen. Diese knapp 950.000 Erwachsenen machen rund zehn Prozent der heimischen Bevölkerung aus!

Pflegevorsorgebericht 2018: Die Hand einer Frau, die eine Glaskugel hält, in der sich die Gesichter alter Menschen spiegeln. (c) Pixabay.com
Quo vadis, Pflege? Der aktuelle Pflegevorsorgebericht macht einem mehr deutlich, dass jede/ jeder 10. in Österreich in die Pflege von Angehörigen eingebunden ist.

Demenz spielt die größte Rolle

In der stationären Langzeitpflege spielt Demenz mit 43 Prozent die größte Rolle. Mit der Entwicklung der österreichischen DemenzstrategieGut leben mit Demenz“ im Jahr 2015 wurde daher der Grundstein für einen Orientierungsrahmen gelegt, Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen und ihre Angehörigen bestmöglich zu unterstützen.

Der Österreichische Pflegevorsorgebericht 2018 beleuchtet die folgenden fünf Hauptthemen:

  • Allgemeiner Teil
    aktuelle Entwicklungen und neue Auswertungsergebnisse

  • Qualitätsteil
    Überblick über qualitätssichernde Maßnahmen

  • Demenz
    Umsetzung der Demenzstrategie sowie Demenzprojekte der Bundesländer

  • Geldleistungsteil
    Daten über Bezieherinnen und Bezieher von Pflegegeld und Pflegekarenzgeld sowie den finanziellen Aufwand

  • Soziale Dienstleistungen
    beinhaltet Auswertungen aus der Pflegedienstleistungsstatistik

Wichtige Planungsreferenz für die Entwicklung der Pflege

Um die Situation der Betroffenen zu verbessern, werden seit Jahren im Auftrag des Sozialministeriums Hausbesuche zur Qualitätssicherung durchgeführt. Seit diesem Herbst gibt es nun auch das Österreichische Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen in der 24-Stunden-Betreuung.

„Mit dem aktuellen Pflegevorsorgebericht 2018 steht eine weitere wichtige Planungsreferenz für die Pflegeentwicklung zur Verfügung. Insgesamt ist die Weiterentwicklung der Pflegevorsorge, angesichts der demografischen Entwicklung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Die Pflege und Betreuung älterer Menschen sowie die Situation der pflegenden Angehörigen ist [zu Recht]eines der zentralen Themen in der österreichischen Sozialpolitik,“ so Bundesministerin Zarfl.

Trotz aller Bemühungen und Verbesserungen, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden, bedarf es aber nach wie vor [zeitgemäßer] Adaptierungen bisheriger Maßnahmen. Dies gilt vor allem für folgende Aspekte:

  • Angehörige als zentrale Gruppe wahrnehmen, wertschätzen und stärken

  • Angebotsvielfalt flexibel, kurzfristig und stundenweise abrufen können

  • Informationen und Beratung problemzentriert, zugehend und zum richtigen Zeitpunkt anbieten

  • Ressourcenorientiert beraten und begleiten

  • Demenz als zentrale Herausforderung und starke Belastung weiter im Blick haben

  • Situation pflegebedürftiger Kinder stärker berücksichtigen

  • Alternative Betreuungsformen ausbauen

  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter fördern

  • Valorisierung des Pflegegeldes und höhere Zuschüsse für vorhandene Dienste und Hilfsmittel

  • Rahmenbedingungen für geteilte und sichtbare Pflegeverantwortung schaffen

Service

Den österreichischen Pflegevorsorgebericht 2018 können sie HIER als Pdf Downloaden.

(Bilder: Pixabay.com)

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