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Prostatakrebs: Krebshilfe launcht Filme zur Patienten-Schulung

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Seit 2015 informieren Krebshilfe und Urologen mit ihrer „Loose Tie Aktion“ über Prostatakrebs-Früherkennung und Prostatakrebs. Im Ausnahmejahr 2020 mussten alle Aktionen dabei „ins Netz“ gelegt werden: „Zu unserem Früherkennungs-Schwerpunkt im April waren wir mitten im 1. Lockdown,“ erzählt Krebshilfe Präsident Univ. Prof. Paul Sevelda. „Und auch jetzt, bei unserem aktuellen Patienten-Schwerpunkt, befinden wir uns wieder im Lockdown.“

Die Zielgruppe Männer muss aber trotzdem erreicht werden. Daher werden alle Aktivitäten rund um die Männergesundheit online und auf sozialen Medien ausgespielt. Ziel der Kampagne ist es, das Bewusstsein für Prostatakrebs-Früherkennung und Prostatakrebs mit Hilfe einer eigenes konzipierten „Patientenschulung“ in Form von Informationsfilmen zu stärken.

Falsche Zurückhaltung bei den Männern

Männliche Patienten sind generell zurückhaltender als Frauen, wenn es darum geht, sich um ihre Gesundheit zu kümmern oder auch Unterstützungsangebote anzunehmen. Hilfe zu suchen bedeutet für manche Männer ein [falsches]Eingeständnis von Schwäche und oft gibt es den Anspruch, große Herausforderungen alleine tragen und lösen zu müssen. Für die Krebshilfe ist es daher nicht verwunderlich, dass von den jährlich rund 22.000 Beratungsgesprächen mit Patientinnen/ Patienten und Angehörigen nur rund ein Drittel mit Männern geführt wird.

Es kann jedoch sehr befreiend und entlastend sein, sich auszutauschen und gemeinsam mit einem Gegenüber, das nicht geschont werden muss, nach Lösungen zu suchen. Darüber hinaus ist auch die Informationsbeschaffung ein wichtiger Schritt im Umgang mit der Erkrankung.

„Wir wissen, dass Männer mit der Diagnose Krebs ganz anders umgehen, als Frauen. Wenn die Krebserkrankung die intimste Körperregion des Mannes betrifft, fällt der offene Umgang damit noch viel schwerer,“ erklärt Krebshilfe GF Martina Löwe die Beweggründe, dieses Projekt zu starten. „In kurzen Filmen informieren wir daher über alle Themen zum Prostatakrebs und sprechen dabei auch sensible Bereiche wie Inkontinenz und Impotenz als mögliche Nebenwirkungen an.“

Die Köpfe eines älteren Mannes und einer ältere Frau – Sujet der Kampagne "Patientenschulung Prostatakrebs".
(c) Adobe Stock Image/ Österreichische Krebshilfe
Mit der aktuellen Kampagne möchte die Österreichische Krebshilfe gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und dem Berufsverband der Österreichischen Urologen das Bewusstsein für Früherkennung und Therapie schärfen.

Informationsfilme zum Prostatakrebs

Die Patienten-Schulung „Prostatakrebs“ setzt sich aus mehreren Filmen zusammen, in denen die Diagnose-Verfahren, die gängigsten Therapie-Optionen, die Behandlung der möglichen Nebenwirkungen und die psychoonkologische Unterstützung von Fachleuten laiengerecht erklärt werden:

Teil 1 „Die Prostata“
Dr. Karl Dorfinger spricht über die Anatomie der Prostata, das Prostatakarzinom und die Diagnoseverfahren.

Teil 2 „Therapie-Möglichkeiten“
Prim. Dr. Anton Ponholzer spricht über die Behandlungsplanung, gibt einen Überblick über die einzelnen Therapiemöglichkeiten und erklärt Begriffe wie „active survelleince“ und „watchful waiting“. Prim. Dr. Wolfgang Loidl erklärt die Chemotherapie bei Prostatakrebs und wann es sinnvoll ist, diese einzusetzen.

Teil 3 „Nebenwirkungen“
Univ. Prof. Dr. Markus Margreiter spricht über die möglichen Nebenwirkungen Inkontinenz sowie Impotenz und wie diese behandelt werden.

Teil 4 „Psychoonkologie“
Mag. Karin Isak, Sprecherin der BeraterInnen der Österreichischen Krebshilfe Wien, erklärt, was Psychoonkologie kann und welches spezielle Angebot es für männliche Krebspatienten bei der Krebshilfe gibt.
Der ehemalige Krebspatient Alexander Greiner erzählt im letzten Film von seinem persönlichen Weg durch die Erkrankung und schildert gemeinsam mit dem Leiter der „Männergruppe“ der Krebshilfe Wien, Stefan Haslinger, welche Betreuung und Hilfe er bei der Krebshilfe erhalten hat.

„Wir freuen uns, den Patienten mit dieser Initiative eine echte Hilfe zur Verfügung stellen zu können,“ betonen Dr. Karl Dorfinger, Präsident des Berufsverbands Österreichs Urologen und Univ. Prof. Dr. Wolfgang Horninger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie. „So wollen wir in Zukunft mehr Männer erreichen und ihnen Mut machen, nicht alles Schwere alleine tragen zu müssen, sondern sich mit ihrem Urologen oder der Krebshilfe auszutauschen.“

Die Patienten-Schulung „Prostatakrebs“ steht ab sofort unter www.loosetie.atwww.krebshilfe.netwww.uro.at und 
www.urologisch.at kostenlos zum Anschauen bereit.

Prostatakarzinom: Protein µ-Crystallin CRYM hemmt das Tumorwachstum

Das Prostatakarzinom ist ein hormonell bedingter Tumor, der zumeist mit einer Antihormon-Behandlung therapiert wird. Doch nach einiger Zeit wird der Tumor hormonunabhängig, was zu Inkontinenz führt. Dies macht neue Therapieformen dringend notwendig. Ein Forschungsteam um Osman Aksoy, Jan Pencik, Olaf Merkel und Lukas Kenner vom klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien konnte nun in einer genetischen Analyse zahlreicher Gewebeproben zeigen, dass das Protein µ-Crystallin [CRYM] eine wesentliche Rolle beim Wachstum des Tumors spielt. Je mehr von diesem Protein vorhanden ist, desto besser ist die Prognose.

Das Prostatakarzinom ist die am häufigsten diagnostizierte Krebsform bei Männern und betrifft jährlich etwa 5.600 Männer in Österreich. Eine zentrale Behandlungsstrategie ist die Antihormontherapie, die jedoch nur für eine bestimmte Zeit wirksam ist. Man weiß schon seit längerem, dass das Schilddrüsenhormon T3 beim Entstehen des Prostatakarzinoms möglicherweise eine Rolle spielt, jedoch war bisher nicht geklärt, in welcher Weise.

Moleküle.
(c) Pixabay.com
Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass das Protein µ-Crystallin CRYM möglicherweise das Tumorwachstum hemmt. [Anmerkung: Symbolbild.]

Eiweismolekül als „Schlüssel zum Erfolg“?

Nun konnte ein Forschungsteam um Osman Aksoy, Jan Pencik, Olaf Merkel und Lukas Kenner vom klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien in einer internationalen Studie anhand der Analyse von Eiweißmolekülen in Gewebeschnitten und von genetischen Daten von hunderten Patienten mit Prostatakarzinom nachweisen, dass das CRYM Eiweißmolekül an das Hormon T3 bindet und dadurch das Tumorwachstum verhindert. Lukas Kenner, Studienleiter und Mitglied des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH Wien: „Unsere Arbeit zeigt also, dass CRYM ein zentraler Regulator im T3-Stoffwechsel und darüber hinaus eng an den Androgenstoffwechsel gekoppelt ist. Je weiter fortgeschritten die Erkrankung, desto weniger CRYM war im Tumor-Gewebe nachweisbar.“

Niedrige CRYM-Level sind mit einer schlechten Prognose assoziiert. CRYM blockiert darüber hinaus die Aufnahme von Cholin in die Zelle, das ein wesentlicher Bestandteil der Zellmembran ist. Da Tumoren eine rasche Zellteilung haben und viele neue Zellmembranen brauchen, kann CRYM das Tumorwachstum auf diese Weise zusätzlich blockieren.

CRYM wirkt demnach in doppelter Weise dem Prostatakarzinom-Wachstum entgegen und ist daher ein wesentlicher Anti-Tumor-Kontrollmechanismus, der neue therapeutische Chancen eröffnet. Das Fazit der Studie besagt, dass durch eine Aktivierung von CRYM das Tumorwachstum blockiert werden könnte. Die Studienergebnisse legen zudem nahe, dass sich die Interaktion zwischen Krebszellen und T3 auch bei anderen hormonell bedingten Krebsarten ähnlich verhalten könnte.

Service: Journal of Cancer

Sie können die Studie [in englischer Sprache]HIER nachlesen bzw. als Pdf downloaden:

„Thyroid and androgen receptor signaling are antagonized by CRYM in prostate cancer.“ Osman Aksoy, Jan Pencik, Markus Hartenbach, Ali A. Moazzami, Michaela Schlederer, Theresa Balber, Bismoy Mazumder, Jonathan B Whitchurch, Christopher J. Roberts, Martin Susani, Markus Mitterhauser, Rodrig Marculescu, Gero Kramer, Suzanne D. Turner, Sabrina Hartenbach, Simone Tangermann, Gerda Egger, Heidi A. Neubauer, Richard Moriggl, Zoran Culig, Gregor Hoermann, Marcus Hacker, David M. Heery, Olaf Merkel, Lukas Kenner.

(Bilder: Pixabay.com (2x), Adobe Stock Image/ Österreichische Krebshilfe)

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