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Bildung und Wissen wichtige Faktoren für die psychische Gesundheit

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Die psychische Gesundheit steht nicht zuletzt wegen der Covid-19-Pandemie, in deren Folge es vermehrt zu seelischen Belastungen, Aggressionen und Existenzängsten gekommen ist, im Fokus der Aufmerksamkeit. Anlässlich des „Welttags der mentalen Gesundheit“ am 10. Oktober 2020 – dieser wird seit dem Jahr 1992 begangen – betont der Allgemeinmediziner Wolfgang Spiegel vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien, dass die Bildung der Menschen über psychische Vorgänge und mögliche seelischer Belastungsfaktoren eine essentielle Ressource ist.

Das unterstreicht auch die Tatsache, dass in Österreich eine von fünf Personen im Laufe ihres/ seines Lebens von einer psychischen Erkrankung wie Depression betroffen ist. Gerade jetzt, in einer durch die Corona-Pandemie so herausfordernden Zeit, sind daher auch Angebote für die seelische Gesundheit wichtiger denn je.

Wissen über die psychische Gesundheit hilft

Bildung und Wissen hinsichtlich der psychischer Gesundheit [englischsprachig „Mental Health Literacy“]beinhaltet unter anderem auch, die eigene körperliche und seelische Belastbarkeit [Resilienz] einschätzen zu können. Und auch, mit seelischen Störungen im eigenen Umfeld umgehen zu können.

Bildung hinsichtlich mentaler Gesundheit hilft, sich und seine Nächsten besser zu schützen. Sie führt von der Selbstfürsorge über die richtige und kritische Einordnung von Informationen zu mentaler Gesundheit bis hin zur sinnvollen und zeitgerechten Kontaktnahme mit Einrichtungen des Gesundheitssystems.

Bei typischen Beschwerden wie Angstzuständen, Antriebsarmut, Freudlosigkeit und Niedergeschlagenheit sollte unbedingt rechtzeitig ärztliche Hilfe gesucht werden. „Die AllgemeinmedizinerInnen bzw. die HausärztInnen sind hier ein erster wichtiger und vor allem auch niederschwelliger Ansprechpartner. Sie diagnostizieren und behandeln häufige und typische Beschwerden und überweisen bei Bedarf die Patientinnen und Patienten zur psychiatrisch-fachärztlichen Abklärung bzw. Weiterbehandlung,“ erklärt Spiegel, der zu diesem Thema in der Festschrift der „World Federation for Mental Health“ [WFMH] zum Welttag der mentalen Gesundheit einen Beitrag verfasst und schon mehrere Projekte dazu an der MedUni Wien betreut hat.

Ein Mann, der beide Arme vor seinem Kopf hält, Stichwort psychische Gesundheit.
(c) Pixabay.com
Nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie hat mentale Probleme wie Angstzustände, Antriebsarmut, Freudlosigkeit oder Niedergeschlagenheit verstärkt. Wichtig dabei: nehmen sie diese nicht auf die leichte Schulter und suchen sie rechtzeitig Hilfe!

Wir sind auf einem guten Weg

In Österreich habe sich das Wissen in der Bevölkerung und der Zugang zu Informationen aus Sicht des Experten gut entwickelt. Investitionen in die Gesundheitskompetenz der Gesellschaft seien aber weiterhin dringend nötig. Entsprechende Bildungsprogramme bezüglich psychischer Gesundheit auf Bevölkerungsebene sollten von Fachleuten wissenschaftlich fundiert entwickelt und evaluiert werden.

„Neben der so essentiellen Bildung der Patientinnen und Patienten sind aber auch Investitionen des Gesundheitssystems in die fachliche Weiterentwicklung der Kompetenzen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte erforderlich. Durch gezielte Förderung ärztlicher Fortbildungen könnte die Gesundheitspolitik im Bereich häufige und typische psychiatrische Störungen noch mehr dazu beitragen, dass wichtige Kompetenzen in der primärärztlichen Versorgung zum Beispiel bei allen KassenärztInnen gleichermaßen gesichert sind.“

Mentale Probleme ernst nehmen und ganzheitlich betrachten

Seelischen Problemen bzw. Erkrankungen haftete lange Jahre ein Stigma an, was sich jedoch in den vergangenen 25 Jahren doch gebessert hat. Spiegel: „Die Patientinnen und Patienten sind heute viel eher bereit, dem Arzt bzw. der Ärztin gegenüber psychische Beschwerden direkt anzusprechen. Aber natürlich wissen die HausärztInnen, dass oft physische Beschwerden als Präsentiersymptome vorgeschoben werden, wenn seelischer Leidensdruck besteht.“

Neben den affektiven Störungen [Depressionen und Angststörungen] treten bei PatientInnen in der Allgemeinpraxis häufig unspezifische Beschwerden in wechselnder Kombination auf. Dazu gehören Schlafstörungen, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen und andere funktionelle Beschwerden, die nach Ausschluss von organischen Ursachen wie beispielsweise Hormonstörungen und in Abwesenheit einer psychiatrischen Störung als ‚medizinische unerklärte Symptome‚ oder auch als ‚Bodily Stress Disorder‘ eingeordnet werden.

„Es ist wichtig, den betroffenen PatientInnen zu erklären, dass es eben wechselnde, nicht-organische Beschwerden geben kann, die keine Krankheitswertigkeit im Sinne einer klassifizierbaren psychiatrischen Störung oder einer organischen Krankheit haben, die aus ärztlicher Sicht aber trotzdem als ‚real‘ gesehen werden – auch wenn sie vielfach einer Diagnostik und Therapie nur bedingt zugänglich sind“, meint Spiegel.

Die wissenschaftliche Allgemeinmedizin hat sechs „Kernkompetenzen“ definiert, von der eine die „personen-orientierte Herangehensweise“ ist und eine andere, die „holistische Modellbildung“, ein Begriff, der die Anwendung des „biopsychosozialen Modells“ meint. „Gemeint sind komplizierte theoretische Konstrukte, mit deren Hilfe die wissenschaftliche Allgemeinmedizin den Studierenden bzw. ÄrztInnen in Weiterbildung ärztliche Handlungstheorien vermittelt, um auch die seelische Seite des Menschen zu berücksichtigen. Diese Herangehensweise an den Menschen wird durch ärztliche Erfahrung integriert und muss auch weiterhin als ‚Heilkunst‘ bezeichnet werden“, meint Spiegel.

Ein Mann allein auf einer großen, langen Betonbank.
(c) Pixabay.com
Menschen mit mentalen Problemen fühlen sich oft alleine bzw. alleingelassen. Auch wenn es in derartigen Situationen nicht leicht fällt: suchen sie Hilfe und lassen sie sich helfen!

Welttag der seelischen Gesundheit

Der internationale Tag der seelischen Gesundheit [„World Mental Health Day„] findet jährlich am 10. Oktober statt. Der von der World Federation for Mental Health ins Leben gerufene Aktionstag verfolgt das Ziel, über psychische Erkrankungen aufzuklären und einer Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken.

An der MedUni Wien werden diese Ziele translational in vielen Bereichen unterstützt und fließen auch bereits ins Curriculum ein, werden wissenschaftlich begleitet und durch Forschungsergebnisse untermauert.

Service

Nehmen sie eine psychische Erkrankung wie eine Depression nicht auf die leichte Schulter. Je nach Schwere benötigen Betroffene professionelle Hilfe. Oft hilft es auch, mit anderen Betroffenen über ihre Erfahrungen zu reden. Diverse Selbsthilfegruppen zum Thema Depression finden sie HIER.

Angehörige psychisch Erkrankter finden HIER zahlreiche Informationen, die ihnen helfen, mit dieser Situation [besser] umzugehen.

Menschen, die an einer Depression leiden, finden HIER weitere Anlaufstellen und Hilfe.

(Bilder: Pixabay.com)

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