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Physio Austria: Schmerzfrei geht auch in [aktuell] bewegten Zeiten

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Viele Patientinnen und Patienten nehmen aus Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus [lieber]Schmerzen in Kauf, anstatt zur Therapie zu gehen und schmerzfrei zu bleiben bzw. zu werden.. Physio Austria, der Bundesverband der PhysiotherapeutInnen, hat in einer aktuellen Umfrage* erhoben, wie die Österreicherinnen und Österreicher aktuell mit Schmerzen umgehen. Die Ergebnisse lesen sie hier:


Aus Angst vor einer Ansteckung lieber Schmerzen ertragen

Unzählige Physiotherapeutinnen und -therapeuten im ganzen Land berichten von Patientinnen und Patienten, die aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona ihre chronischen Schmerzen unbehandelt lassen und schlichtweg ertragen. “Vor allem Patienten aus Risikogruppen trauen sich nicht mehr in die Physiotherapie-Praxen der Kollegen, obwohl sie die Unterstützung aufgrund von Unfällen oder Erkrankungen dringend benötigen würden. Das verzögert nicht nur die Behandlung, sondern kann auch langfristig gesundheitliche Schäden und damit einhergehend horrende Kosten nach sich ziehen,” berichtet Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria.

Dabei sind laut dem Gesundheitsberuferegister über 15.900 berufsberechtigte Physiotherapeuten in allen neun Bundesländern im Einsatz – auch in Zeiten von Lockdowns, zumal sie als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf systemrelevant sind. Sie setzen auf umfassende Schutzmaßnahmen, um ihre Patienten auch jetzt sicher und zuverlässig zu behandeln. “Als Dienstleistungserbringer im Gesundheits- und Pflegebereich werden wir explizit mit eigenen Regelungen bedacht. Die Handlungsempfehlungen des Gesundheitsministeriums führen neben dem Tragen einer Maske weitere Maßnahmen an, die einen sicheren Rahmen für physiotherapeutische Behandlung bieten. Der eigene Schutz und der Schutz der Patienten steht dabei stets an erster Stelle,” schildert Constance Schlegl.

Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria.
(c) Franz Morgenbesser
Constance Schlegl, Präsidentin von Physio Austria, appelliert an Bevölkerung, auch in Coronazeiten nicht auf nötige Schmerz-/ Therapien zu verzichten.

Physio Austria-Umfrage: 58 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind nicht schmerzfrei

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Österreich leiden unter anhaltenden Schmerzen. Wie eine Umfrage im Auftrag von Physio Austria zeigt, sind 58 Prozent der 500 Befragten betroffen. Sie berichten von chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat wie in Gelenken, Beinen, Füßen, Armen, Knien etc. [25 Prozent], im Rücken [23 Prozent] oder von Verspannungen [19 Prozent], von Nacken- sowie Schulterschmerzen [17 Prozent] und Kopfschmerzen [7 Prozent]. Diesen wird in Coronazeiten unterschiedlich begegnet.

Am häufigsten setzen die Österreicher auf Schmerzmittel [35 Prozent], was den Schmerz kurzzeitig betäubt, aber die Ursachen keineswegs bekämpft. Etwa 3 von 10 Befragten geben an, dass sie allgemeine Übungen zur Entlastung der betroffenen Körperregionen ausführen, wie zum Beispiel Yoga oder Dehnungsübungen bei Rückenschmerzen [32 Prozent] oder Sport betreiben [31 Prozent]. Seltener wird ein Arzt/ Ärztin kontaktiert [27 Prozent] oder auf Schonung gesetzt [25 Prozent].

15 Prozent der Umfrage-Teilnehmer lenken sich bei Schmerzen ab, 5 Prozent warten sogar darauf, dass sie von selbst vergehen. Lediglich 12 Prozent kümmern sich um einen Termin bei einer Physiotherapeutin bzw. bei einem Physiotherapeuten. Und das, obwohl von allen Befragten bereits 67 Prozent in Physiotherapien waren und 59 Prozent berichten, dass ihnen diese geholfen haben.

Constance Schlegl ist beunruhigt: “Die Ergebnisse zeigen, dass in Österreich gerade viel zu selten fachkundige Experten wie Physiotherapeuten um Rat gefragt werden, wenn es um die Linderung von Schmerzen geht. Umso besorgniserregender ist es, dass aufgrund von Corona zurzeit noch weniger Menschen als sonst professionelle Hilfe in unseren Physiotherapiepraxen suchen. Unser Appell: Bitte bleiben sie mit ihren Schmerzen nicht allein, lassen sie sich auch in Coronazeiten von uns Physiotherapeuten helfen!”

Geschlechterunterschiede: Männer unterdrücken Schmerzen eher als Frauen

Weitere Einblicke in die Umfrage zeigen: Obwohl 75 Prozent aller Befragten der Aussage zustimmen, dass Schmerzen ein Alarmsignal des Körpers sind, auf das man hören und entsprechend reagieren muss, erfahren Äußerungen wie “Immer positiv denken: Der Schmerz wird schon wieder nachlassen” [43 Prozent], “Ich spreche nicht über meine Schmerzen. Ich möchte mich darüber nicht bei anderen beklagen” [36 Prozent] oder “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” [20 Prozent] noch ausgesprochen hohe Zustimmung in der österreichischen Gesamtbevölkerung.

Insbesondere Männer stimmen diesen häufiger zu als Frauen – sie unterdrücken sichtlich öfter vorhandene Schmerzen. Deutlich wird das bei der Aussage “Wer etwas erreichen will, muss auch Schmerzen ertragen können” – dieser stimmen 29 Prozent der Männer und nur 17 Prozent der Frauen zu. Weibliche Befragte hingegen holen sich bei Schmerzen rascher Hilfe bei Experten [Frauen: 53 Prozent, Männer: 45 Prozent].

Die Hand einer älteren Person, die sich auf den schmerzenden Rücken greift, Stichwort schmerzfrei.
(c) Pixabay.com
Sprüche wie “ein Indianer kennt keinen Schmerz” oder “wer was erreichen will, muss auch Schmerzen ertragen können” sind – leider – immer noch ziemlich weit verbreitet.

*Über die Umfrage

Bei der von Physio Austria beauftragten und von Marketagent.com durchgeführten Online-Umfrage wurden 500 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren zum Thema “Physiotherapie” befragt. Erhebungszeitraum war zwischen dem 27. November und 4. Dezember 2020.

(Bilder: Pixabay.com, Franz Morgenbesser, Pixabay.com)

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