04.12. 2020 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Sepsis – wie [auch] kleine Wunden zur Lebensgefahr werden können

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Jeder von uns hat sich sicher schon einmal an einer scharfen Papierkante leicht in den Finger geschnitten. Ein kleiner brennender Schmerz, den man mit kaltem Wasser beruhigt. Ein Pflaster drauf und die Sache ist vergessen. Doch was, wenn der Körper „andere Pläne“ hat, Stichwort Sepsis?

Sepsis: Wenn eine lokale Entzündung den ganzen Körper einnimmt

Im Normalfall bleibt – wie eingangs beschrieben – ein durch einen Schnitt im Finger verursachte Entzündung oder eine kleine Wunde anderswo am Körper, auf diese Stelle begrenzt. Und im Normalfall ist so eine kleine Wunde meist auch nicht der Rede wert und heilt in wenige Tagen. In manchen Fällen kann sich allerdings daraus eine Entzündung ergeben, die sich auf Grund einer Überreaktion des Immunsystems in Form einer Infektion auf den ganzen Körper übertragen und in weiterer Folge Organe und Gewebe beschädigen kann. Man spricht dann von Sepsis – und diese ist, wenn nicht rechtzeitig behandelt, lebensgefährlich.

Das klingt im ersten Moment so, als ob es sich hier um ganz wenige Ausnahmefälle handelt. Allerdings sind jedes Jahr bis zu 50 Millionen Menschen weltweit von einer Sepsis betroffen. Davon sterben ca. 11 Millionen, und jene, die Sepsis überleben, spüren ihr Leben lang die Konsequenzen.

Eine Schere, mit der ein Verband geschnitten wird.
(c) Pixabay.com
Bei kleinen Verletzungen hilft zumeist ein Pflaster oder ein kleiner Verband. Doch weltweit führen u.a. solche kleinen Verletzungen zu 11 Millionen Todesfälle auf Grund einer Sepsis.

Wie kann man Sepsis erkennen?

Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten, ein entzündeter Zahn oder ein banaler Insektenstich können die Auslöser für eine Sepsis sein. Aber auch Grippe, Dengue-Fieber, Ebola oder die Schweinegrippe können eine Infektion fördern. Auch die uns zurzeit plagende Covid-19 Pandemie und das damit einhergehende Coronavirus CoV-Sars-2 bringt diese Gefahr mit sich.

Meist gelingt es dem Körper, eine Infektion auf ihren Ursprungsort zu begrenzen. Dazu dient die Entzündungsreaktion, ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Reaktionen von Gefäßen und Gewebe, Ausschüttung körpereigener Stoffe und Einwanderung bestimmter Zellen. Das führt zu den klassischen Entzündungszeichen wie gerötete Haut, Überwärmung Schwellung und lokaler Schmerz.

Ist der Körper aber beispielsweise auf Grund einer anderen Erkrankung geschwächt, oder sind die Erreger besonders aggressiv, kann sich die Infektion und damit die Entzündungsreaktion auf den ganzen Organismus ausbreiten. Nacheinander werden in einem schnellen Verlauf die Organe befallen und in weiterer Folge nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Je mehr lebenswichtige Funktionen ausfallen, desto schwerer fällt es schließlich dem Körper, die Krankheit aufzuhalten. Wie bei einer Kettenreaktion können so innerhalb weniger Stunden Kreislauf, Nieren, Lunge, Leber und die anderen Körperorgane versagen – man spricht dann von einem „septischen Schock“ –, was in letzter Konsequenz bis zum Tod führt.

Symptome, die auf Sepsis hindeuten könnten, sind:

  • Undeutliches Sprechen und Verwirrtheit

  • Starke Schüttelfrost oder extreme Muskelschmerzen beziehnungsweise auch in Verbindung mit hohem Fieber

  • Nicht in der Lage sein, Urin abzugeben

  • Schwere Atemnot

  • Man fühlt sich buchstäblich so, als ob man sterben würde

  • Fleckige oder verfärbte Haut

  • Abfall des Blutdrucks
Ein Arm mit einer Schnittwunde, Stichwort Sepsis.
(c) Pixabay.com
Auch bei kleineren Wunden ist es wichtig, diese gründlich zu reinigen und darauf zu achten, dass sich diese nicht entzünden.

Behandlung einer Sepsis

Da die von einer Sepsis betroffene Person schwer krank ist, erfolgt die Therapie zumeist auf der Intensivstation. Wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall sind die Heilungsaussichten für die Patientin/ den Patienten besser, je früher die Behandlung einsetzt. Im Zentrum steht die Therapie mit Antibiotika. Anhand einer Blutprobe kann der Erreger bestimmt werden, um das geeignete Antibiotikum auszuwählen.

Je nach Krankheitsstadium sollte – wenn möglich – der Infektionsherd beseitigt werden, zum Beispiel durch operatives Entfernen oder durch Spülen der entzündeten Stelle. Daneben wird versucht, durch die Behandlung die Schocksituation zu bessern und das Organversagen aufzuhalten beziehungsweise rückgängig zu machen. Dazu gehören:

  • Infusionstherapie zur Stabilisierung des Kreislaufs

  • die Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln

  • blutdrucksteigernde Medikamente im Falle eines septischen Schocks

  • künstliche Beatmung

  • Nierenersatzverfahren [Dialyse]

  • künstliche Ernährung

  • Ersatz körpereigener Zellen [zum Beispiel rote Blutkörperchen]und Stoffe wie Insulin und Kortison

  • künstliches Koma

Je früher desto besser

„Sepsis ist trotz ihrer Komplexität und schwieriger Behandlung eines der am einfachsten vorzubeugenden klinischen Syndrome. Jede Sepsis beginnt mit einer banalen Infektion. Unbehandelt entwickelt sich diese banale Infektion zu einer schwer beherrschbaren ‚Blutvergiftung‘ mit multiplem Organversagen und potenziell tödlichem Ausgang.

Einer Sepsis lässt sich nicht mit völliger Sicherheit vorbeugen. Eine Impfung, wie etwa zum Schutz vor Wundstarrkrampf [Tetanus] gibt es nicht. Allerdings können Maßnahmen helfen, die zur Stärkung des Immunsystems geeignet sind, beispielsweise ausreichende Bewegung an der frischen Luft, genügend Schlaf und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Auch sollten Infektionen schnell und umfassend behandelt werden, um der Entstehung einer Sepsis vorzubeugen.

Je früher die Ursache der Sepsis erkannt und diese behoben wird, desto rascher kann man den septischen Teufelskreis unterbrechen und somit die typischen Folgeschäden wie Amputationen, Dialyse oder sogar den Tod der Betroffenen verhindern.

Wenn Betroffene, Angehörige und auch das medizinische Personal ein geschärftes Bewusstsein zu Sepsis haben, wird es eher jemanden geben, der die Frage in den Raum stellt: „Könnte es eine Sepsis sein?“ Diese Frage kann Leben retten und bei Überlebenden die Lebensqualität schützen.

(Bilder: Pixabay.com)

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