05.03. 2021 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Verantwortung im Sinne sicherer und risikobewusster Bergerlebnisse

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Die spezielle Zeit, in der wir uns Corona-Virus bedingt befinden, fordert uns in jeglicher Hinsicht. Ob im Homeoffice, mit den Kindern im Distance Learning, beim Einkaufen oder im Einschränken der uns so wichtigen sozialen Kontakte. Sport und Bewegung im Freien und in der frischen Luft, Stichwort Bergerlebnisse, sind hier ein nahezu idealer Ausgleich.

Viele Menschen in Österreich nutzen diese Möglichkeit und tragen damit viel zu ihrem psychischen und körperlichen Wohlbefinden bei. Doch anspruchsvolle Zeiten wie diese erfordern [auch]Verantwortung im Sinne sicherer und risikobewusster Bergerlebnisse.


Ausbildungen für NeueinsteigerInnen kaum möglich!

Die Anfang Winter erstellte Prognose, es werde in dieser Saison um ein Vielfaches mehr an Einsteigerinnen und Einsteiger im Skitourenbereich geben, hat sich bewahrheitet. Man spricht im Bereich der Skitouren- und SchneeschuhgeherInnen von einem Zuwachs von 20 Prozent.

Was einerseits eine sehr positive Entwicklung darstellt, bringt auf der anderen Seite ein gewisses Risiko mit sich: Auf Grund der Corona Schutz- und Notmaßnahmen ist es alpinen Vereinen wie den Naturfreunden, aber auch Bergsteigerschulen, nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich die wichtigen Ausbildungen, wie Lawinen- oder Skitourenkurse, abzuhalten

Deswegen der Appell an alle Entscheidungsträger: Auch wenn Quartiere nicht vorhanden sind, Freiluftausbildungen in Kleingruppen mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen sollten ermöglicht werden – auch und vor allem im Sinne sicherer Bergerlebnisse!

Eine Gruppe Skitourengeher, Stichwort sichere Bergerlebnisse.
(c) Martin Edlinger
Aktuell sind aufgrund der Corona-Virus Situation Lawinen- oder Skitourenkurse nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich.

Sechs Tipps für NeueinsteigerInnen für sichere Bergerlebnisse

Gerade weil aktuell keine Kurse möglich sind, sollten NeueinsteigerInnen unbedingt folgende sechs Tipps bei ihren Skitouren berücksichtigen:

  1. Gewöhnung an die Gerätschaft
    Dazu eignen sich Pistentouren sehr gut. Komplexe Orientierung und die Beurteilung der Lawinengefahr fallen weg, sodass man sich voll und ganz auf die neue Ausrüstung und deren Bedingung konzentrieren kann.

  2. Einfach und klein beginnen
    Gerade EinsteigerInnen wird empfohlen, mit sehr einfachen und viel begangenen Skitouren zu starten.

  3. Nur bei guten Verhältnissen
    Wenn Erfahrung und Ausbildung noch fehlen empfehlen wir NeueinsteigerInnen, nur bei gutem Wetter und sicheren Verhältnissen auf Skitour zu gehen.

  4. Die Planung der Skitour ist der Schlüssel zum Erfolg
    Die Information über die aktuelle Lawinengefahr, das Wetter sowie den Routenverlauf ist auch für EinsteigerInnen unerlässlich. Auf der Seite www.lawine.at finden sie umfangreiche Informationen dazu.

  5. Ich weiß immer, wo ich bin
    Handy-Orientierungs-Apps wie zum Beispiel das Tourenportal der Naturfreunde erleichtern die Navigation enorm. Dies dient nicht nur der Wegfindung, auch im Notfall weiß ich immer meinen Standort.

  6. Immer mit vollständiger Notfallausrüstung starten
    Ein Lawinenverschüttetensuchgerät, eine Schaufel, eine Sonde, ein Erste-Hilfe-Paket, der Biwaksack und das Handy gehören auf jeder Skitour zur Mindestausstattung.

Nie ohne Notfallausrüstung!

Abseits der gesicherten Pisten ist niemand davor gefeit, in eine Notsituation zu geraten. Lawinenunfälle zählen zwar zu den lebensbedrohlichsten Notfällen, aber zum Glück nicht zu den häufigsten. Meist handelt es sich um Stürze, Beinbrüche, Verirren, usw.

Leider ist des Öfteren zu beobachten, dass BergsportlerInnen mit fehlender Notfallausrüstung unterwegs sind. Eine vollständige Lawinen-Notfallausrüstung ist unverzichtbar! Auch Lawinenairbags erhöhen die Überlebenschance im Falle eines Lawinenunfalles beträchtlich. Eines sollte jedoch nie vergessen werden: Die beste Notfallausrüstung ist nur dann wirklich hilfreich, wenn man gelernt hat, damit umzugehen!

Skitourengeher.
(c) Martin Edlinger
Bei solchen Bildern bekommt man Lust auf eine Skitour in den Bergen. Aber auch wenn die Sonne lacht, darf auf keinen Fall auf die Notfallausrüstung verzichtet werden.

Bewegung in freier Natur braucht gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis

In den Skitouren- und Schneeschuhgebieten Österreichs herrscht aktuell überdurchschnittlich großer Andrang. Wenn mehr Menschen die Schönheit der Natur entdecken, ist das grundsätzlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Doch vielerorts bringt dies auch ein dementsprechendes Konfliktpotential mit sich. Die Naturfreunde appellieren an alle Nutzergruppen – ob Skitourengeher oder Jäger, ob Schneeschuhwanderer oder Grundbesitzer – sich rücksichtsvoll in der Natur zu verhalten und dem Gegenüber Verständnis zu zeigen.

Zwei Beispiele, die zeigen, wo es oft zu Konflikten kommt:

Beispiel 01
Es ist nicht notwendig sein Auto so zu parken, dass Grundbesitzer, Holzbringung und Jagdwirtschaft dadurch behindert werden. Diese Konflikte der Parksituation entstehen oft durch nicht ausreichende oder schlecht gekennzeichnete Parkflächen. Die Lösung ist nicht die Sperre eines Ausgangspunktes, sondern die Verbesserung von Parkmöglichkeiten.

Beispiel 02
Es ist nicht notwendig bewusst durch Fütterungs- oder Wildruhezonen zu gehen. Gerade in Zeiten mit erhöhter TourengeherInnenfrequenz brauchen Wildtieren die nötigen Rückzugsgebiete. Lukrative Ausweich- oder Alternativmöglichkeiten können diese Konflikte vermeiden. Sperren und Schranken werden dieses Problem nicht lösen.

(Bilder: Pixabay.com, Martin Edlinger (2x))

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