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Sign Time – Wiener Start-up erschließt Gehörlosen die digitale Welt

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Die [digitale]Welt für gehörlose Menschen barrierefrei machen – das ist die Vision von Sign Time, einem Wiener Start-up, dass sich dem Thema ‚Verständigung zwischen hörenden und gehörlosen Menschen‘ verschrieben hat. Mit einer neu entwickelten Software namens SiMAX gelingt es nun erstmals auch, Texte automatisch in 3D-animierte Gebärdensprache zu übersetzen.

SiMAX erschließt Gehörlosen die digitale Welt des Internets

SiMAX ist eine Software, die die verschiedensten Inhalte wie Websites, Filme, TV-Sendungen, Museumsführungen, Bürgerinformationen und auch lebenswichtige Informationen in Beipackzetteln für Medikamente in Gebärdensprache übersetzen kann. Die Übersetzung wird mit Hilfe eines Avatars – eine mittels Computer animierte 3D-Figur – gebärdet und kann in Videos und anderen Bewegtbildern integriert werden. Eine lernende Datenbank mit intelligenten Algorithmen im Hintergrund und gehörlose Gebärdensprach-Profis sorgen sozusagen gemeinsam für eine qualitativ hochwertige Übersetzung.

Sign Time konnte diese Innovation mit 1,1 Mio. Euro aus dem EU-Förderprogramm Horizont 2020 und mit Unterstützung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umsetzen und will sie damit noch mehr EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern zugänglich machen. Daneben profitiert das Unternehmen auch vom Enterprise Europe Network der Europäischen Kommission, das Sign Time mit Coaching und bei der internationalen Vernetzung mit Kooperationspartnern und Investoren unterstützt. Das Enterprise Europe Network ist das weltweit größte Netzwerk für die Unterstützung von KMU.

Ziel ist es, den Avatar zukünftig in den sechs gebräuchlichsten Gebärdensprachen der EU zur Verfügung stellen. Zugleich werden neue Arbeitsplätze geschaffen – für gehörlose wie hörende Menschen gleichermaßen.

Unterstützung durch heimische Förderstellen

„Wir unterstützen österreichische Unternehmen und Forschungseinrichtungen, europäische Fördermittel einzuwerben – mit Erfolg, wie wir am Beispiel von Horizont 2020 sehen. Zudem sind die FFG-Förderungen auf nationaler Ebene ein wichtiges Sprungbrett für die erfolgreiche Teilnahme an europäischen Programmen. Beleg dafür ist auch das Unternehmen Sign Time, das wir im gesamten Entwicklungszyklus in mehreren Programmen gezielt unterstützt haben“, so FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth.

Die FFG mit der Digitalisierungsagentur (DIA) ist auch starker Motor der Digitalisierung und verfolgt dabei den Accessibility-Ansatz. Dadurch sollen barrierefreie Zugänge möglichst allen Menschen die Chancen der Digitalisierung eröffnen.

Sign Time revolutioniert die Medienwelt für Gehörlose

Schätzungen zufolge sind rund 500.000 Menschen in Europa gehörlos. In Österreich geht man von etwa 10.000 Betroffenen aus. Laut Österreichischem Gehörlosenbund sind zudem fast drei Viertel der gehörlosen Östereicherinnen und Österreicher funktionelle Analphabeten. Nicht zuletzt kann das auch und vor allem beim digitalen Medienkonsum zu einer großen Hürde werden.

„Die EU-Unterstützung erlaubt uns seit vielen Jahren, unserer Vision einen Schritt näher zu kommen, den Zugang für gehörlose Menschen zur Informationsgesellschaft zu verbessern. Mit der EU-Förderung und der Unterstützung des Enterprise Europe Network und der FFG wollen wir den europaweiten Markteintritt von SiMAX initiieren und damit die Inklusion und Partizipation der Gehörlosen-Community vorantreiben„, so Sign Time-Geschäftsführer Georg Tschare.

Doch damit nicht genug: Sign Time entwickelte gemeinsam mit den Firmen medi productions und akaryon auch ein spezielles Verfahren, um ganze Filme in Gebärdensprache zu synchronisieren. Dabei wird der menschliche Darsteller oder die menschliche Darstellerin, der oder die die Übersetzung gebärdet, in den Film eingeblendet, sodass der im Film gesprochene Text sinngemäß und so vollständig wie möglich für Gehörlose zugänglich ist. Gehörlose Zuseherinnen und Zuseher erkennen dabei an einem speziellen Farbleitsystem, welcher Schauspieler oder welche Schauspielerin im Film gerade spricht und übersetzt wird.

Ein Avatar von Sign Time, der Webinhalte in Gebärdensprache übersetzt. (c) Screenshot
Mit Hilfe von 3D-animierten Avataren übersetzt Sign Time Webinhalte in Gebärdensprache.

Über Sign Time

Sign Time wurde 2008 von Monika Haider und Georg Tschare in Wien gegründet. Ziel war die Übersetzung von Texten in Gebärdensprache, um sie gehörlosen Personen zugänglich zu machen. Seit 2010 entwickelt das Unternehmen ein IT-System zur halbautomatischen Übersetzung von Texten in Gebärdensprache, die Ausgabe erfolgt mittels 3D-animiertem Avatar.

Die Entwicklung wurde von der FFG, der AWS, der Wirtschaftsagentur Wien und der EU gefördert. Das System wird laufend weiterentwickelt, um die Kosten für Übersetzungen zu senken und das Angebot auszuweiten. Die wichtigsten Märkte sind Deutschland und Österreich. In Zukunft soll das System auch auf andere Gebärdensprachen ausgeweitet werden.

Sign Time beschäftigt rund 20 Mitarbeitende, davon sind sechs Personen selbst gehörlos. Im Team befinden sich Gebärdensprach-Übersetzer, Linguisten, 3D-Animatoren, Softwareentwickler und Grafikdesigner.

(Bilder: Screenshots signtime.media, Video: signtime.media)

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