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Skitourengehen – anstrengend, aber gesund für Körper UND Seele

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Wer Skitouren geht, wird sich hinterher deutlich wohler fühlen. Das ist das Fazit der neuen WinHealth INTERREG-Studie*. Es kommt bei einer durchschnittlich trainierten Person nach einer oder mehreren Skitouren zwar zu einer leichten Ermüdung der Oberschenkelmuskulatur – aber das ist eher als Trainingsreiz anzusehen. Gleichzeitig lässt das Naturerlebnis in den Bergen aber jeden Stress vergessen und führt sogar zu positiven Auswirkungen auf das soziale Umfeld.

Skitourenstudie bringt wichtige Erkenntnisse zur optimalen Skitourenwoche
(c) ISAG

Die Zahl der SchitourengeherInnen steigt. Kein Wunder, bei solchem Panorama 🙂

Die Zahl der SkibergsteigerInnen hat sich in den letzten zehn Jahren in Österreich auf ca. 700.000 verdoppelt. Aber auch immer mehr Urlauber finden daran Gefallen. Dennoch war bisher über die Auswirkungen auf die Muskelermüdung, die als Risikofaktor für Verletzungen gilt, wenig bekannt.

An der vom Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG) der Tirol Kliniken (Innsbruck) und der UMIT (Hall) unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger durchgeführten Studie nahmen 53 TeilnehmerInnen zwischen 40 und 65 Jahren mit gutem skifahrerischem Können teil. Sie absolvierten fünf Skitouren in sechs Tagen mit einem Ruhetag dazwischen. Gemessen wurde die muskuläre Ermüdung nach dem ersten Tag sowie nach mehreren Tagen. Außerdem wurden die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden erhoben.

Skitourengehen: Anstrengend, aber gesund

Nach Abschluss dieser Studie zeigte sich, dass es bereits nach einer einzigen Skitour (950 Höhenmeter und etwas mehr als zwei Stunden Aufstiegszeit) bei durchschnittlich trainierten Personen zu einer Verringerung der Muskelkraft in der Oberschenkelmuskulatur um bis zu 7,5 Prozent kommt. Diese Ermüdung entsteht sowohl durch den Aufstieg als auch bereits durch eine einzige Abfahrt. Sie ist vergleichbar mit der Ermüdung nach vier Stunden Pistenskifahren. Nachgewiesen wurde auch, dass ein individuell bestimmter Herzfrequenzbereich (Tourentempo) ähnlich positive Effekte auf Muskulatur und Herz-Kreislauf System hat wie andere Ausdauersportarten.

Während der Skitourenwoche absolvierten die TeilnehmerInnen rund 5.300 Höhenmeter in einer Gesamtaufstiegszeit von 13 Stunden. Interessanterweise zeigte sich auch nach mehreren Tagen keine weitere Abnahme der Muskelkraft. Studienleiter Schobersberger erläutert: „Wir können somit davon ausgehen, dass durchschnittlich trainierte Personen eine Skitourenwoche in einem individuell vorgegebenem Herzfrequenzbereich und mit vernünftiger Tourenwahl problemlos absolvieren können. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich dabei aufgrund einer muskulären Ermüdung verletzen oder derart stark ermüden, dass dadurch der Urlaub abgebrochen oder auf das Skibergsteigen verzichtet werden müsste, ist eher als gering einzustufen.“

Erste positive Erkenntnisse zur Thematik Skitourengehen mit künstlichem Kniegelenk
(c) ISAG

Selbst Personen mit Knieprothesen können beruhigt und problemlos Schitouren gehen.

In einem weiterführenden Studienteil mit Personen mit KnieTEP (Knietotalendoprothese) zeigten sich sehr ähnliche positive Effekte in Bezug auf die muskulären Trainingseffekte sowie die Herz-Kreislaufbelastung. Während und nach erfolgreicher Studienteilnahme zeigte keiner der Teilnehmer subjektive Kniegelenksbeschwerden. Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse konnten alle Teilnehmer darin bestärken, auch weiterhin Skitouren zu gehen.

Univ.-Doz. Mag. Dr. Arnulf Hartl, Leiter des Instituts für Ecomedicine an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg und Lead-Partner des WinHealth-Projektes: „Nach den erhobenen Daten und individueller Einschätzung durch Orthopäden/ Traumatologen ist es auch für Personen mit einem künstlichen Kniegelenk problemlos möglich, von einer Skitourenwoche zu profitieren.“

Subjektive Belastungen nehmen ab, soziales Wohlbefinden zu

Die Studie beweist auch, was in Expertenkreisen schon vermutet wurde: Das Skitourengehen steigert das subjektive Wohlbefinden. In der Studie war bereits nach jeder Skitour ein deutliches Stimmungshoch zu verzeichnen, das im Laufe der weiteren Tage zugenommen hat. Auch die sozialen Aktivitäten wurden mehr – ein Trend, der noch mindestens zwei Wochen nach dem Urlaub weiter anhielt. Weitere erhobene Daten ergaben, dass sich eine Woche Skitourenurlaub auch positiv auf die Erholung auswirkt und die subjektiven Belastungen deutlich abnehmen.

Aufbautraining für schlechter Trainierte

Um die positiven Effekte des Skitourengehens auch wirklich nutzen zu können, empfiehlt Sportmediziner Schobersberger weniger versierten oder schlechter trainierten Skitourenurlaubern vor Urlaubsbeginn ein Aufbautrainingsprogramm für das Herz-Kreislaufsystem mit zusätzlichen kraftbetonten Trainingsmethoden. „Besonders geeignet sind aerobe Sportarten wie Laufen, Radfahren und Wandern. Für die Kniestabilität sollte man Beinstrecker und -beuger kräftigen.“

Hartl ergänzt: „Zu empfehlen ist auch ein Skitourentechnik-Training zu Beginn des Urlaubs, da eine schlecht entwickelte Technik Einfluss auf die muskuläre Beanspruchung hat.“ Ebenfalls sinnvoll: Eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik im Vorfeld der Urlaubsplanung.

Information

* Das grenzüberschreitende Projekt WinHealth wird durch Mittel der EU aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und INTERREG V-A Italien-Österreich 2014-20 gefördert. Acht Partner in den Regionen Salzburg, Tirol, Südtirol und Friaul-Julisch Venetien entwickeln unter dem Lead der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg auf Basis der Studie gemeinsam wissenschaftlich fundierte gesundheitstouristische Winterangebote in ausgewählten Pilotregionen.

(Bilder: ISAG)

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