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Covid-19-Studie: So erholt sich die Lunge nach einer Infektion wieder

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Ein Team der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin II [Direktor: Günter Weiss] hat in einer prospektiven Studie* erstmals die Langzeitfolgen von Covid-19 an stationär versorgten Patient*innen untersucht. Dabei zeigte sich, dass sechs Wochen nach Entlassung die Beobachtungen von leichten bis mittelgradigen Atemwegs-Symptomen bis hin zu anhaltenden Auffälligkeiten des Lungengewebes reichen. Die Studienleiter*innen betonen daher die Notwendigkeit einer strukturierten Nachsorge bei schwer Erkrankten.

Systematische Bewertung der Folgeschäden an der Lunge

Im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit aus Pneumologie, Infektiologie und Radiologie wurde an der Uniklinik erstmals eine systematische Bewertung der [Langzeit-]Folgenschäden an der Lunge von Covid-19-Patient*innen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden die Gesundheitsdaten von 86 Covid-19 Patient*innen ausgewertet, die an der Uniklinik Innsbruck, im Krankenhaus Zams und im Reha-Zentrum Münster in klinisch-therapeutischer Behandlung waren.

Dabei zeigte sich: Über die Hälfte der bereits genesenen Covid-19 Patient*innen waren auch sechs Wochen nach ihrer Entlassung noch von Langzeitfolgen betroffen – die Bandbreite reichte dabei von leichten bis mittelgradigen Atemwegs-Symptomen bis hin zu anhaltenden Auffälligkeiten des Lungengewebes.  

Röntgenbild einer von Corona-Viren befallenen Lunge.
(c) Radiologie Innsbruck
Das CT-Bild zeigt die durch SARS-CoV-2 geschädigten Lungenareale [in Rot]. Typisch für Covid-19 ist die Schädigung der Lunge beidseits und basal [in den unteren Bereichen].

Die häufigsten Langzeit-Symptome von Covid-19-Patient*innen

„55 Prozent der hospitalisierten Covid-19 Patient*innen zeigten auch sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anhaltende körperliche Beeinträchtigungen„, beschreibt Lungenspezialistin Dr.in Löffler-Ragg, eine der Studienleiterinnen, ein zentrales Ergebnis der Studie.

An erster Stelle liegt mit knapp 50 Prozent die Kurzatmigkeit bei Belastung, 15 Prozent der Betroffenen klagten über andauernden Husten. Grundsätzlich beschreiben die untersuchten Patientinnen und Patienten eine überdurchschnittlich lange Genesungsphase, aber erfreulicherweise bessert sich die Intensität der Beschwerden im Verlauf deutlich.“

In Zusammenarbeit mit dem Team um den Radiologen Dr. Gerlig Widmann, zeigten sich in den CT-Untersuchungen sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bei 88 Prozent der Patient*innen anhaltende leicht- bis mittelgradige strukturelle Veränderungen der Lunge. Diese bildeten sich allerdings im Zeitverlauf bei den meisten Patient*innen deutlich zurück. Es gibt derzeit keine Hinweise auf fortschreitende Lungenschäden, wie etwa zunehmende Vernarbungen.

Ob die Veränderungen in der Lunge und die damit verbundene Einschränkung der Lungenfunktion vollständig abklingen werden, ist aktuell noch nicht zur Gänze zu beantworten und wird in weiteren Untersuchungen analysiert werden. Das ist wichtig, um ein möglichst ausführliches Bild der Langzeitfolgen zu erhalten.

Bedarf an intensiver und spezifischer Therapie

Besonders bei Patient*innen mit sehr schweren Krankheitsverläufen ist laut den Forschern eine gut koordinierte, umfassende Nachversorgung enorm wichtig. Das bestätigte auch die Einbindung der Daten aus dem Reha-Zentrum Münster, wo die Intensivpatient*innen nachbetreut wurden.

„Wir konnten in unserer Langzeitstudie sehen, dass sich Patientinnen und Patienten nur sehr langsam erholen. Erste Erfahrungen zeigen, dass die bei der Entlassung aus der Klinik diagnostizierten Beeinträchtigungen der Lungenfunktion durch eine langfristige und spezifische Rehabilitationstherapie deutlich verbessert werden können. Entsprechend dürfte es sich bei einem Großteil der Lungenveränderungen um reversible Prozesse handeln“, fasst Sabina Sahanic aus dem Studienteam die Erkenntnisse zusammen.


(c) MUI/ Bullock
Das Innsbrucker Studienteam, v.l.n.r.: Sabina Sahanic, Thomas Sonnweber, Klinikdirektor Günter Weiss, Judith Löffler-Ragg und Ivan Tancevski.

Vorsicht bei Herz-Kreislauf-[Vor-]Erkrankungen

Im Hinblick auf eine mögliche weitere Covid-19-Ansteckungswelle im Herbst sollten Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglichst rasch ihre Risikofaktoren kontrollieren und ihre Therapie optimieren lassen. Dazu raten sowohl die Österreichische Ärztekammer als auch der Berufsverband Österreichischer Internisten.

In Österreich stellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen über 65 Jahren und bei Männern über 45 Jahren die Haupttodesursache dar. Diese Patientinnen und Patienten haben auch ein überdurchschnittlich hohes Risiko für besonders schwere Krankheitsverläufe im Rahmen einer Covid-19-Infektion.

Ein wirksamer und für alle Menschen verfügbarer Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung durch eine Impfung oder ein Medikament wird aus heutiger Sicht nicht vor Anfang/ Mitte 2021 zur Verfügung stehen. Deshalb ist es für Herz-Kreislauf Patient*innen gerade jetzt – neben den sonstigen Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Ansteckung [Abstand halten, Mund-Nasen-Schutzmaske, Hände waschen] – besonders wichtig, mit der bestmöglichen Therapie ihrer Grunderkrankung ein Maximum für ihre Gesundheit zu tun. Dazu zählen regelmäßige Kontrollen wichtiger Laborparameter wie Blutfettwerte und Blutzuckerspiegel, der Leistungsfähigkeit des Herzens, der Lunge, der Niere sowie des Blutdrucks, um so die aktuelle Therapie zu überwachen beziehungsweise zu optimieren.

*Über die Studie

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 86 Patient*innen zwischen 50 und 70 Jahren untersucht, wobei 70 Prozent davon Männer waren. Im Schnitt waren die Probanden übergewichtig bis adipös. 44 Prozent waren ehemalige Raucher*Innen, und ebenfalls 44 Prozent hatten bereits kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder Hypercholesterinanämie.

Die Daten der genesenen Covid-19 Patient*innen wurden erhoben durch

  • detaillierte Erhebungen der Krankengeschichte,

  • Laboruntersuchungen,

  • Lungenfunktionstests,

  • Echokardiographien sowie

  • bildgebender Untersuchungen der Lunge mittels CT-Untersuchungen

(Bilder: Pixabay.com, Radiologie Innsbruck, MUI/ Bullock)

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