04.12. 2020 Besuchen Sie uns auch im Social Web:

Versorgungssicherheit chronisch Kranker mit digitalen Lösungen

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Österreich hat, was das Management chronisch kranker Menschen bzw. chronischer Krankheiten betrifft, Aufholbedarf. Um dem entgegen zu wirken, fordern PRAEVENIRE – Gesellschaft zur Optimierung der solidarischen Gesundheitsversorgung – und die Ärztekammer ein Ausschöpfen des Digitalem Disease-Managements.

Die Sicherstellung einer solidarischen Gesundheitsversorgung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und gilt als oberstes Ziel eines erfolgreichen Gesundheitssystems. PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling zufolge müsse trotz der steigenden Coronazahlen, die das Gesundheitssystem derzeit dominieren, auch jenen Patientengruppen die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden, die in der Covid-Diskussion unterzugehen drohen.

Gesundheitspolitische Überlegungen

In Österreich liegt die Lebenserwartung von Frauen im Schnitt bei 84 Jahren, von Männern bei 79 Jahren. Davon verbringen Frauen knapp 67 Jahre und Männer knapp 66 Jahre in guter bis sehr guter Gesundheit. Eine kontinuierliche Verbesserung der gesunden und qualitätsvollen Lebensjahre ist in den Gesundheitszielen Österreich prioritär verankert. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch insbesondere im Umfeld chronisch erkrankter Menschen wichtige Aspekte in gesundheitspolitische Überlegungen integriert werden. Denn derzeit leben in Österreich rund 2,5 Millionen Menschen mit dauerhaften Gesundheitsproblemen.

Eine alte Frau und ein alter Mann Hand in Hand beim Spazierengehen, Stichwort chronisch Kranke.
(c) Pixabay.com
Nicht zuletzt der guten medizinischen Versorgung haben wir es zu verdanken, dass wir länger bei guter Gesundheit leben. Dabei dürfen wir aber keinesfalls auf jene Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden, vergessen.

Chronisch Kranke: Hoher Aufholbedarf für Österreich

Um eine langfristige und effiziente Versorgungssicherheit zu gewährleisten, empfiehlt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 im Rahmen ihres kürzlich erschienenen Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ unter anderem ein stärkeres Augenmerk auf Menschen mit chronischen Erkrankungen zu richten. Am Beispiel von Diabetes wird beobachtet, dass Österreich im europäischen Vergleich in der Behandlung hinterherhinkt. So liegt die Zahl der Amputationen aufgrund von Diabetes deutlich über dem Niveau anderer Länder.

Dem gegenüber zeigen Beispiele aus Dänemark und den Niederlanden, dass mit multiprofessionellen Diabetesversorgungszentren und der Förderung von innovativem Wundmanagement sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt werden. Dies sowie bestehende Disease-Management-Programme gilt es daher [auch]in Österreich auszubauen.

Digitale Möglichkeiten ausschöpfen

Mithilfe digitaler Lösungen sowie Modulen [zum Beispiel die e-Medikation], die bereits in ELGA integriert sind, kann zudem eine gezieltere Abstimmung der Arzneimitteltherapie zwischen extra- und intramuralem Bereich erfolgen. So kann eine einfachere Versorgung für Patientinnen und Patienten erreicht werden. „Das während der Pandemie ermöglichte e-Rezept Light, das eine telefonische Verschreibung sowie die Übermittlung des Rezepts per e-Medikation, eMail oder Fax an die Apotheke erlaubte, sowie die digitale Krankmeldung sind als administrative Vereinfachungen beizubehalten – auch über den Zeitraum der Corona-Pandemie hinweg. Das e-Rezept als Anwendung des e-Card Systems ist in Vorbereitung und soll im kommenden Jahr konsequent und rasch ausgerollt werden“, fordert Schelling.

A.o. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, führt fort: „Die Ärztekammer unterstützt die Initiativen, die e-Medikation zu stärken. In diesem Zusammenhang sollten die Träger von Krankenanstalten mehr in die Pflicht genommen werden, ihre Medikationsdaten auch in die e-Medikation verpflichtend einzumelden. Natürlich vorausgesetzt, dass es dabei zu keiner zusätzlichen Bürokratie für die Spitalsärztinnen und Spitalsärzte kommt. Diese brauchen dringend wieder mehr Zeit für ihre eigentlichen ärztlichen Aufgaben.“

„Covid-19 darf uns nicht davon abhalten, über Zukunftsthemen zu sprechen und uns um qualitätsvolle Regelversorgung zu kümmern. Die Politik ist jetzt gefordert, in die Umsetzung zu kommen, um eine solidarische Gesundheitsversorgung für jeden Menschen sicherzustellen,“ so Schelling.

RAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling, ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PhD, Präsident der Ärztekammer Wien und Ärztekammer Österreich.
(c) PRAEVENIRE/ APA-Fotoservice/ Rastegar
RAEVENIRE Präsident Hans Jörg Schelling und Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer Wien und Ärztekammer Österreich.

Solidarische Gesundheitsversorgung trotz Covid-19

Vor allem die rasant steigenden Coronazahlen und deren kritische Auswirkungen auf die österreichische Versorgungslandschaft dominieren derzeit das Gesundheitssystem. Doch gerade jetzt müsse verstärkt auch auf jene Patientengruppen geachtet werden, die im Schatten von Covid-19 zu wenig Aufmerksamkeit bekommen: „Die Menschen haben ein Anrecht auf die beste medizinische Versorgung – trotz Corona und unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status“, so Schelling. Das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ beleuchtet daher nicht nur die Covid-19 Thematik, sondern inkludiert all jene medizinischen Aspekte, die in aktuellen Diskussionen nicht verloren gehen dürfen.

Letztendlich müsse gerade jetzt aufgrund der massiven emotionalen und wirtschaftlichen Belastung der Bevölkerung verstärkt auf das Thema Prävention gesetzt werden: „Wir dürfen nicht auf jene Menschen vergessen, die wegen Corona essenzielle Vorsorgeuntersuchungen hintanstellen oder die aufgrund psychischer Belastungen aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zu fallen drohen. Wir müssen jetzt in Prävention investieren, um drohende Folgekosten zu verhindern,“ appelliert der ehemalige Finanzminister.

PRAEVENIRE Weißbuch: „Zukunft der Gesundheitsversorgung“

Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –Experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuchs mit konkreten Handlungsempfehlungen für Bundes- und Landesregierungen steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und vor allem auch krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und in weiterer Folge auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

Das digitale PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ steht ihnen HIER als Pdf zum Download zur Verfügung. Den Weißbuch-Themenkreis „Versorgungs- und Gesundheitsziele“ können sie HIER als Pdf downloaden.

PRAEVENIRE ist eine unabhängige Initiative, die das Potenzial des öffentlichen Gesundheitswesens in Österreich hervorheben und durch einschlägige Beispiele für „Good Practice“ unterstützt.

(Bilder: Pixabay.com (2x); PRAEVENIRE/ APA-Fotoservice/ Rastegar)

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