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Vitamin A kurbelt die Fettverbrennung während der Kälte an

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Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams rund um Florian Kiefer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Wien zeigt, dass kalte Umgebungstemperaturen die Vitamin A-Spiegel bei Menschen und Mäusen ansteigen lassen. Als Folge dessen kommt es zu einer Umwandlung von weißem in braunes Fettgewebe, wodurch die Fettverbrennung und Wärmeproduktion angeregt wird. Diese „Fett-Transformation“ geht mit einem erhöhten Energieverbrauch einher und gilt daher als vielversprechender Ansatz in der Behandlung von Adipositas. Die Studie* wurde auch jüngst im Topjournal Molecular Metabolism publiziert.

Weißes und braunes Fettgewebe

Bei Menschen unterscheidet man – genauso wie bei allen anderen Säugetieren – generell zwischen zumindest zwei verschiedenen Fettdepottypen, nämlich dem weißen und braunen Fettgewebe. Das weiße Fettgewebe kommt im menschlichen Körper viel häufiger vor, speichert Fett und befindet sich vorzugsweise an Bauch, Gesäß und Oberschenkeln. Bei erhöhtem Energiebedarf kann der Körper auf diese Depots zurückgreifen.

Braunes Fett hingegen verbrennt unter Freisetzung von Wärme Energie in unserem Körper. Mit zunehmendem Alter und bei Übergewicht nimmt die Anzahl der braunen Fettzellen allerdings ab. Aus diesem Grund, so die Forscher, könnte die Möglichkeit der Umwandlung von weißem in braunes Fett eine neue therapeutische Option gegen Übergewicht und Adipositas sein.

Ein großer Burger neben fetten Pommes, dahinter der dicke Bauch eines Mannes.
(c) Pixabay.com
Von nichts kommt nichts – die häufigsten Ursachen für Übergewicht sind falsche Ernährung in Kombination mit [viel] zu wenig Sport und Bewegung.

Mit Kälte gegen Übergewicht?

Die Forschungsgruppe rund um Florian Kiefer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien, hat nun im Rahmen einer Studie nachgewiesen, dass es bei Menschen – genauso wie bei Mäusen auch – durch eine moderate Kälteanwendung zu einem Anstieg von Vitamin A sowie dessen Bluttansporters, dem „Retinol-bindenden Protein“, gekommen ist. Über neunzig Prozent der Vitamin A-Reserven sind in der Leber gespeichert, wobei die Kälte eine Umverteilung des Vitamin A ins Fettgewebe unterstützen dürfte. Die Kälteanwendung hat auch zu einer Umwandlung von weißem in braunes Fett – dem sogenannten „Browning“ – geführt. Positiver „Nebeneffekt“ dieses Vorgangs im Körper: eine gesteigerte Fettverbrennung.

Als Kiefer und sein Team den Vitamin A-Transporter „Retinol-bindendes Protein“ durch Genmanipulation blockierten, wurde sowohl der durch die Kälte vermittelte Vitamin A-Anstieg als auch das „Browning“ des weißen Fetts gehemmt: „Die Folge war eine Abnahme der Wärmeproduktion und Fettverbrennung, sodass sich die Mäuse nicht mehr ausreichend gegen die Kälte schützen konnten“, so Kiefer. Hingegen führte die Zugabe von Vitamin A in menschlichen weißen Fettzellen zu einer Ausprägung brauner Fettzelleigenschaften mit vermehrter Stoffwechselaktivität und Energieverbrennung.

Vitamin A als «neues» Mittel gegen Adipositas?

„Die Ergebnisse unserer Forschungen zeigen, dass Vitamin A eine wichtige Rolle in der Funktion des Fettgewebes spielt und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Energiestoffwechsel in unserem Körper hat. Das heißt allerdings im Umkehrschluss nicht, dass man einfach ungezügelt Vitamin A Supplemente [Anmerkung: Nahrungsmittelergänzungen] zu sich nehmen soll, um abzunehmen. Denn es kommt vor allem darauf an, dass es zur richtigen Zeit zu den richtigen Zellen transportiert wird“, erläutert der MedUni Wien-Forscher.

„Wir haben im Rahmen unserer Forschungen einen neuen Mechanismus entdeckt, wie Vitamin A in die körpereigene Wärmeproduktion eingreift und die Fettverbrennung während der Kälte ankurbelt. Das könnte uns helfen, in Zukunft neue therapeutische Interventionen bei der Behandlung von Adipositas zu entwickeln, die genau diesen Mechanismus ausnutzen.“

Eine gute Vitamin-A-Quelle ist übrigens Leber. Andere tierische Lebensmittel wie Fette [zum Beispiel Butter], Eier und Fisch [vor allem Haifisch, Heilbutt und Makrele]enthalten ebenfalls reichlich Vitamin A. Provitamin-A-Carotinoide, das sind Vorstufen des Vitamin A, sind in der Natur weit verbreitet und kommen so gut wie in allen pflanzlichen Produkten vor, vor allem in Grüngemüse wie Spinat, Grünkohl, grüne Bohnen, Broccoli und Feldsalat, aber auch in Karotten und Tomaten. 

Broccoli und Karotten in einer Pfanne, Stichwort Vitamin A.
(c) Pixabay.com
Gemüse, wie in diesem Fall Broccoli und Karotten, sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch gut und ist gesund 😉

Service | Information: Molecular Metabolism

Die Studie* „Intact vitamin A transport is critical for cold-mediated adipose tissue browning and thermogenesis“. Fenzl A, Kulterer OC et al. können sie HIER lesen [in Englischer Sprache]und als Pdf downloaden.

An der Studie waren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard University, Boston und der Rutgers University, New Jersey beteiligt. Die Studie wurde durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds [FWF], den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds [WWTF] und den Forschungsfonds der Österreichischen Diabetesgesellschaft unterstützt.

(Bilder: Pixabay.com)

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