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Schuld sind die Wechseljahre – Fakten & Mythen über die Menopause

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Die Wechseljahre kommen nicht „über Nacht“, sondern sind vielmehr ein langsam beginnender mehrjähriger Prozess der Veränderung des weiblichen Körpers. Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit oder innere Unruhe werden den Wechseljahren zugeschrieben. Doch nicht immer sind die Wechseljahre dafür verantwortlich. Lesen sie hier interessante Fakten und hartnäckige Mythen über die Wechseljahre.

Die Wechseljahre – ein großer Einschnitt im Leben einer Frau

Biologisch gesehen sind die Wechseljahre – auch Menopause oder Klimakterium genannt– auf jeden Fall ein großer Einschnitt im Leben einer Frau. Denn in den Jahren vor und nach der letzten Regelblutung – so um das 50. Lebensjahr – enden auf Grund hormoneller Umstellungen die fruchtbaren Jahre. Mit dem Absinken weiblicher Sexualhormone im Blut gehen einige körperliche Veränderungen einher, die bei vielen Frauen zu Beschwerden führen.

Meist beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40. Die Eierstöcke produzieren allmählich weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus, und die Fruchtbarkeit nimmt ab. Erste Anzeichen dafür sind unregelmäßige Monatsblutungen. Die Zyklen sind anfangs oft kürzer, später oft länger bis sie schließlich ganz ausbleiben.

Die allerletzte Monatsblutung wird Menopause genannt. Bis die hormonelle Umstellung ganz abgeschlossen ist, vergehen allerdings im Normalfall noch weitere Jahre. Bei etwa einem Drittel der Frauen in den Wechseljahren sind die damit einher gehenden Symptome stark ausgeprägt, bei einem Drittel nur leicht und die restlichen Frauen leiden gar nicht unter der hormonellen Veränderung. Allerdings sind nicht alle Beschwerden in dieser Lebensphase auf die Wechseljahre zurückzuführen. Im Gegenteil, denn so besteht die Gefahr, Symptome, die auf körper­liche oder seelische Erkrankungen hinweisen könnten, zu ­übersehen.

Eine Frau im Vintage-Stil mit Kopftuch und Sonnenbrille in einem Oldtimer. (c) Pixabay.com
Mit den Wechseljahren beginnt – nach der Pubertät – die zweite große hormonelle Umstellung im Körper einer Frau.

Typische Beschwerden in den Wechseljahren

In den Wechseljahren können mehr oder weniger starke Beschwerden auftreten, die die Lebensqualität betroffener Frauen erheblich schmälern. Durch die verminderte Hormonproduktion reagiert der Körper bei zwei von drei Frauen mit typischen Symptomen wie:

  • Nervosität, innere Unruhe, Reizbarkeit
  • Herzrasen
  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Nachtschweiß
  • Frösteln
  • Haarausfall
  • Hautveränderungen
  • Blutdruckschwankungen
  • trockene Augen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Libidoverlust
  • Harnwegsinfekte
  • Zahnfleischentzündungen
  • schmerzende Gelenke und Muskeln
  • Gewichtszunahme

Aber auch die psychische Befindlichkeit ändert sich im Laufe dieser Phase. Viele Frauen neigen zu depressiven Verstimmungen, Angststörungen oder fühlen sich schlicht „überflüssig“.

Um die 50 beginnen die Wechseljahre

Dieser Mythos ist schlicht und ergreifend falsch. Denn normaler Weise beginnen die Wechseljahre nämlich bereits ab Mitte 40. Die Eierstöcke produzieren dann immer weniger der Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen, die Monatsblutungen erfolgen unregelmäßiger und bleiben schließlich aus. Danach ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Die sogenannte Menopause ist zumeist erreicht, wenn über zwölf Monate keine Regelblutung mehr aufgetreten ist.

Wer genau wissen möchte, ob die Wechseljahre bereits begonnen haben, kann bei der Frauenärztin/ Frauenarzt den Hormonstatus untersuchen lassen.

Wechselbeschwerden sind hormonbedingt

Bei Wechselbeschwerden spielen zwar die Hormone eine nicht unwesentliche Rolle, allerdings wird diese oft auch überschätzt. Die Abnahme des Östrogenspiegels beispielsweise ist für die typischen Hitzewallungen und Schweißausbrüche in den Wechseljahren verantwortlich. Allerdings nehmen viele andere körperliche und psychische Veränderungen aus ganz unterschiedlichen Gründen – bei Männern genauso wie bei Frauen – ab den mittleren Jahren zu, wie zB sexuelle Probleme oder Stimmungsschwankungen.

Nicht zu unterschätzen sind aber in diesem Zusammenhang Umbrüche im Privat- oder Berufsleben, die in diesen Jahren oft anstehen. Die Kinder werden flügge und verlassen das Haus, und es bleibt wieder mehr Zeit für Partnerschaft und Karriere. Diese Veränderungen bergen Chancen, bedeuten aber für die eine oder andere Stress und seelische Belastung, die das individuelle Wohlbefinden in hohem Maße beeinflussen.

Spezielle Ernährung, Sport, pflanzliche Mittel – es gibt vieles, das hilft

Die Antwort darauf ist ein eindeutiges „Jein“. Denn auf der einen Seite gibt es kaum Studien, die einen positiven Effekt von spezieller Ernährung oder Sport auf etwaige Wechselbeschwerden hinreichend belegen. Auf der anderen Seite sollte man sich aber grundsätzlich gesund ernähren und viel Sport und Bewegung betreiben, da es allgemein der Gesundheit und dem seelischen Wohlbefinden dient.

Viele Frauen nehmen pflanzliche und homöopathische Mittel wie Rotklee, Traubensilberkerze, Ginseng oder Mönchspfeffer ein, oder sie setzen auf alternativmedizinische Ansätze wie Akupunktur und Chiropraktik. Doch auch dafür gibt es keine expliziten Nachweise hinsichtlich deren Wirksamkeit. Als eine Art „Faustregel“ kann gelten: man sollte nicht allzu viel herumexperimentieren bzw. wenn dann Rücksprache mit seiner Ärztin/ Arzt halten.

Generell empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise – nicht nur für Frauen in den Wechseljahren. Wer sich ausgewogen ernährt, viel bewegt, Genussgifte meidet und für ausreichend Erholung und Entspannung sorgt, fühlt sich ausgeglichener und kann mit Stress oder Beschwerden meist besser umgehen

Den Wechseljahren quasi davonlaufen – eine Frau beim Joggen auf einem Waldweg im Morgenlicht. (c) Pixabay.com
Den Beschwerden in den Wechseljahren einfach davon laufen – wenn es „im echten Leben“ doch immer auch so einfach wäre. Allerdings: #SportISTgesund und kann auf keinen Fall schaden.

Hormonersatztherapie gegen Beschwerden

Hier ist absolute Vorsicht geboten! Hormone sind keine harmlosen Mittelchen. Und die Wechseljahre sind keine Krankheit, die sich durch Anheben des Hormonspiegels einfach verhindern ließe. Vor allem die langfristige Einnahme von Hormonen kann ernsthafte Nebenwirkungen haben, wie langjährige Studien gezeigt haben. So erhöhte sich das Risiko für Thrombosen, Herzgefäßkrankheiten und auch für Brust- und Eierstockkrebs.

Allerdings gilt eine Behandlung mit Östrogen- und Gestagen-Präparaten als wirksamste Therapie gegen typische akute Beschwerden, wenn die Betroffenen stark unter den Symptomen leiden. Wer Hormone schlucken möchte, sollte sich auf jeden Fall zuvor gut bei einem Facharzt/ Ärztin über Chancen und Risiken erkundigen. Entscheidet man sich dafür, muss die Behandlung und vor allem ihre Dauer individuell abgestimmt und regelmäßig kontrolliert werden.

Sex in den Wechseljahren

Sexualität hat viele Dimensionen, auch in den Wechseljahren. Eine unmittelbare Folge der Hormonumstellung ist bei knapp einem Drittel der Frauen, dass die Scheidenschleimhaut trockener und empfindlicher wird. Dadurch wird diese auch bei Erregung nicht mehr richtig feucht, was zu Schmerzen beim Sex führen kann. Dem kann aber durch ein Gleitmittel oder durch eine Östrogenbehandlung, die nur lokal in der Scheide wirkt, leicht abgeholfen werden.

Ein größeres Problem ist häufig, dass bei vielen Frauen das sexuelle Verlangen nachlässt. Bei anderen steigt es jedoch in den Wechseljahren an.

Für den Verlust der Lust am Sex sind allerdings vermutlich weniger die Hormone Schuld als Paarprobleme, psychische Belastungen oder auch Medikamente, die viele Frauen mit zunehmendem Alter häufiger einnehmen. Manche Frauen stört das Nachlassen der Lust auch gar nicht. Wer jedoch darunter leidet oder negative Auswirkungen auf die Partnerschaft befürchtet, sollte sich ohne Scham Rat suchen. Die Frauenärztin/ Arzt ist meist eine erste gute Anlaufstelle und gewohnt, über sexuelle Probleme zu reden. Wenn es aber eher um die psychische und soziale Dimension geht, könnte auch ein Besuch beim Psychologen oder Paartherapeuten helfen.

(Bilder: Pixabay.com)

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