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Haut & Seele – wie die Psyche Neurodermitis, Akne, etc. beeinflusst

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Viele haben es [schon immer] geahnt, einige auch [immer wieder] erforscht und bestätigt: Hautkrankheiten und die Psyche hängen zusammen. Man bekommt Pickel, wenn man sich nicht gut fühlt; die Haut juckt, wenn man wütend ist – auch wenn die Psyche jetzt nicht hinter jedem Hautausschlag, Juckreiz oder Pickel steckt: Stress und psychische Extremsituationen wie Angst, Trauer, Versagensängste, etc. können Hautkrankheiten auslösen.

Unsere Haut zeigt Gefühle

Die Entstehung eines Hautleidens kann – bildlich gesprochen – mit einem Fass verglichen werden, das mit möglichen Ursachen angefüllt wird: Vererbung, ungünstige Klimaeinflüsse, Erkrankungen, Allergien, Medikamente, falsche Ernährung, Unverträglichkeiten, mangelnde Pflege, ungesunder Lebensstil und eben auch psychische Einflüsse. Läuft das imaginäre Fass über, entsteht eine Krankheit.

Dass dabei unsere Haut – um weiter in der Bildsprache zu bleiben – als „Überdruckventil“ unserer Psyche angesehen werden kann, bleibt dabei oftmals unberücksichtigt. Denken sie daran, wie wir über unsere Haut Gefühle zeigen können: fürchten wir uns, bekommen wir eine Gänsehaut, erblassen vor Schreck oder erröten vor Scham. Emotionale und psychische Konflikte, die wir nicht verarbeiten, können krank machen und psychosomatische Beschwerden auslösen.

Oder anders gesagt: Hauterkrankungen nehmen deutlich zu. Neurodermitis und Schuppenflechte sind längst in den Rang von „Volkskrankheiten“ aufgestiegen. Und hier bestimmt vor allem die seelische Verfassung der davon Betroffenen den Verlauf der Erkrankung entscheidend mit.

Nahaufnahme einer Hautkrankheit.
(c) Pixabay.com
Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte nehmen deutlich zu.

„Das geht mit unter die Haut.“

Natürlich ist es nicht so, dass alle Hautprobleme seelische Ursachen haben. Sprich, man sollte auf keinen Fall vorschnelle Schlüsse ziehen, wenn es im Gesicht oder an den Ellenbogen wieder einmal brennt oder juckt. Denn nicht hinter jedem Symptom ist gleich eine angeschlagene Psyche zu vermuten. Es gibt [sehr]viele vererbte Krankheiten oder solche, die zum Beispiel durch Kontakt mit bestimmten Substanzen oder Keimen ausgelöst werden. Ihr Verlauf wird auch nicht von der psychischen Verfassung des Betroffenen beeinflusst.

Daher sollten sie in erster Linie zunächst auf jeden Fall mit ihrem Arzt/ Ärztin sprechen und in weiterer Folge einen Dermatologen/ Dermatologin aufsuchen. Sollten ihre Beschwerden nachweislich von starken Ängsten, traurigen Lebensereignissen oder emotionalen Konflikten ausgelöst, verlängert oder verschlimmert werden, sollten sie eine begleitende psychotherapeutische Behandlung in Betracht ziehen – und zwar nur dann und auch wieder in Rücksprache mit ihrem Arzt/ ihrer Ärztin.

Um möglichen psychischen Ursachen auf die Spur zu kommen, sollten sie gemeinsam mit ihrem Arzt/ ihrer Ärztin immer auch die Frage klären, ob ihre Krankheit Auswirkungen auf ihr soziales und/ oder berufliches Leben hat bzw. auch, ob sie sich in bestimmten Belastungssituationen verschlechtert. In diesem Sinn wäre beispielsweise bei Neurodermitis in 20 Prozent aller Fälle eine begleitende Psychotherapie eigentlich unverzichtbar, was auch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten bestätigen.

Stress ist schlecht – nicht nur, sonder auch für die Haut

Zwar ist die Datenlage insgesamt im Vergleich zu anderen Erkrankungen noch relativ dünn, aber es gibt immer mehr Hinweise auf einen starken Zusammenhang zwischen Stress und Hautkrankheiten. Japanische Wissenschafter haben beispielsweise nach dem schweren Erdbeben von Kobe 1995 beobachtet, dass sich bei fast 40 Prozent der über 1.500 an Neurodermitis erkrankten Personen in der Region die Krankheit massiv verschlimmerte.

Auch zur Nesselsucht und zur Weißfleckenkrankheit gibt es einige Studien, die den Einfluss von Stress, innerer Unruhe und Depression wissenschaftlich belegen. Mehrere Forschergruppen konnten in den vergangenen Jahren nachweisen, dass es bei Stress eine enge Wechselwirkung zwischen Gehirn, Hormon- und Immunsystem gibt. Vieles spricht also dafür, dass unsere Gefühlslage das Immunsystem und damit auch den Verlauf zahlreicher Hautkrankheiten viel mehr beeinflusst, als uns bisher bewusst war.

Eine Frau, die an einem See auf einem Steg in einer Yoga-Position sitzt.
(c) Pixabay.com
Auch wenn es zunächst etwas ungewöhnlich klingen mag, aber Entspannungstechniken könne [auch] bei Erkrankungen der Haut sehr hilfreich sein was die Therapie betrifft.

Entspannen sie sich – [auch] ihre Haut wird es ihnen danken

Wenn auf der einen Seite Studien zeigen, dass unsere Haut sozusagen als „Spiegel unserer Seele“ auf Stress & Co. reagiert, bedeutet das auf der anderen Seite, dass alle Maßnahmen zum besseren Umgang damit – auch – unserer Haut gut tun. Dh, wenn sie gleichzeitig unter Hautproblemen und beispielsweise heftigem Beziehungsstress leiden, ist eine zur hautärztlichen Behandlung begleitende Psychotherapie besonders zu empfehlen.

Sie brauchen jetzt aber nicht befürchten, dass sie jahrelang zur Psychoanalyse rennen müssen. Oft hilft es schon, wenn sie lernen, sich etwas Gutes zu tun und zu entspannen. Auch ein gezieltes Training zur Stressbewältigung oder Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Qi Gong können bei bestimmten Beschwerden helfen. Allerdings brauchen sie dabei zumindest eine kleine Portion Geduld. Denn der Erfolg stellt sich erst nach und nach nach einigen Monaten ein – und das auch nur, wenn sie mindestens dreimal pro Woche 15 Minuten lang trainieren.

Aktiv in diese Richtung sollten sie dann werden, wenn ihr Hautarzt/ Hautärztin ihnen die Ursache und den Zusammenhang einer Hauterkrankung nicht logisch und folgerichtig erklären kann. Dann besteht grundsätzlich schon der Verdacht bzw. die Möglichkeit, dass es sich in diesem Fall um eine auch psychisch mitbegründete Hautveränderung handeln könnte. In so einem Fall ist es sehr wichtig, dass man dem Arzt/ der Ärztin Gelegenheit gibt, mögliche Einflussfaktoren psychosozialer Natur mit in die Überlegungen einzubeziehen. Nur dann ist zu entscheiden, ob diese Aspekte zu vernachlässigen sind oder ob vielleicht eine gezielte psychosomatisch-psychotherapeutische Behandlung weiterhelfen könnte.

(Bilder: Pixabay.com)

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